Gleich heißt es „O’zapft is“: Lechbrucks Bürgermeister Helmut Angl beim Anschlagen des Starkbierfasses. FotO: os

Lechbruck 2525 und der "kleine Helmutti"

Lechbruck - In Lechbruck passiert nicht viel. Oder so wenig, dass man Themen zum Derblecken schon in der Zukunft suchen muss. So wie jetzt beim Starkbierabend.

In Lechbruck passiert nicht viel. Oder so wenig, dass man Themen zum Derblecken schon in der Zukunft suchen muss. Denn dahin entführte das Singspiel beim 13. Starkbierabend in der Lechhalle.

„In the Year 2525“ - da sind Stefan Fichtl und Ulli Langenwalder wohl ein bisschen übers Ziel hinausgeschossen. Nachdem sich der Dritte im Bunde, Sepp Langenwalder, schon vor Langeweile verabschiedet hatte, waren die beiden auf der Suche nach Themen fürs heurige Singspiel. Denn es sei immer das gleiche, es geschehe zwar schon etwas, aber es passiere halt nichts mehr in Lechbruck.

„Sauber nix los“ kommentierte Stefan Fichtl. Weshalb der Ulli seine neue Zukunftsapp ausprobieren wollte. Und mit der machten die beiden einen Sprung ins 26. Jahrhundert. Wo das ganze Allgäu in der Zukunft ist. Nur ein kleines Dorf am Lech nicht. Denn seine Bewohner haben es verlassen, bis auf den letzten Lecher und ihn - den Bürgermeister. Während Maibaum, Rathaus und der schwarze Geländewagen davor mit Ranken überzogen sind, sitzt er da, der letzte Lecher. Mit schlohweißem Haar begrüßt er die Zeitreisenden: „I bin der Angl.“

Das Kampfplatzteam um Stefan Fichtl zeichnete wieder fürs Singspiel verantwortlich. Im letzten Moment, fast wie immer, hatten sie das Thema fertiggestellt, und mit Nachtarbeit, auch fast wie immer, waren die Kulissenbauer fertig geworden.

Reinhold Reichart vom Kampfplatzteam begrüßte kurz die Anwesenden und ging auf die Veränderungen im Dorf ein. Seit einem Jahr nun habe man einen neuen Gemeinderat, der bei der Klausur auf Kurs eingeschworen worden sei. Denn Helmut Angl dulde keinen Widerspruch, so Reichart. Da sei das Fähnchen in den Wind zu halten die beste Form der Windkraft in Lechbruck.

Und Reichart begrüßte Altbürgermeister Dietmar Hollmann, aus dessen Schatten Helmut Angl nicht herauszutreten vermöge. Hollmann habe eine Schule gebaut, „Angl nur eine abgerissen. Unter Hollmann wurde der Golfplatz auf der Gsteig gebaut, unter Angl nur die Minigolfanlage.“ Und auch wenn Helmut Angl Schulden abbaue, wer hat sie wohl gemacht?

Da allerdings wurde es unruhig im Saal - er wollte raus. Mit lautem Gepolter machte sich der „kleine Helmutti“ Luft, er wolle das Publikum einmal nüchtern sehen und seinen Namensvetter („Ich bin Hell, du hast Mut“) beim Anzapfen beobachten. Und mit Courage ging der Rathauschef an die Arbeit, mit zwei Mal zwei Schlägen trieb er den Wechsel ins Bierfass, und es hieß „O‘zapft is“.

Worte, bei denen auch der Dorfheilige eilig in den Saal kommt. So hatte Nepomuk, der Schutzpatron der Brücken alias Stefan Fichtl, wieder seinen Platz an der Lechbrücke verlassen und war in die Lechhalle gekommen. „Jetzt kann ich das Leben wieder genießen“, waren seine ersten Worte, nachdem er ein frisch gezapftes Bier geordert hatte.

Es sei ihm immer wieder eine Freude „vor Euch zu stehen“, so der Nepomuk, der sich umgehört habe im Dorf, was denn so alles passiert sei. Aber, das sei es ja, „Nix ist passiert!“ empörte sich Fichtl. Und mit Blick auf den Gemeinderat meinte er dann: „Was ist da los. Habt ihr nichts zu tun?“ Nach dem Wahlkampf hätten die für die nächsten sechs Jahre wieder Ruhe. Denn der Bürgermeister mache eh lieber alles allein.

Aber der Bürgermeister sei schon ein besonderer, so Fichtl. „Er kann alles, er weiß alles. Und er glaubt alles, das reicht ihm ja auch.“

Oliver Sommer

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