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Genau hinschauen und -hören mussten diese jungen Lechbrucker, um jedes Krähen der Gockel mitzubekommen und aufzuschreiben.

Besonderer Wettkampf in Lechbruck

Gockel-Wettkrähen: Auch die Leisen werden prämiert

Knapp fünf Dutzend Krährufe in einer halben Stunde: Damit hat es ein Gockel an die Spitze seiner Artgenossen geschafft. Aber auch die Ruhigsten wurden prämiert.

Lechbruck – Gockel, also die männlichen Hühner, können zu jeder Tageszeit krähen. Ob aber ihr Kikeriki tatsächlich jeden erfreut, darf bezweifelt werden. Doch wo die Hähne sonst schweigen sollen, waren sie in Lechbruck gefordert, ihren Ruf erklingen zu lassen – so oft wie möglich in einer gewissen Zeit. Dazu gab es zwei Durchgänge, zuerst nur die großen und anschließend auch die kleineren Hühnerrassen.

Aufgereiht im Rund des Pavillons am Rathaus in Lechbruck, standen die Käfige mit dem Federvieh, davor der Nachwuchs des Kleintierzüchtervereins, dem die Aufgabe zuteil wurde, die Kräher aufzuschreiben.

In den Käfigen tummelten sich so unterschiedliche Rassen wie Wachteln, das schwedische Hedemorahuhn und Brahmas. „Horst“, wie einer dieser Riesen heißt, gehört dem Vorsitzenden des Kleintierzuchtvereins. Und der ist sehr zufrieden: „Es läuft heute sehr gut“, meinte Günter Kirchner mit Blick auf seine Vereinsmitglieder, die für Kaffee und Kuchen und saftige Bratwürste sorgen. Und auf das Publikum, das trotz des nieselig-kalten Wetters zu dem Wettbewerb gekommen waren – und nicht zuletzt auch auf die schwer schuftenden Hähne.

Darum veranstaltet der Kleintierzuchtverein das Gockel-Wettkrähen

„Die Leute sollen sehen, dass es uns, den gemeinnützigen Verein, noch gibt“, beschreibt Kirchner die Umstände, die zu dem Wettbewerb geführt haben. Denn der im Jahr 1991 gegründete Verein stand schon fast vor dem Aus, als die neue Vorstandschaft das Ruder herumriss.

Doch es gehe noch um mehr als nur das Krähen, es ist die Liebhaberei zum Federvieh und zur Geflügelzucht. Nicht nur, dass die Zucht Spaß macht, es gehe auch um gesunde Ernährung und darum, dass gutes Fleisch kein Massenprodukt sei. „Wir bekommen von unseren Hühnern frische Eier und gutes Fleisch.“

Video: So krähten die Gockel in Lechbruck um die Wette

Vor allem der Nachwuchs lerne im Verein den Unterschied kennen zu dem, was aus der Tiefkühltruhe kommt. Und Kirchner wünscht sich, dass die Zucht populär bleibt. So war die Jugend nicht nur beim Zählen eingeteilt, der eine oder andere Hahn stammte auch vom Kleintierzüchter-Nachwuchs, der sich einmal in der Woche trifft und in der Gruppe ebenso fachsimpeln und sich um seine Tiere kümmern kann wie die Großen.

Im November kommen bis zu 600 Tiere nach Lechbruck

„Alt und Jung sind gemeinsam bei der Sache“, freut sich Kirchner und noch mehr darüber, dass seine Arbeit und die seiner Vereinskollegen Früchte trägt. Denn im November wird der KLZV B264 Lechbruck, wie er offiziell heißt, die Kreisschau in der Lechhalle ausrichten: Bis zu 600 Tiere sollen dann aus der gesamten Region nach Lechbruck kommen mit ihren Züchtern.

Lesen Sie auch: Oldtimer-Fans sollten sich den Termin schon einmal fett im Kalender markieren: Vom 13. bis 15. September erwartet Bernbeuren die zweite Auflage von „Auerberg Klassik“.

Und es sind die kleinen Erfolge, die Kirchner stolz machen: Wie etwa das Hedemora-Huhn aus Schweden, das noch in den 1980-er Jahren als so gut wie verschwunden galt. Damals fand man einige Tiere auf einem Hof und begann, die Rasse wieder zu züchten. Wobei der Lechbrucker Hans Ley eine nicht unerhebliche Rolle spielt. Er ist derzeit wohl der einzige Züchter außerhalb Schwedens, der am Erhalt dieser alten Rasse teilhat und drei seiner Gockel zum Wettbewerb mitbrachte.

Auch nachbarschaftsfreundliche Gockel werden beim Wettkrähen in Lechbruck ausgezeichnet

Dass einer von ihnen zu den Schweigsamen, oder wie Tobias Hipp meinte, nachbarschaftsfreundlichen Hühnern gehört, ist eine amüsante Anekdote am Rand. Denn nicht nur die eifrigsten Kräher erhielten für ihre Lautstärke eine Urkunde – Spitzenplatz waren 55 Kräher in 30 Minuten bei den großen und 47 bei den kleinen Hähnen. Das Dokument, so Hipp, das den Hahn als nachbarschaftsfreundlich einstuft, könnte viel Wert sein, wenn der Nachbar sich wieder einmal über das Kikeriki zur falschen Zeit aufrege.

Wer mehr über den Kleintierzuchtverein Lechbruck erfahren möchte, der derzeit dabei ist, sein neues Vereinsheim in einem alten Bienenhaus herzurichten, kann sich im Internet auf der Seite www.klzv-lechbruck.bayern informieren.

VON OLIVER SOMMER

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