Die Via Claudia will der Investor bekanntlich auf eigene Kosten hinter das geplante Hotel am Lechsee in Lechbruck verlegen.
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Die Via Claudia will der Investor bekanntlich auf eigene Kosten hinter das Hotel verlegen. Laut Bürgermeister Werner Moll würde er damit der Gemeinde auf längere Sicht die Sanierung von 300 Metern Straße ersparen.

Gemeinderat diskutiert über Hotelpläne

Entsetzen über scharfe Töne im Internet und auf der Straße

  • Jörg von Rohland
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Das Thema stand zwar nicht auf der Tagesordnung, dennoch kam der Lechbrucker Gemeinderat in seiner jüngsten Sitzung nicht umhin, über den umstrittenen Hotelneubau zu diskutieren. Bürgermeister Werner Moll zerriss den neuen Flyer der Bürgerinitiative (BIL) sprichwörtlich in der Luft.

Lechbruck – Gemeinderat Claus Vogt war es, der das Thema Hotelbau und Bürgerinitiative am Ende der jüngsten Sitzung aufgriff: „Ich bin entsetzt, was hier bei uns in Lechbruck gerade online und offline abgeht“, sagte er. „Uns wird von der BIL immer wieder vorgeworfen, dass wir nicht transparent sind, keine Informationen rausgeben.“ Aber: Die Gemeinde könne nicht alles rausgeben. „Es gibt nichtöffentliche Themen“, machte Vogt klar.

Die Runde kam unter anderem auf das mittlerweile geklärte Thema Wasser zu sprechen. Die BIL hatte bekanntlich übersehen, dass die Gemeinde zwei Tiefbrunnen hat, mit der sie den Bedarf des Hotels leicht mitdecken könnte. Die BIL hatte behauptet, dass das Wasser an Spitzentagen im Ort knapp werden könnte. Für ihre fehlerhaften Angaben haben sich die Verantwortlichen mittlerweile entschuldigt.

Fehlerhafte Zahlen zum Wasser schlagen hohe Wellen

Im Gemeinderat hatten die fehlerhaften Zahlen zuvor hohe Wellen geschlagen: „Ich habe, als wir das Ratsbegehren beschlossen haben, betont, dass beide Parteien an das Sachlichkeitsgebot gebunden sind“, sagte Bürgermeister Werner Moll. Und das heiße, „keine unrichtigen Tatsachenbehauptungen, keine polemischen oder wählerbeeinflussende Äußerungen zu tätigen“. Moll sah die Regeln mit der Veröffentlichung des Flyers nun offensichtlich gebrochen: „Wenn ich mir diesen Flyer der BIL anschaue, müsste ich einen Anwalt anrufen und eine einstweilige Verfügung erlassen. Da geht’s um unrichtige Tatsachen.“

Bürgermeister will nicht über Schnitzel-Preise diskutieren

Mit der Verkehrsproblematik sei begonnen worden, blickte Moll zurück. „Da habe ich immer gesagt, dieses Argument lasse ich gelten.“ Aber mittlerweile sei man auf einem Niveau, „dass wir über den Preis von einem Schnitzel diskutieren“. Auf ihrem Flyer hatte die BIL gemutmaßt, dass ein Restaurantbesuch im Hotel eine teure Angelegenheit werden könnte und dazu Vergleichspreise des Betreiberhotels Oberjoch herangezogen: Dort kosten laut BIL ein Schnitzel 19 und das Bier dazu 4,60 Euro. Für den Schokoladenkuchen mit Eis zum Nachtisch werden laut Flyer 11 Euro fällig.

Herbe Kritik an Flyer der Bürgerinitiative: Hotelbetreiber wird ins Feuer gestellt

Harsche Kritik übte der Rathauschef im Gemeinderat daran, dass von der BIL der Hotel-Betreiber mit seinen 500 Angestellten ins Feuer gestellt werde. „Da arbeiten Menschen, die aus einem Flyer erfahren, dass ihr Chef vielleicht im nächsten Monat kein Gehalt mehr zahlen kann“, so Moll. „Ich würde mir sowas nicht anmaßen.“ In Marktoberdorf mit keinerlei Tourismus funktioniere ein Hotel. „Warum sollte es in Lechbruck nicht funktionieren?“, fragte der Rathauschef. Investor Gerhard Breher investiere zirka 30 Millionen Euro in das Projekt. „Sollte es die Betreiberfamilie Lerch tatsächlich irgendwann nicht mehr geben, dann sucht sich ein Herr Breher mit Sicherheit einen neuen Betreiber, denn auch ein Herr Breher muss seine Banken bedienen und ist an einem Fortbestand des Hotels mehr als interessiert.“

Lechwiesenstraße muss mittelfristig saniert werden, Anlieger müssen aber nichts zahlen

Claus Vogt wollte vom Bürgermeister wissen, was es mit der Aussage auf sich habe, dass die Lechwiesenstraße Schaden nehme, wenn das Hotel gebaut werde. „Diese Straße ist nicht mehr die Beste, sie gehört mittelfristig gemacht“, räumte Moll ein. „Aber wir haben keine Strabs mehr, also kommen auf den Anlieger keine Kosten zu.“ Im Gegenteil: „Der Investor baut uns mindestens 300 Meter Straße, die 300 Meter spart er uns.“

Kaufpreis darf nicht genannt werden, sonst drohen Schadensersatzforderungen

Gemeinderat Stefan Mahrla wollte von Moll wissen, ob die Gemeinde dem Investor das Grundstück zu günstig verkauft. „Es gibt bei uns in Lechbruck einen Bürger, der quält mich seit zwei Monaten“, erklärte der Bürgermeister dazu. Dieser Bürger habe ihm jetzt mit einem Anwalt und Klage gedroht, „wenn ich ihm den Kaufpreis nicht nenne“.

Dann wurde der Rathauschef lauter: „Laut Geschäftsordnung sind aus gutem Grunde Grundstücksangelegenheiten nichtöffentlich. Eine frühzeitige Nennung könne eine immense Schadensersatzforderung für mich und jeden beteiligten Gemeinderat bedeuten“, machte Moll klar. „Wir sind in einer Geschäftsanbahnung, das hat mir die Rechtsabteilung im Landratsamt auch noch einmal klar bestätigt.“ Frühestens nach Abschluss des Kaufvertrages sei eine öffentliche Nennung des Quadratmeterpreises rechtlich zulässig.

Immerhin verriet Moll mit Blick auf seinen Vorgänger: „Ich kann Sie beruhigen, diesen Preis hat ein Helmut Angl ausgehandelt, und Sie glauben doch nicht, dass er das für ein Butterbrot hergibt.“

VON SILKE ZINK UND JÖRG VON ROHLAND

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