Valerie und Alexander Pflanzelt auf dem Grundstück Lechstausee, das die Gemeinde Lechbruck an einen Investor verkaufen will, der darauf ein Wellness-Hotel mit 140 Zimmer für 30 Millionen Euro plant.
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Auf dem Filetgrundstück der Gemeinde Lechbruck: Valerie und Alexander Pflanzelt haben zusammen mit der Familie Wagner die Bürgerinitiative gegründet, die das Hotel am Lechstausee verhindern möchte.

30-Millionen-Euro-Projekt

Am Lechufer in Lechbruck soll eine Wellness-Hotel mit 140 Betten entstehen: Die Bürger laufen Sturm

  • Jörg von Rohland
    vonJörg von Rohland
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Neue Pläne für eine nobles Wellnesshotel mit 300 Betten sorgen für einen Sturm der Entrüstung in Lechbruck. Die Gemeinde möchte ihr Filetgrundstück am Lechstausee einem Investor verkaufen, der 30 Millionen Euro in die Hand nehmen wird. Davor dürfte aber noch ein Bürgerentscheid stehen.

  • Ein Investor plant am Lechstausee in Lechbruck ein Wellnesshotel mit 140 Zimmern für 30 Millionen Euro
  • Das Grundstück gehört der Gemeinde, sie könnte durch den Verkauf ihren neuen Kindergarten finanzieren
  • Ein Bürgerentscheid ist sehr wahrscheinlich: Mehr als 270 Unterschriften sind bereits zusammengekommen

Lechbruck – Die einen sehen es als Jackpot für die Gemeinde Lechbruck, die anderen als Ausverkauf der Heimat: Die Pläne für ein Luxus-WellnessHotel am Lechstausee zwischen Campingplatz und Feriendorf sind wieder aktuell. Investor und Betreiber stehen in den Startlöchern, der im März neu gewählte Gemeinderat will endlich das gemeindeeigene Grundstück vergolden.

Schön anzusehen ist diedrei Hektar große Fläche, um die es geht, derzeit nur im vorderen Bereich. Sie ist frei von jeglicher Bebauung, es bietet sich ein traumhafter Blick über den See in die Tannheimer Berge. Auf dem hinteren Teil schaut es wild aus. Das vor 17 Jahren geschlossene Hallenbad ist zugewachsen und verfällt. Auch die Tennishalle gegenüber hat schon bessere Zeiten erlebt. Nur auf einem Feld wird noch gespielt, der Rest dient als Abstellfläche.

Es verfällt zusehends: Das ehemalige Hallenbad der Gemeinde Lechbruck im hinteren Teil des Grundstücks.

Der Gemeinde kam es daher sehr gelegen, dass sich im vergangenen Jahr wieder Interesse an dem Grundstück regte. Bekanntlich hatte es schon 2015 Pläne für ein Hotel an der Stelle gegeben. Trotz angeschobener Bauleitplanung verliefen die Bemühungen aber im Sande.

Investor ist bereit, Nägel mit Köpfen zu machen

Doch jetzt ist ein neuer, noch nicht genannte Investor wild entschlossen, Nägel mit Köpfen zu machen. Laut Bürgermeister Werner Moll, der das Projekt von seinem Vorgänger Helmut Angl übernommen hat, sind es erfahrene Leute. „Der Betreiber kommt nicht aus China, er betreibt im Allgäu auch schon Hotels“, macht der Rathauschef klar. 30 Millionen Euro sollen Moll zufolge investiert werden. Entstehen würde ein viergeschossiger Bau mit 140 Hotelzimmern samt Restaurants, Sauna, Wellnessbereich und einem „Sky-Bad“. Sogar den Abbruch der Ruinen würde der Investor bezahlen, weiß Moll, der die Kosten allein dafür auf 600 000 bis 700 000 Euro schätzt.

Auch nicht mehr taufrisch: Die Tennishalle möchte der Hotel-Investor auch auf eigene Kosten abbrechen.

Die Gemeinde hätte so zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen. Sie hätte das unschöne Gelände vom Hals und genügend Geld für ihre anstehenden Vorhaben: „Der Kindergarten und das Feuerwehrhaus sind meine wichtigen Themen“, macht der Bürgermeister klar.

An diesem Wochenende sollen per Postwurfsendung noch mehr Bürger mobil gemacht werden

Das Rathaus hat die Rechnung allerdings ohne einen Großteil der Bürgerschaft gemacht. Eine neu gegründete Bürgerinitiative möchte die Hotelpläne mit aller Macht torpedieren. Am Mittwoch hatten die Familien Wagner und Pflanzelt schon 270 Unterschriften gegen das Vorhaben gesammelt. Und an diesem Wochenende sollen die Bürger per Postwurfsendung erst so richtig mobilisiert werden.

Bürger fürchten um Sicherheit ihrer Kinder und hohe Kosten für neue Infrastruktur

Die beiden im Ort alteingesessenen Familien Pflanzelt und Wagner glauben nicht, dass Lechbruck von dem Hotel profitieren würde. Im Gegenteil: Sie fürchten viel mehr, dass die jetzigen Gäste auf dem Campingplatz und dem Touristendorf ausbleiben. „Der Tourismus im Ort wird nicht gestärkt, sondern geschwächt“, betont Alexander Pflanzelt (44), der als Architekt das Projekt aufgrund seiner Ausmaße auch aus städtebaulicher Sicht ablehnt. Zusätzlicher Verkehr im Ort, „die Sicherheit unserer Kinder und Enkelkinder“ sowie hohe Kosten für neue Infrastruktur sind weitere Argumente, die die BI ins Feld führt.

Vorschlag der BI: Grundstück lieber als Baugebiet für Einheimische nutzen

Für die Nutzung der brach liegenden drei Hektar am Lechstausee hat die BI derweil eine andere Idee: „Ein Baugebiet mit Einheimischenmodell“, so Valerie Pflanzelt. „Wir fragen uns, weshalb eins der letzten Grundstücke der Gemeinde nicht für diesen Zweck verwendet werden kann“, meint die 41-Jährige Mutter von zwei Kindern. „Wir sind überzeugt, dass in Zeiten von kontinuierlich steigenden Immobilien- und Bodenpreisen die Gemeinde einen Beitrag dazu leisten könnte, dass sich auch junge Familien hier ansiedeln beziehungsweise in Lechbruck bleiben und nicht in die Nachbargemeinde ausweichen müssen.“

Vermutlich im Frühjahr 2021 könnte es zum Bürgerentscheid kommen

Initiiert werden soll jetzt ein Bürgerbegehren samt Bürgerentscheid. Vermutlich im Frühjahr 2021 dürften die Lechbrucker dann über die Hotelpläne abstimmen.

Gegner und Befürworter sollen bei Infoveranstaltung in Lechhalle zu Wort kommen

Bürgermeister Moll nimmt es gelassen. Er sieht sich bei den Vorhaben ohnehin selbst nur „als Moderator“. Er kündigt noch für dieses Jahr eine Infoveranstaltung an, die in der Lechhalle stattfinden soll. Investor, Gegner und Befürworter sollen dann zu Wort kommen.

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