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Die EVG-Märkte im Schongauer Land sind wegen Insolvenz geschlossen. 

Insolvenzverfahren

EVG: Genossen zahlen in jedem Fall drauf

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Altenstadt/Bernbeuren/Lechbruck – Die EVG-Standorte der Region in Bernbeuren und Lechbruck sind bereits leergeräumt, in Altenstadt startet voraussichtlich in der kommenden Woche der Abverkauf der Waren. Bitter ist die Pleite des Agrarhandels für die Genossen, die trotz Insolvenz zahlen müssen. Nicht nur deshalb wird ein riesiger Ansturm auf die Gläubigerversammlung erwartet.

Die Nachricht, dass die EVG-Genossen auch zur Kasse gebeten werden, wenn sie bereits im Frühjahr 2016 gekündigt haben, dürfte die Festtagsstimmung der vergangenen Tage getrübt haben. Insolvenzverwalter Dr. Thomas Karg hatte darüber informiert, dass diese rund 6000 Genossen des insolventen Agrarhandels aus Erkheim mit seinen 16 Märkten 256 Euro hinblättern müssen – ohne Ausnahme. „Diese Nachschusspflicht ist so in der Satzung vorgesehen“, erläutert Karg. Im Vergleich zu jenen Genossen, die sich im April dazu entschieden hatten, die Kapitalerhöhung auf 495 Euro mitzumachen, kommen sie aber noch glimpflich davon. Auch wer bis heute noch kein Geld überwiesen hat, muss dennoch bezahlen. Insgesamt zählt die EVG rund 10.500 Genossen.

Schon allein deshalb erwartet der Insolvenzverwalter von der Memminger Kanzlei Dr. Karg, Puhlmann & Kollegen großen Zulauf zur Gläubigerversammlung, die für Donnerstag, 19. Januar, geplant ist (Memminger Stadthalle). Wobei er klarstellt, dass die Genossen zwar Zutritt haben, aber bevorzugt die Gläubiger eingelassen werden. Hierzu zählen auch die Arbeitnehmer.

250 Mitarbeiter zählte die EVG noch Anfang 2016. Einige Stellen waren dann nicht mehr nachbesetzt worden, und auch im Zuge des Sanierungskonzepts hatte es einige Kündigungen gegeben. Im Rahmen der Insolvenz mussten dann aber immer noch 193 Mitarbeitern in der Region, im Allgäu und in Oberschwaben gekündigt werden. Karg spricht von insgesamt rund 1000 potentiellen Gläubigern.

Noch sind keine Immobilien verkauft, sagt der Insolvenzverwalter

Sicherlich werden nicht alle die Gläubigerversammlung in Memmingen besuchen, sodass auch weitere berechtigte Bürger zu dem Termin des Amtsgerichts eingelassen werden, aber es haben nur maximal 1200 Personen Platz. Wer auch als Genosse eingelassen werden möchte, möge bitte rechtzeitig kommen, so Karg, der darauf verweist, dass die Einlasskontrollen ihre Zeit benötigen. Informiert werden soll über den bisherigen Verfahrensverlauf, die Ursachen der Krise und das geplante weitere Vorgehen der Insolvenzverwaltung. Dass bereits Immobilien verkauft sind, sei im Übrigen ein Gerücht, betont der Insolvenzverwalter.

Um die Vor-Ort-Abverkäufe der ehemaligen Standorte der EVG Erkheim kümmert sich die Firma Phoenix aus Buch bei Illertissen in Arbeitsgemeinschaft mit der Firma Schuk aus Neu-Ulm. Nacheinander gibt es Ausverkaufstage in allen Filialen, die Termine hierfür wurden diese Woche am Montag festgelegt und wurden nun veröffentlicht. Parallel zur Gläubigerversammlung in der kommenden Woche beginnt der Abverkauf am EVG-Standort in Altenstadt. Mittwoch, 18. Januar, bis Samstag, 21. Januar, sind als Verkaufstermine für die komplette Betriebs- und Geschäftsausstattung samt aller Warenbestände vorgesehen. Verkauft werden soll zwischen 8 und 18 Uhr (Samstag nur bis 14 Uhr) also nicht nur die komplette Ware, sondern auch Regale und Büromöbel. Vorgesehen ist zunächst eine Preisreduzierung von 15 bis 50 Prozent.

Abverkauf soll Ende März komplett beendet sein

Zwölf Standorte müssen insgesamt noch geräumt werden, kleinere gemietete Standorte wie Bernbeuren oder mit einem speziellen Warenbestand wie dem Online-Versand von Arbeitsbekleidung in Lechbruck, sind bereits leer. Restwaren, die binnen der Verkaufstage vor Ort nicht an den Mann gebracht werden können, werden direkt in die Zentrale nach Erkheim gebracht, wo dann der Schlussverkauf stattfinden soll.

Geht es nach Phoenix-Geschäftsführer Guntram Zanker, dann ist der gesamten Abverkauf Mitte März beendet.

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