Fühlen sich von einem Anonymen bedroht: Valerie und Alexander Pfanzelt von der BI.
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Fühlen sich von einem Anonymen bedroht: Valerie und Alexander Pfanzelt von der BI.

Hotelgegner in Lechbruck haben Unterschriften für Bürgerentscheid bereits zusammen

Schmähschreiben überschattet Bürgerbegehren

  • Jörg von Rohland
    vonJörg von Rohland
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Knapp zwei Wochen nach dem Start des Bürgerbegehrens in Lechbruck haben die Initiatoren die notwendigen 270 Unterschriften bereits zusammen, doch sie sammeln noch weiter. Überschattet wird ihre Aktion jetzt von einem anonymen Schmähschreiben.

  • Gegen den geplanten Hotelneubau in Lechbruck hat sich eine Bürgerinitiative (BI) gegründet
  • Die Hotel-Gegner haben schon genügend Unterschriften für den Bürgerentscheid
  • In einem anonymen Schreiben wird ein Mitglied der Bürgerinitiative verunglimpft

Lechbruck – „Wir werden bis Anfang, Mitte Dezember weitersammeln und erst dann den Bürgerentscheid beantragen“, blickt BI-Mitglied Wolfgang Wagner voraus. Bekanntlich wollen die Initiatoren den Bau eines Wellnesshotels am Lechsee verhindern, weil sie der Meinung sind, dass das mächtige Bauvorhaben nicht ins Landschaftsbild passt und Lechbruck nicht noch mehr Tourismus verträgt.

Unterdessen hat die BI ein anonymes Schmähschreiben erreicht, das die Mitglieder Valerie und Alexander Pfanzelt als „Drohbrief“ interpretieren. Der unbekannte Verfasser zählt sich zu „den Befürwortern des Hotels am Oberen Lechsee“ und wirft der BI „populistisches Vorgehen in Eurem eigenen Interesse“ vor.

Die BI würde Lehrstellen jeder Art im Hotelgewerbe und Arbeitsplätze für Lechbrucker und Menschen aus der Umgebung verhindern. Ebenso mehr Umsatz für den Einzelhandel sowie „Einnahmen für die Gemeinde, die wir dringend brauchen“. Wie mehrfach berichtet, würde die Gemeinde für das Grundstück am See vom Investor so viel Geld bekommen, dass sie damit den geplanten Kindergarten und auch ein neues Feuerwehrhaus finanzieren könnte.

Kritik an der Bürgerinitiative folgen Schmähungen

Nach der geäußerten Kritik an der BI schießt der Unbekannte im zweiten Abschnitt seines Briefes direkt gegen die Pfanzelts, die das Schmähschreiben per Post erhielten. Der Unbekannte behauptet, die Firma Pfanzelt habe Lechbruck in den letzten 40 Jahren selbst verunstaltet und jetzt auch Alexander Pfanzelt „mit seinen schönen, in das Dorfbild Lechbruck passenden Häusern“. Die Drohung: „Wir werden diese Themen in der Presse und gegebenenfalls als Wurfsendung in Lechbruck und Umgebung verbreiten.“

BI-Mitglied macht Drohung öffentlich

Das hat Alexander Pfanzelt jetzt höchst selbst übernommen und das anonyme Schreiben öffentlich gemacht. Auf Anfrage erläutert er, dass das Bauunternehmen Pfanzelt 1919 von Urgroßvater Pius Pfanzelt in Lechbruck gegründet worden war. Mitte der 1950er Jahre wurde es von Großvater Leonhard Pfanzelt übernommen und ausgebaut. Mitte der 90er Jahre war Architekt Alexander Pfanzelt selbst auch in das Familienunternehmen mit eingestiegen. Mittlerweile führt er ein Büro mit drei Mitarbeitern in Lechbruck.

„Die Bauten, die wir geplant haben, sind zeitgemäße Architektur und von Fachkreisen großteils mit Preisen und Auszeichnungen gewürdigt worden“, betont der 44-Jährige, der den geplanten Hotelbau am Lechsee auch aus städtebaulicher Sicht ablehnt (wir berichteten).

Anonymer Schreiber bringt Großvater in Zusammenhang mit Kriegsverbrechen

Richtig krass wird es auf der letzten Seite des anonymen Briefes: Dort wird Pfanzelts Großvater Leo in Zusammenhang mit einem Kriegsverbrechen gebracht, das sich im August 1943 in Nordgriechenland ereignet haben soll. Als Quelle wird die „Informationsstelle Militarisierung“ genannt. Die gesamte 12. Kompanie des Gebirgsregiments 98 soll demnach in dem Dorf Kommeno „feldmarschmäßig“ zum Morden mit Maultieren und dem Küchenwagen vorgefahren sein und 317 Frauen, Männer und Kinder erschossen haben.

Leonhard Pfanzelts Enkel Alexander kann dazu nichts sagen: Sein Großvater sei im Juni mit 98 Jahren verstorben. „Er war im Krieg, mehr Infos habe ich hierzu nicht“, sagt der 44-Jährige.

Einschüchtern lassen wird sich die Bürgerinitiative jedenfalls nicht von solchen Schreiben, versichert BI-Mitglied Wolfgang Wagner. Wenngleich er einräumt, mit so etwas nicht gerechnet zu haben. Wie berichtet, waren Gegner und Befürworter des Hotelvorhabens bislang fair miteinander umgegangen. Von Bürgermeister Werner Moll habe man jetzt auch eine Mail bekommen, berichtet Wagner. Der Rathauschef und auch der Gemeinderat würden sich ganz klar von diesem Schreiben distanzieren. „Das hat uns gefreut“, so Wagner.

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