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Die neueste Anschaffung von Bürgermeister Helmut Angl besangen gemeinsam (von links) Stefan, Ulli und Sepp: eine Pistenraupe.

Starkbierabend in der Lechhalle

Eine Schneekanone für den Lechbrucker Rathauschef?

Bereits zum 16. Mal hatte der Kampfplatzverein Lechbruck zu seinem traditionellen Starkbierabend in die Lechhalle eingeladen. Ungeschönt und humorvoll blickten Vorstand Reinhold Reichart und die Hauptakteure Stefan Fichtl, Sepp und Ulli Langenwalder wieder auf die Gemeindepolitik.

Lechbruck Reichart begrüßte die Musikkapelle Lechbruck unter der Leitung von Georg Müller das gemischte Publikum zwischen 18 und 80 sowie die stellvertretende Landrätin Angelika Schorer und die Bezirksrätin Uschi Lax: „Da hat sogar unser Bürgermeister Helmut Angl etwas Lampenfieber, wenn heute mal Besuch da ist, der über ihm steht. Er meint nämlich, über ihm stehe keiner.“ Sogar den Status der am stärksten verschuldeten Gemeinde im Landkreis habe er mittlerweile eingebüßt. Nichtsdestotrotz habe er nun auch noch geschafft, was als unmöglich galt: den Sumpfbichel hinterm Altersheim gänzlich zu besiedeln. Dabei eilte er von Tourismusmesse zu Tourismusmesse und versprach Urlaub bis zur letzten Ruhe mit nahtlosem Übergang zum Altersheim.

Die traditionelle Fastenpredigt übernahm der Brückenheilige Nepomuk (alias Stefan Fichtl). „Der Vergleich von Politik und Wein, der kann bestimmt schon sehr hilfreich sein, erst zeigt sich die geballte Kraft und dann kann man sich sicher sein, welche Flaschen man da gewählet hat“, witzelte er über den Gemeinderat, der nichts zu sagen habe, wenn der Angl rede. Das hätten jedenfalls die Premer beim Faschingszug behauptet und die wissen alles. Als unendliche Geschichte bezeichnete er den Dienst der zwei kirchlichen Herren in Lechbruck. Denn nach dem Gottesdienst werde man als Kirchenbesucher nur gefragt: „Wia lang hot’s mea dauret.“

Der Brückenheilige Nepomuk (alias Stefan Fichtl) blickte kritisch auf das Dorfgeschehen.

Als gespaltene Persönlichkeit mit zwei ganz konträren Seiten bezeichnete Nepomuk das Gemeindeoberhaupt. Auf der einen Seite alles prima, korrekt und sogar erfolgreich und auf der anderen Seite eher weniger. Das verbildlicht sich auch in mehreren seiner Werke. Nehme man beispielsweise nur das neue Umfeld Rathaus: „Ein in Stein gewordenes Monument an Verschwendung wertvoller Finanzmittel – der Flößerbrunnen gefällt ihm wahrscheinlich selber nicht. Mei, was ma mit deam scheane Geld als orichte hätt’ kenne.“ Sehr eingesetzt habe sich Angl für eine „mordsdrum Wohnanlage“ mit 29 Wohneinheiten hinter dem Metzgerwirt. „Jetzt brauchen mir noch Leute, die sich in dieses Ghetto neidrängen wollen. Der Metzgerwirt ist wieder in Thailand und hat sich dieses Mal gar keine Rückfahrkarte gekauft.“

Beim Singspiel „Sendung mit der Maus“ lauteten die zentralen Fragen des Erzählers: Was ist denn überhaupt eine Gemeinde? Wie geht denn eigentlich Kommunalpolitik? Was macht überhaupt so ein Bürgermeister? Bevor die drei Jungs vom ERC Lechbruck – Stefan, Sepp und Ulli – auf die Bühne kamen, wurde im Vorspann noch etwas über Lechbruck erzählt: „Ein Hallenbad haben sie dort nicht mehr. Dafür einen Flößergolfplatz. Der liegt in einem Park, der jetzt schöner aussehen soll – tut er aber nicht.“

Teils in Liedern erklärten die drei Eishockeynachwuchsspieler das Maus-Thema. „Das nennt man Gemeinde, das heißt kommunal, einer sagt wo’s langgeht, den andern ist’s egal“, sang der kleine Sepp. „Isch dr Angl eigentlich dr oinzig Bürgermeister auf dr Welt“, fragte der kleine Ulli. „Des it, aber er moint, er sei dr Bescht“, antwortete Sepp. Aber es gebe ja noch mehr Gemeinden, beispielsweise Rettenbach. „Ist da auch dr Angl Bürgermeister“, wollte Ulli wissen. „Nein, dia sind katholisch“, erwiderte Sepp. Doch eins fanden die Drei, das es in Rettenbach nicht gebe: einen Tourismus. Denn die Leute wollten was erleben: „I will Floßfahrn“ – sang Stefan. Aber hat eine Gemeinde auch Geld: „Z’Lech isch des so, wenn ma a Geld hot, no gibt ma’s glei mea aus.“

„In seinem Höhenflug will er Lech no zum Wintersportort machen“, sagte der kleine Ulli über Angl. „Im Sommer schneit d’Sonne, im Winter do schneit’s. In der Schweiz, bloß it z’Lech, so ein Pech“, sangen die Drei. Das Gemeindegeld gebe Angl für seine Träume aus und das könne etwas kosten, denn er träume den ganzen Tag. Die neueste Anschaffung: eine Pistenraupe. „Alles was wir brauchen bist du“, besangen sie das Bild einer Pistenraupe. Und vielleicht werde dann – wenn der Schnee fehlt – noch eine Schneekanone gekauft.

von Gwendolin Sieber

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