Der Name ist längst nicht mehr Programm: Der Tennis-„Fun Park“ verfällt auf dem Grundstück am Oberen Lechsee ebenso wie das Hallenbad.
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Der Name ist längst nicht mehr Programm: Der Tennis-„Fun Park“ verfällt auf dem Grundstück am Oberen Lechsee ebenso wie das 36 Jahre alte aufgegebene Hallenbad.

Nach dem Bürgerentscheid

Lechbruck rauft sich zusammen, aber die unschönen Ruinen bleiben stehen

  • Jörg von Rohland
    vonJörg von Rohland
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Am Tag nach dem richtungsweisenden Bürgerentscheid gegen das Hotelprojekt am Oberen Lechsee raufen sich die Lechbrucker zusammen. Die beiden Ruinen auf dem Grundstück dürften ihnen aber noch eine ganze Weile erhalten bleiben.

Lechbruck - „Ich gratuliere der BI zu diesem Ergebnis, auch wenn ich mir einen anderen Ausgang gewünscht hätte“, erklärt zum Beispiel Manfred Sitter, Vorsitzender des ERC Lechbruck. „Es ist ein deutliches Statement der Lechbrucker Bevölkerung“, betont der ERC-Chef.

Bürgermeister Werner Moll hatte sich bereits am Wahlabend ähnlich geäußert. Er wertete vor allem die hohe Wahlbeteiligung „als positiv“. Die Bürger beteiligten sich aktiv an der Ortsentwicklung.

BI: Dank klarem Ergebnis sollte der Ausgang des Entscheids für jedermann leichter zu akzeptieren sein

Die Bürgerinitiative zeigt sich derweil erleichtert über den klaren Ausgang; wie berichtet hatten bei ihrem Begehren 916 Lechbrucker gegen und 682 für die Hotelpläne des Investors Gerhard Breher gestimmt: „Somit sollte es für jedermann leichter sein, das Ergebnis zu akzeptieren“, heißt es von der BI, die von den Familien Pfanzelt und Wagner ins Leben gerufen worden war.

Appell an die Gemeinde: Auch in Zukunft kein Hotel in dieser Dimension

Gleichzeitig appellierten die Familien an die Gemeinde, das Wahlergebnis als das zu sehen, was es sei: „Der Wunsch und die Forderung der Bürger, dass kein Hotel in dieser Dimension in Lechbruck entsteht.“ Dies sollte für die Gemeinde auch nach Ablauf der vorgegebenen Bindungsfrist noch Gültigkeit haben. „Das heißt, die Gemeinde sollte auch nicht mit einem neuen Projekt dieser Dimension unter neuem Namen wieder Gleiches aufrollen“, fordert die BI.

In Bayern hat ein Bürgerentscheid laut Gesetz bekanntlich nur ein Jahr Bestand. Aber ob sich Investor Gerhard Breher auf ein zweites Abenteuer in Lechbruck einlassen würde, darf bezweifelt werden. Wenn überhaupt, dann würde er das mit gebührendem Abstand zunächst einmal mit seinem Sohn besprechen, sagte er am Wahlabend den SN.

Was geschieht mit den brach liegenden Flächen?

Der Gemeinderat wird sich jetzt Gedanken machen müssen, ob und wie er die knapp drei Hektar große Fläche zwischen Campingplatz und Feriendorf anderweitig entwickelt. Wie mehrfach berichtet, wird das Gelände im Flächennutzungsplan als Sondergebiet für Tourismus geführt. Eine Wohnnutzung ist daher ausgeschlossen. Erschwerend hinzu kommen bei der Entwicklung die beiden Ruinen, die auf dem Grundstück stehen. Das Hallenbad war vor 16 Jahren dicht gemacht worden. Nachdem das Wasser abgelassen war, wurde das jetzt 36 Jahre alte Bauwerk einfach sich selbst überlassen. Mit der gegenüberliegenden Tennishalle sieht es nicht viel besser aus. Auch sie verfällt zusehends.

Für Feuerwehrhaus und Kindergarten: Gemeinde hätte das Geld gut gebrauchen können

Allein der Abriss beider Ruinen würde rund 800 000 Euro kosten, die Investor Breher übernommen hätte. Er rechnete sogar mit Gesamtkosten von 1,4 Millionen Euro, bis überhaupt mit den Arbeiten für den Hotelbau begonnen werden hätte können, erklärte Breher. Wie mehrfach berichtet, waren 2,5 Millionen Euro im Gespräch, die der Investor der Gemeinde für das Grundstück bezahlt hätte. Offiziell bestätigt wurde die Zahl von beiden Seiten zwar nicht, aber auch nicht dementiert. Das Rathaus wird das Geld jedenfalls bei den anstehenden Projekten schmerzlich vermissen. Bekanntlich laufen die Planungen für Feuerwehrhaus und Kindergarten auf Hochtouren.

Bürgermeister befürchtet, dass der Status quo erhalten bleibt

Am Lechsee sieht nun alles danach aus, als bliebe es beim (unschönen) Status quo. Jede touristische Nutzung bedeute mehr Verkehr, sagt Bürgermeister Moll mit Blick auf die Argumentation der BI. Die hatte vor allem die zusätzliche Verkehrsbelastung gegen die Hotelpläne ins Feld geführt.

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