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Umweltschutz mit abgeschnittenen Haaren - Lechbrucker Friseurmeisterin beteiligt sich an Aktion

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Die Lechbrucker Friseurmeisterin Lucie Kotter will einen Beitrag zum Umweltschutz leisten.
Die Lechbrucker Friseurmeisterin Lucie Kotter will einen Beitrag zum Umweltschutz leisten. © Silke Zink

Abgeschnittene Haare einfach in die Restmülltonne packen, das kommt für die Lechbrucker Friseurmeisterin Lucie Kotter nicht mehr in Frage. Schließlich lässt sich damit noch Gutes tun.

Lechbruck – Lucie Kotter vom gleichnamigen Salon Kotter aus Lechbruck sammelt die abgeschnittenen Haare und tut somit etwas für die Umwelt. Wie das funktioniert? Ganz einfach: Haare besitzen die besondere Eigenschaft, viel Fett aufzusaugen und diese Funktion auch nach dem Schneiden nicht zu verlieren. Daher eignen sie sich hervorragend als natürliches Reinigungsmittel gegen Verschmutzungen wie Öl, Benzin und Sonnenmilchreste in Gewässern wie Meeren, Flüssen und Seen.

„Bisher haben wir die abgeschnittenen Haare im Restmüll entsorgt. Die Haare, die zu Perücken gemacht werden, sind eher selten.“ Erzählt Kotter. Jährlich werden Tonnen von Haarresten von circa 83 000 Friseursalons in Deutschland entsorgt. Die Frage, ob die abgeschnittenen Haare noch für etwas zu nutzen sind, war für Thomas Keitel, Unternehmensberater für Friseursalons, und Emidio Gaudioso, Friseurunternehmer, stets präsent. Sie suchten gemeinsam nach einem Weg, mit den abgeschnittenen Haaren etwas Gutes zu tun und entdeckten „Haarfilter“.

Mit Haaren Wasser filtern

Vorbildfunktion hat für sie der Verein „Coiffeurs Justes“ (faire Friseure) aus Südfrankreich, der die Haare in alte Nylonstrümpfe füllt, diese zu Rollen bindet und als Filter in verschmutzten Gewässern einsetzt. Die Saugfunktion des Haarfilters zieht das Öl aus dem Wasser. Er wird anschließend gereinigt und kann bis zu achtmal wiederverwendet werden. Ein Kilogramm Haar kann bis zu acht Kilogramm Öl aus dem Wasser filtern. Diese Haarfilter werden weltweit eingesetzt. In Gewässern vor Industriegebieten und an Küsten, um Öle, Treibstoffreste und Sonnenmilch aus dem Wasser zu filtern.

Thomas Keitel und Emidio Gaudioso nahmen Kontakt zu „Coiffeurs Justes“ auf, informierten erste Friseursalons und fuhren im November 2021 erstmals durch Deutschland und Österreich, um bei 270 Friseursalons, die sich nur durch Mundpropaganda bei ihnen meldeten, Haarreste abzuholen. Allein auf dieser Tour kamen 671 Kilo Haarreste zusammen, die nach Südfrankreich transportiert werden sollten.

In Papiertüten werden die Haare gesammelt.
In Papiertüten werden die Haare gesammelt. © Silke Zink

Es sei außerdem in Planung, mit deutschen Unternehmen zusammenzuarbeiten, die aus den Haarresten gefilzte Matten fertigen, um die Logistik auch in Deutschland zu etablieren und mit abgeschnittenen Haarresten natürlich und nachhaltig hiesige Gewässer zu säubern. Die Haarfilter können dann überall da zum Einsatz kommen, wo Benzin oder Motoröl ausgelaufen ist, wo Motorboote ankern und tanken, an Badestränden und da, wo es zu Verschmutzungen in Gewässern gekommen ist.

Kaum Mehraufwand

Als die Lechbrucker Friseurmeisterin Lucie Kotter von der Idee hörte, war es für die junge Mama eine Herzensangelegenheit hier dabei zu sein, sagt sie. Und so sammelt Kotter nun mit ihren Mitarbeiterinnen täglich die abgeschnittenen Haare. „Manchmal sind es mehr Haare, und manchmal eben weniger“, erzählt die 24-Jährige. „Aber wichtig ist, dass wir bei ,hairhelptheoceans’ dabei sind. Und darauf sind wir alle stolz, dass wir aktiv etwas für den Umweltschutz tun.“

Mehraufwand sei es nicht, wie Kotter versichert. „Ob ich die Haare in den Restmüllbeute werfe, oder in die Papiertüte von ,hairhelptheoceans’ stecke, ist der gleiche Aufwand.“

Um bei dieser Aktion dabei zu sein, muss der Salon registriert sein und bekommt für eine kleine Aufwandsentschädigung Papiertüten zur Verfügung gestellt, die klimaneutral abgeholt werden. Lucie Kotter, die vor vier Jahren, die jüngste Friseurmeisterin Deutschlands war, arbeitet in der 3. Generation im Lechbrucker Traditionssalon und sagt, dass auch ihre Kunden von der Aktion hellauf begeistert sind.

Silke Zink

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