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Die Darsteller von Peterchens Mondfahrt erhielten bei ihrem Theaterdebüt in der Lechhalle viel Beifall.

Zum Auftakt ein Klassiker

Viel Beifall für die neue Theatergruppe

Lechbruck - Das Stück ist ein Klassiker. Die neue Theatergruppe Lechbruck, die Peterchens Mondfahrt auf die Bühne gebracht hat, ist dagegen modern, um nicht zu sagen blutjung. Im Sommer erst hat sich die Gruppe um Stefan Jacobs zusammengefunden und gab mit dem Märchen von Gerdt von Bassewitz ihr Debüt.

Peterchens Mondfahrt, das ist die Geschichte von zwei Kindern, Anneliese und Peterchen, die selbstlos einem Tier helfen und dabei allerlei fantastische Abenteuer erleben. Sie reisen mit dem Käfer Sumsemann zu den Sternen, treffen die Nachtfee und die Sonne, das Sandmännchen und den Weihnachtsmann. Zum Schluss müssen sie auf dem Mondberg noch gegen den Mondmann kämpfen, der schuld daran ist, dass die Familie der Sumsemänner nur fünf Beinchen hat. Aber mit der Unterstützung des Wassermanns und ihrer Sterne bezwingen die Kinder den Unhold, der einst für seinen Frevel auf den Mond verbannt worden war, können das Beinchen holen und dem Käfer wieder ankleben.

Soweit in kurzen Worten,die Geschichte, die einen Tag nach Nikolaus im Jahre 1912 uraufgeführt worden war und seitdem Generationen von Kindern gerührt und beschäftigt hat.

Und das Theaterstück des Jahres 2016 in Lechbruck? Zitieren wir dazu das Publikum: Das quietschte und gluckste vergnügt, fieberte mit den beiden Helden mit, erschrak vor dem Mondmann und freute sich über die schöne Sonne. Und klatschte, was das Zeug hielt, als sich die gesamte Theatergruppe nochmals auf der Bühne verneigte.

„Kinder sind ein kritisches Publikum. Aber sie lachen dich nicht aus“, weiß Stefan Jacobs, der mit drei altgedienten Lechbrucker Theaterern und einem Dutzend Frischlingen eine alte Lechbrucker Tradition wieder aufleben ließ.

Begonnen hatte alles im Sommer, als Bürgermeister Helmut Angl den Besitzer des Gasthauses zum Hirsch ansprach. Wohl wissend, dass Stefan Jacobs über 30 Jahre lang Theater gespielt hatte im Raum Frankfurt und Hanau und über viele Jahre hinweg auch Regie geführt hatte. Stücke von Agatha Christie und Shakespeare, moderne Interpretationen und Klassiker gleichermaßen brachte der selbstständige Automobilingenieur auf die Bühne und musste nebenher Firmen auf zwei Kontinenten anleiten und beraten.

Angl muss wohl offene Türen eingerannt haben bei Jacobs. Gemeinsam habe man dann mit Steffi Hack, Regine Wiedemann und Herbert Ungelert gesprochen, Mitglieder aus der alten Theatertruppe. Mit deren Hilfe wurden dann weitere Akteure gefunden, junge wie ältere. Spielte die alte Gruppe oftmals vor wenigen Dutzend Zuschauern, wollte Jacobs auch das ändern. Bauerntheater, so wie man es kannte und kennt, soll es nicht mehr geben. Zu groß die Konkurrenz aus den Nachbarorten, zu klein auch das Publikum letzten Endes.

So schlug Jacobs seinen theatralischen Newcomern „etwas Einfaches“ vor: Kindertheater. Der Regisseur, der selbst auch in zwei Rollen auf der Bühne zu sehen war, weiß: „Kinder sind anspruchsvoll und kritisch.“ Würden etwa die Mama auf der Bühne sofort wiedererkennen oder auch feststellen, wenn zwei verschiedene Charaktere dieselben Schuhe trügen. Man müsse also schon sehr aufpassen.

Gegen den Vorschlag, das Märchen von Bassewitz aufzuführen, bestanden keine Einwände, weshalb schon mit Schulbeginn die ersten Proben stattfanden. Zuerst nur einmal pro Woche, ab November dann zwei Mal. Wobei Jacobs sein gesamtes Wissen zum Einsatz brachte. Rhetorik steht ebenso auf dem Übungsprogramm wie „Gefühle zeigen“, auch wenn mancher glaubt, das zu können. „Ich habe dem Sumsemann (Marion Tyka) gesagt, er solle prahlen. Immerhin hat er eine silberne Geige von seinem Urgroßvater.“ Und auch Regina Wiedemann, die Mutter und alte Häsin, was das Theaterspiel angeht, lernt noch dazu.

Doch nicht nur bei ihren Rollen bringt sich die Truppe ein, auch ihre Kostüme schneidern die Schauspieler selber – teilweise, etwa die Sonne (Kathrin Wiedemaier) mit erstaunlichem Aha-Effekt beim Publikum – und legen auch Hand an bei den Requisiten und dem Bühnenbild. Das sich natürlich an die Originalgeschichte anlehnt.

Für das kommende Jahr denkt Jacobs an ein Stück für Erwachsene, nennt Thornton Wilder, der „Unsere kleine Stadt“ geschrieben hat oder Dario Fo. Auch Bram Stoker stünde zur Debatte. Immer aber Stücke, die dem Zuschauer etwas mitgeben und trotzdem einen schönen Theaterabend bescheren.

Oliver Sommer

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