Die Lerchs sind seit 31 Jahren im Geschäft und betreiben mehrere Hotels. Das Haus in Lechbruck sollen Juniorchef Maximilian Lerch (hinten r.) und sein Schwager Philipp Zwicker (l.) führen. Seniorchef Thomas Lerch (r.) findet die Einlassung der BI in Lechbbruck „einfach nur traurig“.
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Die Lerchs sind seit 31 Jahren im Geschäft und betreiben mehrere Hotels. Das Haus in Lechbruck sollen Juniorchef Maximilian Lerch (hinten r.) und sein Schwager Philipp Zwicker (l.) führen. Seniorchef Thomas Lerch (r.) findet die Einlassung der BI in Lechbruck „einfach nur traurig“.

Vor Entscheid über Wellnesshotel in Lechbruck

Bürgerinitiative attackiert Betreiberfamilie, die findet die Vorwürfe „einfach nur traurig“

  • Jörg von Rohland
    vonJörg von Rohland
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Schwere Geschütze fährt die Bürgerinitiative in Lechbruck gegen die Familie Lerch auf, die das umstrittene Vier-Sterne-Wellnesshotel am Lechsee betreiben will. Eine angebliche Überschuldung der GmbHs bemängeln die Hotelgegner und stellen eine düstere Prognose auf. Die Familie Lerch wehrt sich.

Lechbruck – Der Bürgerentscheid zum Hotelprojekt rückt näher, die Töne werden immer schärfer: Die Bürgerinitiative Lechbruck (BIL) hat ihren neuen Flyer jetzt mit einer geharnischten Pressemitteilung garniert.

BIL bemängelt bilanzielle Überschuldung in 2018

Die von Gemeindeseite viel gelobte Hotel-Betreiberfamilie Lerch sei bereits 2018 mit ihren Hotels im Oberjoch und in Marktoberdorf bilanziell überschuldet gewesen, moniert die BIL. Und dies zu Zeiten, „als der Tourismus boomte“. Auch die zwei anderen GmbHs der Betreiberfamilie standen laut BIL 2018 bilanziell überschuldet da. „Die Situation war derart, dass sogar eine auf Unternehmenskrisen spezialisierte Kanzlei in 2019 beauftragt wurde, das Fortführungskonzept der Unternehmen der Lerch-Gruppe und die daraus abgeleitete Planung für die Jahre 2019 und 2020 einer Plausibilitätsbeurteilung zu unterziehen.“ Diese Fortführungsprognose werde nur veranlasst, wenn ein Unternehmen bilanziell überschuldet sei oder konkret die Insolvenz drohe. Deshalb stellt die BIL die Frage, „wieso genau diese Betreiberfamilie das Hotel in Lechbruck erfolgreicher als ihre anderen Hotels führen könnte?“

Familie Lerch prüft rechtliche Schritte

„Es ist einfach nur traurig“, kommentiert Seniorchef Thomas Lerch die BIL-Veröffentlichung. Von einer Überschuldung der Firmen kann seinen Angaben keine Rede sein. Es habe immer „stille Reserven“ gegeben, versichert Lerch, der bedauert, dass die Bürgerinitiative den Weg der Sachlichkeit verlassen habe. Die Familie prüft jetzt rechtliche Schritte gegen die BIL.

Pressemitteilung „sehr tendenziös, teilweise unwahr und offensichtlich mit geschäftsschädigender Absicht verfasst“

Lerchs Schwiegersohn Philipp Zwicker betont, dass man 2018 mit der Eröffnung des Hotels Weitblicks stark expandiert habe und daher keinen Jahresüberschuss erzielen habe können. 2019 konnte das laut Zwicker aber in kürzester Zeit wieder ausgeglichen werden. „Genau dies wurde uns auch vom beauftragten Wirtschaftsprüfer testiert.“ Die Ausführungen in der Pressemitteilung der BIL seien „sehr tendenziös, teilweise unwahr und offensichtlich mit geschäftsschädigender Absicht verfasst“.

Auch andere Investoren interessieren sich für Grundstück am Lechsee

Die BIL verweist in der Mitteilung auch auf andere Investoren, die offenbar nur darauf warten, das gemeindliche Grundstück am Lechsee entwickeln zu dürfen. Auf ihm verfallen bekanntlich das ehemalige Hallenbad und eine Tennishalle. Zwei potentielle Investoren hätten sich bei ihr gemeldet, die Hallenbad und Tennishalle umbauen und verwenden könnten, berichtet die BIL. Für die Gemeinde würde dies bedeuten, dass sie durch den Verkauf sichere Einnahmen erhalte, der „Schandfleck“ verschwinde „und vor allem auch, dass der Grünstreifen direkt am See mit Lechuferweg sowie dem wunderschönen Bergblick für alle erhalten bleiben würde“, heißt es.

Gemeinde und Interessenten verständigen sich, Bürgerentscheid abzuwarten

Bürgermeister Werner Moll bestätigte gestern auf Anfrage, dass es weitere Interessenten gibt. Mit den bei ihm vorstellig gewordenen Investoren sei im gegenseitigen Einvernehmen vereinbart worden, zunächst den Bürgerentscheid abzuwarten. „Vor allem vor dem Hintergrund, dass der Hotelneubau vom letzten wie dem jetzigen Gemeinderat mehrheitlich favorisiert wurde“, so Moll.

Alternativkonzepte mit Haken

Zwei der drei Alternativkonzepte – Altersresidenz-Sitze beziehungsweise eine Energiegewinnungsanlage – passen nach Angaben des Rathauschefs nicht in die Vorgaben des gültigen Flächennutzungsplans. Dieser sieht eine touristische Nutzung des Geländes zwischen Campingplatz und Feriendorf vor. Ein Drittes Konzept beinhaltet dem Rathauschef zufolge eine weitere Feriensiedlung: „Mit teils dreistöckiger Bebauung in den Hang und Restaurant“, weiß Moll. Die Wohneinheiten will der Investor dann solventen Käufern anbieten.

Bürgerinitiative sieht Grundstück unter Wert angeboten

Offen ist die Frage, wie viel Geld die anderen Investoren dem Rathaus für das 25 000 Quadratmeter große Areal auf den Tisch legen wollen. Die 2,5 Millionen Euro, die Hotelinvestor Gerhard Breher bietet, betrachtet die BIL „eher als Ausverkauf des raren Gemeindebodens“. Basierend auf aktuellen Marktpreisen sei es 10 bis 11 Millionen Euro wert , meinen die Hotelgegner und lassen nicht gelten, dass es sich um ein Gewerbegebiet handelt.

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