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Blaualgen sind auch in Bayern ein Problem: Sie können für Mensch und Tier gefährlich werden. Die behandelnde Tierärztin aus Lechbruck schließt nicht aus, dass die Hunde durch sie vergiftet wurden.

Polizei warnt vor Gift am Lech

Hunde wie im Rausch: Auch Blaualgen oder Drogen könnten schuld sein, meint eine Tierärztin

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Die Angst geht um vor Giftködern in Lechbruck, Steingaden und Prem: Fünf Hunde, die jüngst mit ihren Haltern am Lechstausee unterwegs waren, mussten in tierärztliche Behandlung. Ein Tier überlebte nur knapp. Die Hunde litten unter Ausfallerscheinungen. „Sie waren wie besoffen“, berichtet eine Tierärztin aus Lechbruck. Möglicherweise gibt es aber auch eine natürliche Erklärung dafür.

Lechbruck/Steingaden Die Polizei in Schongau steht noch vor einem Rätsel. Am vergangenen Donnerstagnachmittag mussten mehrere Hunde mit Vergiftungserscheinungen behandelt werden, berichtet der stellvertretende Dienststellenleiter Toni Müller. Die Hundehalter seien zuvor mit ihren Tieren im Bereich der Lechbrücke am Lechufer bei Gründl/Prem/Lechbruck beim Spazierengehen gewesen. „Nach aktuellem Ermittlungsstand muss davon ausgegangen werden, dass die Tiere Giftköder in Form von manipulierten Schokoladen-Muffins zu sich nahmen“, erläuterte Müller gestern.

Eine der behandelnden Tierärztinnen hat derweil die Vermutung, dass es sich auch um andere Substanzen handeln könnte, die die Hunde in regelrechte Rauschzustände versetzten. Der Frau waren drei größere Tiere in die Praxis gebracht worden, die sich höchst merkwürdig benahmen. „Wir haben gleich auf Opiate getippt“, sagt die Tierärztin und verweist auf ein Festival, das kürzlich in Lechbruck gefeiert wurde. Die Veterinärin will nicht ausschließen, dass die Hunde möglicherweise Drogen erwischt haben, die Partygäste am Ufer zurückließen.

Anderorts sind Hunde an Blaualgen gestorben

Die Tierärztin, die aus Datenschutzgründen keine näheren Details nennt, hat noch eine dritte Theorie: Die Hunde könnten am Lechsee auch Blaualgen aufgenommen haben, die den Tieren gefährlich werden. Im Landkreis Aichach-Friedberg sind jüngst drei Hunde gestorben, nachdem sie mit Blaualgen in Kontakt gekommen waren (siehe Kasten).

Gesundheitsamt hält Bildung von Algen für unwahrscheinlich

Dem Gesundheitsamt in Weilheim waren die Vergiftungsfälle aus Lechbruck gestern Vormittag noch nicht bekannt. Und Behördenchef Dr. Stefan Günther hielt es auch für eher unwahrscheinlich, dass es dort im Lech zur Bildung von Blaualgen gekommen sein könnte. Er kündigte aber an, dass man sich den Fall genauer ansehen werde.

Hunde haben überlebt

Die insgesamt fünf vergifteten Hunde waren zunächst in Tierarztpraxen in Lechbruck und Steingaden behandelt worden. Nachdem ihre Mägen entleert waren, kamen sie zur Beobachtung in Tierkliniken nach Marktoberdorf und Weilheim. Der Lechbrucker Tierärztin zufolge haben alle Hunde überlebt, ein kleinerer schwebte ein Zeit lang in Lebensgefahr. Offenbar ist aber auch er mittlerweile über den Berg.

Was die vergifteten Tiere zu sich genommen haben, wird sich nachträglich wohl nicht mehr feststellen lassen. Die Tierärztinnen sprachen von einer „braunen Brühe“, die die Tiere ausspuckten. Daher rühre die Vermutung der Polizei nach präparierten Schokoladenmuffins.

Polizei: Ermittlungen stehen noch am Anfang

Schongaus Polizei-Vize-Chef Müller betonte gestern, dass man noch am Anfang der Ermittlungen stehe. „Wir ermitteln in alle Richtungen“, machte er klar und bat um Hinweise. Wer am Lech etwas entdeckt hat oder verdächtige Personen und Fahrzeuge im Bereich Gründl, Prem und Lechbruck beobachtet hat, wird gebeten, sich mit der Polizei in Schongau unter der Telefonnummer 08861/23460 in Verbindung zu setzen.

Die Tierärzte empfehlen Hundehaltern derweil bei Spaziergängen rund um den Lechstausee dringend, ihre Tiere angeleint zu lassen und genau zu beobachten, ob und was sie aufnehmen.

Südlich von Landsberg tauchten bislang keine Blaualgen auf

Blaualgen sorgen derzeit am Lech für zahlreiche Badeverbote. Im Landkreis Landsberg wurden die Pflanzen an den Staustufen 18, 19, 20 und 21 gefunden. Südlich von Landsberg, also auch im Landkreis Weilheim-Schongau, sind sie bisher noch nicht im Lech aufgetaucht. Aber das hiesige Gesundheitsamt steht laut dem Leiter Dr. Stefan Günther in engem Kontakt mit dem Landsberger Amt und überprüft die Badestellen im Schongauer Land regelmäßig. Zum Beispiel werden am Schongauer Lido Wasserproben entnommen. Blaualgen sind sowohl für Tiere als auch Menschen gefährlich, da sie Toxine ausschütten, erklärt Günther. Menschen reagieren darauf zunächst mit allergischen Reaktionen, wie zum Beispiel Hautreizungen.

Wenn Algen auftauchen, gibt es Badeverbote

Am Mandichosee im Landkreis Aichach-Friedberg sind vor Kurzem drei Hunde gestorben, nachdem sie mit Blaualgen in Kontakt gekommen waren. Anders als der Name vermuten lässt, äußern sich Blaualgen vor allem durch grüne Schlieren, trübes Wasser und einen muffigen Geruch, so Günther. Sie tauchen vor allem in stehenden Gewässern, wie zum Beispiel den Lechstauseen auf. In fließenden Gewässern sind sie normalerweise kein Problem. In den vergangenen Jahren wurden Blaualgen auch in Badeseen im Landkreis Weilheim-Schongau gefunden. „Sie entwickeln sich vor allem, wenn es besonders heiß ist und die Seen umkippen“, so Günther. Wenn Blaualgen gefunden werden, spricht das Gesundheitsamt Badeverbote aus.

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