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Praktischer Service für jung und alt: Die Ehrenamtlichen bringen das Essen ins Haus. In Corona-Zeiten wird die Lieferung vor die Haustür gestellt.

Einkaufsservice und Essen auf Rädern

Nicht nur in der Corona-Krise: Helfer des Bürgervereins am Lech stehen Gewehr bei Fuß

  • Jörg von Rohland
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Der Bürgerverein am Lech ist bestens gerüstet für die Corona-Krise: Bis zu 150 ehrenamtliche Vereinsmitglieder stehen bereit, um Hilfsbedürftigen in den Gemeinden Lechbruck, Prem, Bernbeuren und Steingaden zu helfen. 

Lechbruck – Womöglich ist es die Ruhe vor dem Sturm, die Gabriele Walters derzeit noch umgibt. Zurzeit hadert die Geschäftsstellenleiterin des Bürgervereins am Lech vor allem mit der gestörten Telefonleitung im Lechbrucker Rathaus, an der auch der Verein hängt. „Immer passieren gleichzeitig dumme Dinge“, klagt die 65-Jährige mit Blick auf die Corona-Krise und die Senioren, die sich aus Angst vor dem Virus nicht mehr aus dem Haus trauen. Wählen die Mitglieder der sogenannten Risikogruppe dann die vertraute Nummer des Bürgervereins und eine Stimme sagt „keine Verbindung möglich“, dann ist die Verunsicherung gleich noch viel größer.

Bevor sie auf das reichhaltige Angebot für die Bürger aus den Gemeinden Lechbruck, Prem, Bernbeuren und Steingaden aufmerksam macht, schickt Walters deshalb die Mobilfunknummer voraus, unter der die Geschäftsstelle zu erreichen ist: 0176/51606592.

Die Nachfrage hält sich noch in Grenzen

„Wir haben im Moment mehr Helfer als Leute, die Hilfe nachfragen“, sagt die Geschäftsstellenleiterin des 500 Mitglieder starken Vereins, der 2015 gegründet wurde. 150 Männer und Frauen stehen demnach Gewehr bei Fuß, um Senioren und anderen Hilfsbedürftigen im täglichen Leben unter die Arme zu greifen. Die Mitglieder werden zum Flughafen oder zum Arzt gebracht, die Helfer erledigen Einkäufe für sie oder bringen das Essen auf Rädern vorbei. Weitere Angebote sind Betreuung und Entlastung bei der Pflege, Hilfe rund ums Haus, die Vermittlung von Fachleuten und die Organisation geselliger Veranstaltungen. Mitglied kann jeder Bürger aus den vereinszugehörigen Gemeinden werden. Der Beitrag kostet 30 Euro pro Jahr, Ehepaare zahlen 40 Euro. Die Aufnahme ist unbürokratisch: „Man wird Mitglied, sobald man Hilfe braucht“, erläutert Walters das Prozedere. Ein Anruf genügt.

Melden können sich nach Angaben der Geschäftsstellenleiterin nicht nur Senioren, sondern alle Bürger. In der jetzigen Corona-Zeit, in der Menschen zu Hause unter Quarantäne stehen oder sich schlicht nicht aus dem Haus trauen, sieht die 65-Jährige vor allem das Essen auf Rädern als eine praktische Sache an. Zur Wahl stehen an sieben Tagen pro Woche je ein vegetarisches Menü (6,70 Euro) oder eines mit Fleisch (7,20 Euro). Die Lieferung erfolgt samt Geschirr in einer Styropor-Box, in der sich das Essen zwei Stunden warm hält. Der Inhalt besteht aus einer Suppe, einem Hauptgericht und einem Nachtisch.

Vielen reicht das Essen auf Rädern für den ganzen Tag

Bislang hat der Verein täglich 25 bis 30 Abnehmer des Angebots. Vielen reicht das Essen für den ganzen Tag: „Mittags essen sie das Hauptgericht, am Nachmittag den Nachtisch und am Abend die Suppe mit einer Scheibe Brot“, berichtet die Geschäftsstellenleiterin des Vereins aus den gemachten Erfahrungen.

Das zweite Angebot, das in den kommenden Wochen verstärkt in den Fokus des Bürgervereins rücken dürfte, ist der Einkaufsservice. Die ehrenamtlichen Helfer nehmen einen Einkaufszettel entgegen, kaufen alles ein und bringen es den Hilfsbedürftigen nach Hause. Beschränkungen gibt es dabei keine, solange in „handelsüblichen Mengen“ eingekauft wird, erläutert Walters. Möglich ist also auch der wöchentliche Großeinkauf für die ganze Familie. Die Gebühr, die der Verein für den Einkaufsservice berechnet, liegt bei zehn Euro oder bei 25 Cent pro gefahrenen Kilometer.

Helfer sind auch Seelentröster

Neben der praktischen Hilfe des Vereins ist Ansprechpartnerin Gabriele Walters derzeit vor allem auch als Seelentrösterin gefragt, weil Angst und Verunsicherung bei den Senioren täglich zunehmen. „Ich sage den Leuten, sie sollten sich nur ein- oder zweimal am Tag die Nachrichten ansehen, es kommt sowieso immer nur dasselbe.“ Viel besser seien Musik, ein Buch oder „ein schöner Rosamunde-Pilcher-Film“, um auf andere Gedanken zu kommen, findet sie.

In unserem News-Ticker zum Coronavirus im Landkreis Weilheim-Schongau halten wir Sie mit den aktuellen Informationen auf dem Laufenden.

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