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Kurz und keimfrei: Die Chefärzte Dr. Armin Kirschner und Dr. Wilhelm Fischer (ärztlicher Direktor) halten sich schon länger an diese Vorgabe in Schongau.

Krankenhaus Schongau

Lange Arztkittel sind kaum noch ein Thema

Schongau - Der langärmelige Weißkittel des Arztes gehört in der Krankenhaus GmbH bereits weitgehend der Vergangenheit an. „Zu Repräsentationszwecken ist er o.k., beim direkten Patientenkontakt aber unerwünscht“, sagt GmbH- Geschäftsführer Thomas Lippmann. Und erhält Zuspruch von Chefarzt Dr. Wilhelm Fischer und Hygienearzt Dr. Armin Kirschner.

Der Klinikkonzern Asklepios hat das Thema sensibilisiert, vom Arztkittel als Keimschleuder gesprochen und beklagt, dass Ärzte und Pflegepersonal ihre Kleidung zu selten wechselten, wodurch sich Keime entwickeln könnten. „Wir halten uns an generelle Richtlinien und die Hygiene-Kommission, wo entsprechende Beschlüsse gefasst werden. Und wir werden jetzt bestimmt nicht in Hysterie verfallen, weil die Asklepios-Gruppe etwas gut vermarktet“, sagt Lippmann, der noch ergänzt, „dass man hier keinesfalls von einer Neuerung sprechen kann“.

Gleichwohl möchte er an die Patienten appellieren und auch in der Bevölkerung für Verständnis werben, „dass sich das Bild vom Chefarzt mit wehendem Kittel, der durch die Gänge hetzt, verändert hat“. Überhaupt seien die Kliniken der GmbH in punkto Hygiene bestens aufgestellt. Neben einem Hygiene-Kommissar gebe es zwei Hygiene-Fachkräfte. Darüberhinaus seien weitere Hygiene-Beauftragte für jede Abteilung des Krankenhauses im Einsatz.

Für den neuen ärztlichen Direktor und Chefarzt Dr. Wilhelm Fischer ist der Wegfall des Kittels längst Normalität. „Den habe ich schon in Peißenberg in den vergangenen Jahren nicht mehr getragen, mein Oberarzt tut das seit etwa 20 Jahren nicht mehr.“ Fischer räumt dabei ein, „dass am Begriff Keimschleuder durchaus etwas dran ist“. Und er ergänzt: „Früher waren es zunächst die Krawatten, dann der Schmuck, die alle im Laufe der Jahre gewichen sind. Und jetzt die langen Kittel. Das ist konsequent und vernünftig.“

In der Endoskopie und im OP wirkende Ärzte seien ohnehin nicht davon betroffen, „weil dort Einmal-Kleidung getragen wird“. Und auch bei Eingriffen auf der Station sowie bei Infektionen würden besondere Bestimmungen gelten.

Dr. Armin Kirschner ist nicht nur Chefarzt der Anästhesie an der Schongauer Klinik, sondern auch Hygienearzt. Er hält den Vorstoß der Asklepios-Kliniken für hilfreich, sieht durchaus Bedarf für manche Klinik. „Ich habe da schon abenteuerliche Dinge in Kliniken erlebt, die gar nicht so weit weg sind“, erklärt er, will aber keine Namen nennen. Für Schongau und Weilheim kann er aber Entwarnung geben, verweist auf ein Papier, an das sich Ärzte und Pflegepersonal zu halten hätten. Und er zitiert: „Die Berufskleidung wird vom Arbeitgeber gestellt und ist kurzärmelig.“

Geschäftsführer Lippmann hat da noch einige Ergänzungen. „Gerade bei jungen Ärzten muss man bisweilen darauf achten, dass die Anordnung auch umgesetzt wird, weil für viele der lange Kittel noch so eine Art Statussymbol ist.“ Gleichwohl werde auch darauf geachtet, dass die vor allem beim weiblichen Pflegepersonal in den Wintermonaten beliebte Strickjacke bei der Patientenversorgung nicht getragen werde. „Hält sich ein Arzt nicht an unsere Hygiene-Statuten , verstößt er gegen seine arbeitsvertraglichen Verpflichtungen, was persönliche Konsequenzen für ihn haben kann.“ Kirschner scheut sich nicht, Kollegen darauf anzusprechen. „Das ist schon gelegentlich passiert“, sagt er.

Stephan Penning

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