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Bei frostigen Temperaturen wurden Kies und Baumstümpfe ins Flussbett eingebracht, um neuen Lebensraum für Fische und Kleinlebewesen zu schaffen. Nun bleibt zu hoffen, dass die Aktion den gewünschten Erfolg bringt.

Lebensraum Lechtal

Weihnachtsgeschenk für den Lech

Schongqau - Im besinnlichen Advent ist zwischen Halblech und Schongau noch einiges los. In gemeinsamer Anstrengung haben verschiedene Akteure dem Lech ein Weihnachtsgeschenk in Form von Kies gemacht und an seinen Ufern eine gebietsfremde Pflanzenart bekämpft.

 Der Lech ist durch ein starkes Gefälle und seinen Ursprung im Gebirge geradezu ein Kies-Förderband. Bevor der Mensch durch den Bau von Staustufen in die natürliche Geschiebedynamik eingegriffen hat, wurden in seinen Fluten jährlich rund 30 000 Kubikmeter Kies transportiert. Anfang Dezember hat der Lebensraum Lechtal in Kooperation mit den Wasserwirtschaftsämter Kempten und Weilheim und dem Sportfischerverein „Die Gesplißten“ das Förderband für eine Woche wieder in Gang gesetzt.

Mit 100 Lkw-Ladungen wurden rund 1500 Kubikmeter Kies von der Mündung des Halblechs abtransportiert und einige Kilometer weiter an der Staustufe Dessau wieder in den Fluss eingebracht. Dort entstehen nun neue Laichplätze für typische Flussfische wie Bachforelle, Nase und Huchen – letzterer steht als „stark gefährdet“ auf der Roten Liste. Eine vom Lebensraum Lechtal in Auftrag gegebene Studie hatte ergeben, dass dem Lech in der Litzauer Schleife vor allem feiner Kies fehlt, weil dieser über die Jahrzehnte abgeschwemmt und zusammen mit viel Schlamm im Schongauer Stausee abgelagert wurde. Durch die verringerte Strömung enthält das Wasser dort aber viel weniger Sauerstoff und ist nicht als Lebensraum für Flussfische und ihre Beutetiere geeignet.

Bei frostigen Temperaturen wurden Kies und Baumstümpfe ins Flussbett eingebracht, um neuen Lebensraum für Fische und Kleinlebewesen zu schaffen. Nun bleibt zu hoffen, dass die Aktion den gewünschten Erfolg bringt.

„Die Kiesentnahme an der Mündung des Halblechs war ohnehin notwendig, um wieder eine Dynamik im Mündungsbereich des Halbleches anzustoßen“, erklärt Martin Mohr vom Wasserwirtschaftsamt Kempten, der die Aktion geplant hat. Aus dem entnommenen Material wurden genau die feinen Kiesel herausgesiebt, welche für die Flussfische so wichtig sind. Für den Transport standen dem Lebensraum Lechtal 20 000 Euro aus Mitteln des Hotspot-Projektes „Alpenflusslandschaften – Vielfalt leben von Ammersee bis Zugspitze“ zur Verfügung.

Erfreulicherweise hat der Sportfischerverein „Die Gesplißten“ die Aktion mit weiteren 10 000 Euro bezuschusst. „Wir fühlen uns auch verpflichtet, den Lech als Lebensraum für Flussfischarten ökologisch aufzuwerten. Außerdem sind solche Maßnahmen oft effektiver als künstlicher Besatz mit Jungfischen“, begründet Heinz Höfler das Engagement des Fischervereins.

Nachdem der Kies an der Dessau in den Lech gekippt war, verteilten ihn Bagger und Radlader zu einer langgezogenen Unterwasser-Kiesbank. Die Kosten hierfür übernahm das Wasserwirtschaftsamt Weilheim. Zusätzlich eingebrachte Baumstümpfe und Fichtenstämme bieten vielen Kleinlebewesen einen Lebensraum und den Fischen Schutz vor Feinden. „Die Umsetzung der Maßnahme über die Zuständigkeitsgrenzen der Behörden hinweg lief reibungslos und stieß auch bei der Anglergemeinschaft Lech-Ammer und den Unteren Naturschutzbehörden auf große Zustimmung“, gibt sich Harald Jungbold vom Lebensraum Lechtal zufrieden.

Doch auch an Land war der Naturschutzverein in Kooperation mit der Pfadfindergruppe Nacanapah aus Schongau und dem Wasserwirtschaftsamt Weilheim tätig. An der Litzauer Schleife hat sich in den letzten Jahren an zwei Stellen der eingeschleppte Sachalin-Knöterich breit gemacht. Johannes Karrer vom Lebensraum Lechtal kritisiert das unbedachte Verhalten mancher Gartenbesitzer. „Vermutlich hat jemand abgeschnittene Stauden illegal in den Lechleiten entsorgt. Nun verdrängt die invasive Art heimische Pflanzen.“ Die Knöterich-Pflanzen wurden von den Pfadfindern abgeschnitten und der Boden von Flussmeister Stefan Kotz und seinen Mitarbeiter vom Wasserwirtschaftsamt Weilheim großflächig mit Planen abgedeckt.

Weitere Infos

über das Projekt unter http://www.alpenflusslandschaften.de/

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