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Naturschützer wollen Stausee bei Lechbruck teilen

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Von: Jörg von Rohland

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Ein Surfer flitzt über den Stausee bei Lechbruck
Ein Surfer flitzt über den Stausee: Das Gewässer bietet für die Lechbrucker Gäste einen großen Mehrwert. Im Hintergrund sind der Campingplatz und eines der zwei Tourismusdörfer zu sehen. © Jörg von Rohland

Mit einer Aufstiegshilfe möchte es der Wasserkraftbetreiber Uniper Fischen erleichtern, die Lechstaustufe bei Urspring zu überwinden. Der Bund Naturschutz (BN) schlägt dagegen vor, den Lechbrucker Stausee aufzuteilen und halbseitig einen Wildfluss zu schaffen. Der Vorschlag stößt auch auf Kritik.

In ihrer Stellungnahme zum Neubau der Fischaufstiegsanlage an der Lechstaustufe Urspring lassen Orts- und Kreisgruppen des Bund Naturschutz (BN) in den Landkreisen Weilheim-Schongau und Ostallgäu kein gutes Haar an dem Vorhaben: Der Versuch, die Durchgängigkeit durch eine reine Fischaufstiegsanlage herzustellen, verkenne die Ziele der Wasserrahmenrichtlinie, der FFH-Richtlinie und die Aussagen aus den Naturschutzgebietsverordnungen, heißt es in dem Schreiben, das unter anderem von BN-Kreisgruppenchef Helmut Herrmann und dem schwäbischen BN-Regionalreferenten Thomas Frey unterzeichnet ist. Die Naturschützer fordern auch für „Geschiebe“ und Kleinlebewesen ein Durchkommen an dem Wasserkraftwerk. Erreicht werden kann das ihrer Meinung nach nur „mit einem umfangreicheren Umbau der Staustufe.“

Dank des Stausees gewinnt Uniper mit seinem Lechkraftwerk bei Urspring genügend Strom, der Touristenort Lechbruck kann seinen Gästen zahlreiche Freizeitangebote machen.
Der Ist-Zustand: Dank des Stausees gewinnt Uniper mit seinem Lech-Kraftwerk bei Urspring genügend Strom, der Touristenort Lechbruck kann seinen Gästen zahlreiche Freizeitangebote machen. © Bayerische Vermessungsverwaltung – www.geodaten.bayern.de

Eine weitere Idee, die der BN gleich mitliefert, lässt vor allem den Tourismus-Verantwortlichen in Lechbruck das Blut in den Adern gefrieren. Die Naturschützer wollen den See aufspalten. Auf der Lechbrucker Lechseite verbliebe danach nur ein schmaler Stausee für das Kraftwerk, die andere Hälfte würde zum Wildfluss ähnlich der Litzauer Schleife bei Burggen.

Stausee ist ein Pfund, mit dem das Flößerdorf wuchern kann

In Lechbruck sorgt die Idee für Entsetzen. Der Stausee ist bekanntlich ein Pfund, mit dem das Flößerdorf wuchern kann. Campingplatz und zwei Tourismusdörfer liegen in unmittelbarer Nähe. Die Gäste planschen im Wasser, Surfer flitzen über das bis zu 700 Meter breite Gewässer. Wie mehrfach berichtet, wollte zuletzt sogar ein Investor ein nobles Wellnesshotel an dem Stausee errichten. Das Vorhaben scheiterte jedoch am Veto der Bürger.

Die Vision des Bund Naturschutz: Der Lechbrucker Stausee wird geteilt. Auf der linken Seite fließt das Wasser wie gewohnt ins Kraftwerk, rechts davon wird der Lech zum Wildfluss.
Die Vision des Bund Naturschutz: Der Lechbrucker Stausee wird geteilt. Auf der linken Seite fließt das Wasser wie gewohnt ins Kraftwerk, rechts davon wird der Lech zum Wildfluss. © Fotomontage: Georg Kestel; Datenquelle: Bayerische Vermessungsverwaltung – www.geodaten.bayern.de

Rathauschef Werner Moll treiben nicht nur mögliche Verluste beim Tourismus um. Er verweist auch auf den „dringend notwendigen Hochwasserschutz“, den der Stausee für die Gemeinde bedeutet. Der Lechbrucker und auch der Bürgermeisterkollege auf der anderen Seite des Lechs, Steingadens Rathauschef Max Bertl, zweifeln zudem den energiepolitischen Sinn einer Verkleinerung des Stausees an.

Kraftwerksbetreiber: Planbare Stromerzeugung ginge deutlich zurück

In die Kerbe schlägt auch der Kraftwerksbetreiber Uniper: Die bedarfsgerechte, planbare Stromerzeugung ginge deutlich zurück, warnt Uniper-Sprecher Theodoros Reumschüssel. „Die so verlorenen, emissionslosen Kilowattstunden aus Wasserkraft müssten durch die Produktion aus dem aktuellen deutschen Erzeugungsmix ersetzt werden“, sagt er auch mit Blick auf die Kohleverstromung, die reichlich CO2 produziert.

Die Zweiteilung des Zulaufs beziehungsweise Stauraums in einen naturnah gestalteten Teil und einen Teil, der dem aktuellen Zustand entspreche, „wäre ohne Wehr nicht beherrschbar“, meint der Uniper-Sprecher obendrein. „Das hohe Schutzgut des Hochwasserschutzes“ würde gefährdet.“

Ihr gefällt der Vorschlag des Bund Naturschutz: Lech-Rangerin Patrizia Majowski hat 90 Flusskilometer des Lech im Blick.
Ihr gefällt der Vorschlag des Bund Naturschutz: Lech-Rangerin Patrizia Majowski hat 90 Flusskilometer des Lech im Blick. © Hans-Helmut Herold

Die zuständigen Behörden haben sich bislang noch nicht näher mit dem Vorschlag des BN befasst. Aus gutem Grund: „Dem Wasserwirtschaftsamt liegt kein Antrag auf Umbau der Staustufe in Form des Vorschlages des BUND Naturschutz in Bayern vor, Kosten und weitere Details sind nicht bekannt“, erklärt Abteilungsleiter Bernhard Müller auf Anfrage. Die geplante Fischaufstiegsanlage stelle „bei Beachtung der einschlägigen Regelwerke die Durchgängigkeit wieder her“. In welcher Form sie erfolge, „obliegt dem Betreiber der Wasserkraftanlage“.

Planfeststellungsverfahren für Fischaufstiegsanlage läuft

Das Planfeststellungsverfahren für die Aufstiegsanlage läuft bereits, sechs Millionen Euro will Uniper nach eigenen Angaben in das Bauwerk investieren. Im an der Planfeststellung beteiligten Landratsamt Weilheim-Schongau steht der BN-Vorschlag derzeit ebenfalls nicht zur Debatte. „Ob eine Zweiteilung des Lechstausees zugunsten eines Naturabschnitts überhaupt machbar ist, können wir nicht seriös beantworten“, heißt es aus dem Sachgebiet Wasserrecht.

Pro und Contra zu dem Vorschlag des Bund Naturschutz, den Lechstausee zu teilen:

Lech-Rangerin Patrizia Majowski findet ihn gut, weil der Lech „mehr ist als eine Reihe aufgestauter Badeseen mit Alpenpanorama“

Lechbrucks Bürgermeister Werner Moll hält Ideen, Dämme aus der Landschaft zu nehmen oder diese zu versetzen, „für bedenklich“.

Das Zukunftsprogramm des Bund Naturschutz für den Lech:

Die Stellungnahme des Bund Naturschutz zu der Fischaufstiegsanlage ist Bestandteil des „Zukunftsprogramm Bayerischer Lech“. Zentrales Ziel des Programms sei, den Lech von der Quelle bis zur Mündung zu renaturieren, heißt es. Bestandteile sind: „Deiche verlegen, Staumauern rückbauen, Auen anbinden, Geschiebedurchgängigkeit herstellen, Biotope vernetzen.“

Die energetische Nutzung am Lech müsse neu strukturiert werden. Eine Chance für den Umbau der Kraftwerke und Stauhaltungen ergebe sich im Laufe des 21. Jahrhunderts durch das Auslaufen der Lech-Kraftwerks-Konzessionen. Das stelle nicht die Energiewende und den Klimaschutz, insbesondere das Erreichen des 1,5-°C-Ziels, in Frage, meint der BN. Klimakrise und Biodiversitätskrise seien beides zentrale Herausforderungen und könnten gemeinsam gelöst werden. „Klimaschutz und Energiewende brauchen keinen Ausbau der Wasserkraft“, so der BN.

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