Filetgrundstück am See: Das insgesamt drei Hektar große Grundstück zwischen Feriendorf (l.) und Campingplatz (r.) in Lechbruck soll wohl mit einem vierstöckigen Gebäude bebaut werden.
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Filetgrundstück am See: Das insgesamt drei Hektar große Grundstück zwischen Feriendorf (l.) und Campingplatz (r.) in Lechbruck soll wohl mit einem vierstöckigen Gebäude bebaut werden.

Widerstand aus der Bevölkerung

Ein Luxus-Wellnesshotel für Lechbruck: Hoteliersfamilie Lerch stellt Pläne vor

  • Jörg von Rohland
    vonJörg von Rohland
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Die Hoteliers-Familie Lerch streckt ihre Fühler in die Lechgemeinde aus und will die Bürger nun über das geplante Luxus-Wellnesshotels in Lechbruck informieren.

  • Die Hoteliers-Familie Lerch will in Lechbruck ein Luxus-Wellnesshotel betreiben
  • Über die Pläne sollen nun die Bürger informiert werden
  • Eine Bürgerinitiative sammelt bereits Unterschriften gegen das Hotel

Lechbruck – Die Familie Lerch hat sich unter dem Dach „Lerch Genuss Welten“ in Schwaben und im Allgäu in den vergangenen 30 Jahren ein kleines Imperium aufgebaut. Mit dem Parkhotel Jordanbad, dem Panoramahotel Oberjoch und dem „Weitblick Allgäu“ gehören große und beliebte Häuser zum Portfolio. Dazu kommen Chalets und Lodges, ein Weinshop namens „Fräulein Lecker Weinwelt“ sowie ein Groß-Catering in Biberach. Für das Unternehmen arbeiten insgesamt 550 Angestellte, der Jahresumsatz liegt bei 30 Millionen Euro.

Etwa genau so viel Geld soll nun in Lechbruck für den Neubau des Wellnesshotels ausgegeben werden. Wie berichtet, möchte die Gemeinde ihr Filetgrundstück zwischen Feriendorf und Campinggelände verkaufen. Als hundertprozentiger Investor steht nach Angaben von „Genuss Welten“-Seniorchef Thomas Lerch der Unternehmer Gerhard Breher in den Startlöchern. Er hat zusammen mit der Familie schon das Panoramahotel in den Allgäuer Alpen sowie das „Weitblick“ bei Marktoberdorf verwirklicht.

Lechbrucks Ex-Bürgermeister hatte Grundstücksgeschäft eingefädelt

Das Vier-Sterne-Haus in Lechbruck mit den geplanten 140 Zimmern samt Wellnessbereich und Restaurants sollen in Zukunft Lerchs Sohn Maximilian und Schwiegersohn Philipp Zwicker betreiben. Die Details werden die beiden Juniorchefs nun kommende Woche bei der Infoveranstaltung vorstellen. Auch Planer und Investor sind vor Ort, um den Lechbruckern zu erklären, was auf sie zukommt.

Eingefädelt hatte das Grundstücksgeschäft Ex-Bürgermeister Helmut Angl. Sein Nachfolger Werner Moll und der neuer Gemeinderat wollen es jetzt in trockene Tücher bringen. Laut Moll steht der Gemeinderat bis auf ein Mitglied hinter dem Vorhaben. Der Grund liegt nahe: Durch den Verkauf des Grundstücks könnten die anstehenden Projekte Kindergarten und Feuerwehrhaus ohne neue Schulden in Angriff genommen werden. Derzeit hat Lechbruck laut Moll zwar 3,5 Millionen Euro auf der hohen Kante, in diesem und im nächsten Jahr müssen aber noch Verbindlichkeiten in Höhe von mehr als drei Millionen Euro abtragen werden, rechnet er vor.

Großes Hotel soll in Lechbruck gebaut werden: Doch es gibt Widerstand

Und noch einen Vorteil hätte der Verkauf der drei Hektar großen Fläche für die Gemeinde: Der Ort wäre zwei lästige alte Gebäude los, die mehr und mehr verfallen. Die Tennishalle und das leer stehende Hallenbad auf dem Grundstück würde der Hotelinvestor auf eigene Kosten abreißen und entsorgen. Die Verkehrsführung würde er allerdings ändern: Der Fußweg am See und die Zufahrt zum Campingplatz (Via Claudia) sollen nach Angaben des Bürgermeisters hinter das Hotel verlegt werden. Die Hotelgäste hätten dann einen freien Seezugang.

Widerstand gegen das Vorhaben kommt bekanntlich von einer Bürgerinitiative, die Anwohner der Lechwiesenstraße gegründet haben. Es werden Unterschriften gesammelt, ein Bürgerbegehren samt Bürgerentscheid sind geplant. Wie berichtet, schlägt die Initiative vor, auf dem Gebiet statt des Hotelbaus Bauland für Einheimische auszuweisen. Das ist laut Moll aber gar nicht möglich, weil es sich bei den drei Hektar um ein „Sondergebiet Tourismus“ handelt.

Luxus-Wellnesshotel in Lechbruck geplant: Naturschützer haben Wörtchen mitzureden

Ein Wörtchen mitzureden haben indes auch noch die Naturschützer. Wie zu hören ist, nisten in der alten Tennishalle Fledermäuse, die umgesiedelt werden müssten.

Großes Hotel in Lechbruck geplant: Infoveranstaltung für die Bürger

Der Termin für die Infoveranstaltung ist für Donnerstag, 22. Oktober, geplant. Losgehen soll es um 20 Uhr in der Lechhalle. Einzig die Corona-Pandemie könnte der Veranstaltung noch einen Strich durch die Rechnung machen. Die Gemeinde hat eine Sondergenehmigung beim Landratsamt beantragt. Die Genehmigung stand gestern noch aus. Klar ist schon jetzt, dass die Teilnehmerzahl begrenzt werden muss.

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