Illustration von dem geplanten Wellness-Hotel am Lechsee in Lechbruck.
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So stellten sich die Planer das 300-Betten-Hotel am Lechsee vor.

Bürgerentscheid in Lechbruck

Vier-Sterne-Wellnesshotel in Lechbruck abgelehnt

  • Jörg von Rohland
    vonJörg von Rohland
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Eine deutliche Mehrheit hat gestern in Lechbruck die Pläne für ein Vier-Sterne-Wellnesshotel am Lechsee abgelehnt. Die Bürgerinitiative (BIL) jubelt, der Investor ist sauer. Die BIL habe Lechbruck einen „Bärendienst“ erwiesen, sagt Gerhard Breher.

Lechbruck - Das Ergebnis war eindeutig; Beim Bürgerbegehren stimmten 916 Lechbrucker gegen das Hotel, nur 682 dafür (102 ungültig), Beim Ratsbegehren, das der Gemeinderat dagegengestellt hatte, schaut es ähnlich aus: 905 gegen das Hotel, 757 dafür, 37 ungültig. 1699 Lechbrucker hatten sich an der Wahl beteiligt, das sind 75,9 Prozent.

Investor zu Vorgehen der Bürgerinitiative: „Das hat mit Demokratie nichts mehr zu tun“

Zwei Vertreter der Bürgerinitiative Lechbruck (BIL) sowie Investor Bernhard Breher und sein Sohn Kevin verfolgen am Abend die Stimmenauszählung in der Lechhalle. Während die BIL zunächst keine Stellungnahme abgab, machte der Investor seinem Unmut über den Wahlkampf der Gegenseite Luft. „Das hat mit Demokratie nichts mehr zu tun“, sagte Breher zu der Veröffentlichung von Geschäftszahlen des Hotelbetreibers Lerch. Wie berichtet, hatte die BIL behauptet, dass die Hotel-Betreiberfamilie, mit der Breher zusammenarbeitet, bereits 2018 mit ihren Hotels im Oberjoch und in Marktoberdorf bilanziell überschuldet gewesen sei. „Das ist Rufmord“, sagte der Investor nun. Er warf der Bürgerinitiative „nur persönliche Interessen“ vor. Bekanntlich, wohnen die Familien Pfanzelt und Wagner an der Lechwiesenstraße, über die der Weg zum nun abgelehnten Hotel geführt hätte. Die BIL habe den Lechbruckern einen „Bärendienst“ erwiesen, „sie werden die beiden Ruinen behalten“, erklärte Breher, als das Ergebnis bekannt gegeben wurde. Bekanntlich verfallen auf dem Grundstück am Lechsee das verlassene Hallenbad und die Tennishalle.

Breher dankt Gemeinde für gute Zusammenarbeit

Ausdrücklich lobte Breher, der 30 Millionen Euro investieren wollte, dagegen die Zusammenarbeit mit Bürgermeister Helmut Angl sowie dessen Nachfolger Werner Moll und dem Gemeinderat. Es sei viel hinterfragt sowie auf hohem Niveau sachlich und zielorientiert zusammengearbeitet worden.

Rathauschef: Demokratischer Prozess, den es zu akzeptieren gilt

Rathauschef Moll versicherte nach der Abstimmung, dass er jetzt nicht enttäuscht sei. Der Bürgerentscheid sei ein demokratischer Prozess gewesen, „den gilt es zu akzeptieren“. Die hohe Wahlbeteiligung wertete Moll als positiv. Viele Bürger hätten aktiv bei der Entwicklung des Ortes mitgemacht. Für das Grundstück am Lechsee sieht der Rathauschef jetzt allerdings auch schwarz. Er befürchtet dass Hallenbad- und Tennishallen-Ruine weiter einwachsen. Ohne Verkehrsbelastung werde es keine touristische Nutzung geben können, bedauerte Moll.

Bürgerinitiative: „Wir sind überglücklich“

Die BIL meldete sich am Abend schriftlich: „Wie man sich vorstellen kann, ist unsere Freude riesig. Wir haben im letzten Dreivierteljahr so viel Zeit, Energie und Herzblut in die Bürgerinitiative gesteckt, dass wir nun natürlich überglücklich sind, dass sich die Mehrheit der Lecher gegen das Hotel entschieden hat.“ Auch die BIL hob erfreut die hohe Wahlbeteiligung und das eindeutige Ergebnis hervor: „Somit haben viele Lecher über das Großprojekt entschieden, und das Ergebnis repräsentiert die Meinung des Dorfes.“

Schlussstrich unter monatelangen Streit im Flößerdorf

Der Bürgerentscheid zieht einen Schlussstrich unter einen Streit in dem Flößerdorf, der sich in den vergangenen Monaten immer mehr aufgeschaukelt hatte. Schon im Juni 2020 hatte sich abgezeichnet, dass es Widerstand gegen die Hotelpläne geben würde. Als der Gemeinderat das Seegrundstück abpflocken ließ, um sich vor Ort ein Bild über die Dimension des 300-Betten-Hauses machen zu können, ploppte der erster Eintrag im sozialen Netzwerk „Facebook“ auf: „Was sind das für rote Pflöcke“, fragte ein Bürger besorgt.

Initiiert wurde das Bürgerbegehren letztlich von den Familien Pfanzelt und Wagner, die an der Lechwiesenstraße wohnen. Über diese würde der Weg zu dem Hotel-Grundstück am Lechsee führen, auf dem noch die Hallenbad-Ruine und die verfallende Tennishalle stehen. Zunächst warnten die Familien vor einer höheren Verkehrsbelastung. Obendrein sahen sie Konkurrenz für den Campingplatz, das Feriendorf und die Gastronomie im Ort. „Der Tourismus wird nicht gestärkt, sondern geschwächt“, betonte Alexander Pfanzelt damals im Gespräch mit den SN. Er ist Architekt und lehnt das Projekt aufgrund seiner Ausmaße auch aus städtebaulicher Sicht ab.

Ratsbegehren wurde erst im Februar gestartet

Erst Anfang Februar setzte der Gemeinderat dem Bürger- ein Ratsbegehren entgegen. Die Stimmung in Lechbruck lud sich derweil immer mehr auf. Anonyme Schmähbriefe, gegenseitige Schuldzuweisungen und Beleidigungen in sozialen Netzwerken wechselten sich ab. Rathauschef Moll nannte es „einen Konflikt“.

Gemeinde hatte nicht mit so viel Widerstand gerechnet

Die Gemeinde hatte nicht mit so viel Widerstand gerechnet. Denn schließlich gab es schon vor sechs Jahre Entwürfe für ein Hotel. Ein Investor war damals aber abgesprungen. 2019 wurde die Idee mit einem neue Interessenten wieder aufgegriffen. „Es hatte sich nie eine Stimme geregt“, so Moll. 

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