Am oberen Lechsee in Lechbruck soll ein Hotel gebaut werden. So sehen die umstrittenen Pläne des Investors aus.
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Die Pläne des Investors am oberen Lechsee in Lechbruck: Ob da noch Platz für einen Fußweg am See bleibt, bezweifeln die Initiatoren des Bürgerbegehrens gegen die Hotelpläne.

Wellnesshotel am oberen Lechsee geplant

Lechbruck: Initiative startet Bürgerbegehren gegen Hotelpläne - kleiner Eklat bei Informationsveranstaltung

  • Jörg von Rohland
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Jetzt wird es ernst: Die Listen für das Bürgerbegehren gegen die Hotelpläne in Lechbruck bereit. Mindestens 270 Unterschriften benötigt die Bürgerinitiative (BI) für den Bürgerentscheid.

Lechbruck – Die Fragestellung fällt, wie so oft bei Bürgerbegehren, ziemlich sperrig aus: „Sind Sie dafür, dass die Gemeinde Lechbruck am See für den geplanten Hotelneubau am oberen Lechsee keine planungsrechtlichen Voraussetzungen schafft und deshalb das Bebauungsplanverfahren für den vorhabenbezogenen Bebauungsplan Nr. 2 ,Sondergebiet Hotel am oberen Lechsee’ sowie das Änderungsverfahren zum Flächennutzungsplan im Bereich des Bebauungsplans Nr. 2 ,Sondergebiet Hotel am oberen Lechsee’ einstellt und nicht weiterverfolgt?“

Fragestellung und Begründung zum Bürgerbegehren sowie Zeilen für die Unterschriften hat die Bürgerinitiative übersichtlich auf einem Blatt zusammengefasst. Die Listen können seit 31. Oktober auf der Homepage der BI heruntergeladen und ausgedruckt werden. Wer keinen Drucker hat, kann sich die Listen auch am Briefkasten der Hotelgegner an der Lechwiesenstraße 9 abholen.

Lechbrucks Geschäftsleiter geht davon aus, dass die benötigten Unterschriften zusammenkommen

In der Gemeinde wusste man am Montag noch nichts davon, dass das Bürgerbegehren startet. „Bei uns liegt noch nichts aus“, berichtete Geschäftsleiter Michael Köpf auf Anfrage. Er geht aber davon aus, dass die benötigten 270 Unterschriften zusammenkommen werden. Wie berichtet, hatten die Initiatoren des Begehrens schon vorab 470 Unterschriften gesammelt. Sie zählen zwar nicht für das Verfahren. Aus ihnen lässt sich aber ablesen, dass die BI mit ihrer Meinung nicht ganz allein ist.

Lechbruck steuert so auf den zweiten Bürgerentscheid innerhalb von sieben Jahren zu. 2014 war es noch der „Adventure-Mini-Golf-Platz“, der die Gemüter erregte. Gegen die Pläne der Gemeinde, die Mini-Golf-Anlage vor dem Eisstadion für 200 000 Euro zu bauen, waren damals rund 270 Unterschriften zusammengekommen. Beim Bürgerentscheid erlebten die Initiatoren dann aber eine krachende Niederlage.

Lechbruck: 30-Millionen-Euro-Investition steht auf dem Spiel

Dieses Mal geht es aber um weit mehr als 200 000 Euro und eine überschaubare Freizeitanlage. Es steht eine 30-Millionen-Euro-Investition in ein Wellnesshotel auf dem Spiel. Und damit ein warmer Geldregen für das Rathaus. Zwar wird über den Kaufpreis des gemeindlichen Grundstücks am Lechsee noch Stillschweigen gehalten. Ein paar Millionen Euro dürften es aber schon werden, die für den Neubau von Feuerwehrhaus und Kindergarten höchst willkommen wären. Die gibt es aber freilich nur, wenn der Bürgerentscheid im Sinne von Investor Gerhard Breher ausfällt.

Um den hatte es bei der gemeindlichen Infoveranstaltung am 22. Oktober in der Lechhalle noch einen kleinen Eklat gegeben. Breher wollte, anders als zuvor angekündigt, am Ende doch noch Stellung beziehen. Rathauschef Werner Moll fragte die Vertreter der BI, ob sie dem zustimmen. Aber die wollten nicht mehr hören, was der Investor zu sagen hatte.

Hotelpläne in Lechbruck: Weitere Infoveranstaltung geplant

„Unserer Meinung nach hätte sich Herr Breher gerne vorab auf die Agenda setzen können, um seinen Standpunkt kund zu tun“, begründeten die Initiatoren ihre Ablehnung nun im Nachgang. „Doch sich plötzlich einzuschalten, wenn man die Argumente der Gegenseite kennt, ist nach unserer Meinung nicht gemäß der vereinbarten Spielregeln.“ Zudem sei man nicht davon ausgegangen, dass jemand aus der BI Interesse am „Kennenlernen des Investors“ habe. „Unserer Meinung nach verfolgt der Investor allein eine Gewinnmaximierung und interessiert sich nicht für Lechbruck, geschweige denn um einen einzigen Lecher“, meinen die BI-Vertreter. Da sei es unerheblich, ob er sympathisch oder unsympathisch sei. „Somit ist auch ein Kennenlernen nicht notwendig.“

Wahrscheinlich wird Investor Breher, der das Hotel bekanntlich für die Hoteliersfamilie Lerch errichten möchte, aber doch noch vor den Bürgern zu Wort kommen. Nach Abgabe der Unterschriften des Begehrens und der Prüfung durch die Gemeinde soll es erneut eine Infoveranstaltung geben. Das natürlich erst, sobald es die Corona-Pandemie zulässt. „Dann müssen wir das Gleiche wie hier nochmal machen“, hatte Rathauschef Moll schon bei der nichtöffentlichen Zusammenkunft in der Lechhalle angekündigt.

Die Veranstaltung ist mittlerweile auf der Internetseite der Gemeinde Lechbruck veröffentlicht worden.

Die ungeschnittene Infoveranstaltung wurde bei YouTube hochgeladen.

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