Mit dem Modell des Steinbruchs im Vordergrund (v.l.): Hobbykünstler Walter Altmannshofer, Ingrid Kahlert (zweite Vorsitzende des Fördervereins) und Gerd Ludwig (erster Vorsitzender)
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Mit dem Modell des Steinbruchs im Vordergrund (v.l.): Hobbykünstler Walter Altmannshofer, Ingrid Kahlert (zweite Vorsitzende des Fördervereins) und Gerd Ludwig (erster Vorsitzender)

Am Falchen

Lechbrucker Flößermuseum: Förderverein freut sich über Steinbruch-Modell in Miniaturformat

Das Modell in Miniaturformat eines Steinbruchs am Falchen ist der große Stolz des Lechbrucker Flößermuseums. Die Vorstellung der neuen Errungenschaft fand nun in kleiner Runde statt.

Lechbruck – Eine idyllische Kulisse hatte sich der Flößerverein Lechbruck für die Vorstellung eines Miniatur-Modells ausgesucht: Den Steinbruch oben am Falchen, einer von insgesamt fünf Steinbrüchen im Ort. Genau diesen zeigt schließlich auch das Modell. Ein Hobbykünstler aus Roßhaupten hatte den Steinbruch nachgebaut und dem Förderverein des Flößermuseums im März dieses Jahres gestiftet.

Die Vorstellung des Modells fand in ausgewählter Runde statt. Vor einer kleinen Gartenhütte waren sowohl das Modell, als auch alte Bilder und Pläne ausgestellt.

Alles hergerichtet hatte Gastgeberin Annemarie Grünert, die Enkelin des letzten Steinbruchbesitzers Magnus Gündhart. Mit 13 000 Quadratmetern sei es laut Ingrid Kahlert, zweite Vorsitzende des Fördervereins, der größte Steinbruch am Falchen. „Herr Altmannshofer hat es geschafft, diese 13  000 Quadratmeter auf 60 Zentimeter zu zaubern“, honorierte Kahlert die Arbeit des Künstlers, die zukünftig im Museum zu bewundern ist.

„In nur 60 Stunden erstellt - das kann man gar nicht glauben, wenn man diese Detailgenauigkeit sieht. Das ist eine ganz tolle Sache geworden“, lobte auch der erste Vorsitzende Gerd Ludwig.

Der Künstler Walter Altmannshofer, selbst Leiter des Dorfmuseums Roßhaupten, habe als begeisterter Modellbauer die Anfrage von Ingrid Kahlert gerne umgesetzt, erklärte er. Orientiert habe er sich bei seiner Arbeit an Plänen und Fotos, die vom letzten Steinbruchbesitzer Magnus Gündhart stammen. Das Modell sei etwas verkürzt dargestellt und habe aufgrund der Größe nicht die Originallänge wie das im Plan wäre. „Aber das Wesentliche ist hier dargestellt: Der Kran um die Steine hochzuholen und zu verladen, eine Lorenbahn und die Hütte des Sprengmeisters“, erklärte der Modellbauer das selbst gestaltete und bemalte Kunstwerk. Für den hölzernen Unterbau sorgte Hermann Ungurean aus Lechbruck.

„Ich bekam hier vor ein paar Wochen schon eine Exklusivführung und war begeistert von dem Steinbruch“, sagte Bürgermeister Werner Moll und sicherte dem Museum weiterhin die Unterstützung der Gemeinde zu: „Ich finde das überhaupt eine wichtige Sache, dass wir Traditionen für die Kinder bewahren. Ich habe selber auch schon Führungen im Flößermuseum genossen und lerne immer wieder Neues dazu“, so Moll.

Die Historie des Steinbruchs erläuterte die zweite Vorsitzende des Fördervereins, Ingrid Kahlert: Bei der Entstehung der Alpen vor 35 Millionen Jahren bildete der Schotter von den Bergen demnach eine große Molassegrube. Diese wurde vom sandhaltigen Meer zwei Mal überschwemmt. In der sogenannten Murnauer Mulde (von Murnau bis zum Grünten) verdichtete sich dieser Sand und wurde zum seit Römerzeiten beliebten Sandstein.

Da die Via Claudia auch durch Lechbruck führte, könne man davon ausgehen, dass die Römer auch hier vielleicht schon Sandstein gebrochen haben, erklärte Kahlert. Zwei Beispiele würden belegen, dass in Lechbruck schon sehr früh Sandstein gebrochen wurde. In Dasing bei Augsburg sei man bei Bauarbeiten auf alte Mühlen aus dem siebten Jahrhundert gestoßen. Das Mühlsteinfragment wiederum stamme nach wissenschaftlichen Untersuchungen aus dem Lechbrucker Steinbruch. Dadurch sei auch belegt, dass es bereits zu dieser Zeit die Flößerei gab – die damals einfachste Art der Beförderung.

Als weiteres Beispiel führte Kahlert die im zwölften Jahrhundert erbaute Basilika in Altenstadt an, deren Altar und Portal aus Lechbrucker Sandstein sei. Bei aktuellen Renovierungsarbeiten kam dort, nach Vermittlung des Lechbrucker Altbürgermeisters Dieter Hollmann, wieder der Lechbrucker Sandstein zum Einsatz. „Auch für den Torbogen des Schloss Neuschwanstein wurde der Sandstein dann anschließend für eine Reparatur benötigt – denn das ist auch Lechbrucker Sandstein“, sagte Altbürgermeister Dieter Hollmann.

Interessant seien auch alte Aufzeichnungen aus dem Jahr 1846 von Pfarrvikar Gschwind: „Jetzt zählt man mehr als fünf Steinbrüche schon, welche allerwärts ihre Produkte hinliefern und ein schönes Geld eintragen. Ein sehr erwünschter Nahrungszweig für Lechbruck. Leider sind diese Arbeiter in tiefer Unsittlichkeit und besonders unersättliche Trinker.“

Der letzte Steinbruchbesitzer war Magnus Gündhart. Dessen Enkelin Annemarie Grünert übernahm das Grundstück von ihrem Stiefbruder, der das Gelände zuvor bis zu seinem Tod gepflegt hatte.  

gwe

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