Helmut Angl, Altbürgermeister.
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Helmut Angl, Altbürgermeister in Lechbruck.

Altbürgermeister Helmut Angl kämpft für Wellnesshotel

„Unsere Bürger könnten im Dorf arbeiten“

Lechbrucks Altbürgermeister Helmut Angl hatte das Geschäft noch in seiner Amtszeit eingefädelt, jetzt tobt im Ort ein Streit über das geplante Vier-Sterne-Wellness-Hotel am Lechsee. Am 21. März kommt es zum Bürgerentscheid. Auch im Ruhestand kämpft der Ex-Rathauschef wie ein Löwe dafür, dass der Investor Hallenbadruine und Tennishalle abreißen darf, um an ihrer Stelle sein Projekt zu verwirklichen. Im Interview erklärt Angl, warum.

- Herr Angl, warum braucht Lechbruck ein Luxushotel?

Helmut Angl: Das Lechbrucker Wellnesshotel wird ein komfortables 4-Sterne-Hotel, aber kein Luxushotel. Es kommen auch nicht die „Super-Reichen“ in dieses Hotel, sondern der „normale“ Durchschnittsbürger wird bei uns in Lechbruck Urlaub machen. Die überbaute Fläche des neuen Hotels ist kleiner als die überbaute Fläche von Hallenbad und Tennishalle. Als ehemaliger Bürgermeister von Lechbruck liegt mir unser Dorf natürlich immer noch am Herzen. Und so ist mir die Weiterentwicklung von Lechbruck nach wie vor wichtig. Mein Ziel war immer, 1000 Arbeitsplätze im Ort zu schaffen. So können unsere Bürger im Dorf arbeiten und müssen nicht kilometerweise fahren. Was absolut nicht außer Acht gelassen werden darf, ist, dass wir mit dem neuen Hotel viele zusätzliche Ausbildungsberufe im Ort hätten. Hotelfachfrau/fachmann, Restaurantfachfrau/fachmann, Koch/Köchin, Masseur/Masseurin sowie auch als Kosmetikerin. Auch kann im Ort ein duales Studium im Fach Management und Kulinarik studiert werden.

- Dass es in Lechbruck durch das geplante Hotel mehr Verkehr geben wird, ist aber nicht von der Hand zu weisen, oder?

Helmut Angl: Wenn man das Hallenbad und die Tennishalle wieder eröffnen würde, wäre in der Lechwiesenstraße bedeutend mehr Verkehr als mit dem neuen Hotel. Der Lieferantenverkehr wird nicht wesentlich stärker werden. Werden doch heute schon der Königshof und die Gaststätten vom Hochbergle-Stuben und der Campingplatz-Gaststätte beliefert. Aus der Erfahrung wissen wir, dass ein Wellnessgast durchschnittlich drei bis sechs Tage im Hotel bleibt. Die meisten Gäste verbringen ihre Zeit im und um das Haus und lassen ihr Auto stehen.

- Für viele Lechbrucker Kinder verläuft der Schulweg an der Lechwiesenstraße. Ist das nicht gefährlich während der Bauzeit?

Helmut Angl: Wir haben in der Lechwiesenstraße einen sehr sicheren Schulweg. In der Schongauer Straße befindet sich eine Ampelanlage und in der Lechwiesenstraße ist ein durchgehender Gehweg bis zur Schule. Man könnte an den Gehsteig eine Absperrung anbringen. Wenn es von den Anliegern gewünscht ist, könnte am Café Seeblick eine zusätzliche Ampel für die Kinder vom Rottach und der unteren Lechwiesenstraße temporär installiert werden.

- Ist es für die Gastronomie in Lechbruck nicht eher von Nachteil, dass sich ein weiterer Konkurrent ansiedelt?

Helmut Angl: Nachdem jetzt unser Gasthaus „Weißes Rössel“ zugemacht hat, wäre eine zusätzliche Gastronomie dringend notwendig. Im Hotel soll keine Halbpension, sondern nur Übernachtung mit Frühstück angeboten werden. So profitiert unsere Gastronomie durch mehr Touristen und den Arbeitnehmern des Hotels.

- Warum kann die Gemeinde Lechbruck nicht, wie von der Bürgerinitiative gewollt, ein Baugebiet für Einheimische auf dem Gebiet des Hallenbades entstehen lassen?

Helmut Angl: Dies ist laut Bebauungsplan gar nicht möglich. Der Bebauungsplan in diesem Gebiet sieht ausschließlich touristische Nutzung vor und liegt außerdem im Außenbereich.

Die Fragen stellte Silke Zink

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