+
„Das ist ein Weg für Naturfreunde und Genießer“, sagt Stephan Günther, Gebietsbetreuer des Vereins Lebenswertes Lechtal. An markanten Punkten stehen Erlebnisstationen, außerdem Schilder mit QR-Codes.

Lecherlebnisweg eröffnet

Ein Wanderweg für alle Sinne

Schongau/Burggen - Der Altlandkreis hat eine neue Attraktion: den LechErlebnisWeg. Der Fernwanderweg führt 85 Kilometer von Füssen über Schongau nach Landsberg – immer am Lech entlang. Viele Attraktionen liegen zwischen Urspring und Hohenfurch. Bei der Einweihung wurde deutlich: Die Initiatoren erhoffen sich davon einen kräftigen Schub für den Tourismus.

Der Blick auf die Litzauer Schleife verzauberte. Die Landrätin, die Tourismusverbands-Chefin, den Naturfreund und den Vertreter der Zuschussbehörde. Sie alle waren bei der offiziellen Eröffnung des neuen LechErlebnisWegs begeistert von der Örtlichkeit. Das Lechtal östlich von Burggen ist schließlich das letzte Stück ungezähmter Alpenfluss im bayerischen Lechabschnitt.

Der komplett neugestaltete Fernwanderweg verbindet die historischen Altstädte von Füssen, Schongau und Landsberg. 85 Kilometer entlang eines Flusses, der stets mehr war als nur ein nutzbar gemachter Handelsweg und Energielieferant. Der Lech und seine Ufer sind trotz Staustufen und Begradigungen immer noch eine wichtige Heimstätte für die Natur. Von einem „Wanderweg der Artenvielfalt“ von den Alpen bis zur Schwäbischen Alb schwärmte Stephan Günther, Gebietsbetreuer des in Augsburg sitzenden Vereins Lebensraum Lechtal. Und die Litzauer Schleife nannte Susanne Lengger, Geschäftsführerin des Tourismusverbands Pfaffenwinkel, stolz das „schönste Stück Lech, dass wir in Bayern haben“.

Mundartgedichte per QR-Code, Klänge per Kiesel-Litophon

Die Wanderroute, Nachfolgerin des Lech-Höhenwegs, ist ein Projekt, das aus dem Rahmen fällt. Weil so viele an einem Strang zogen. Dafür arbeitete der Tourismusverband mit den Landratsämtern Weilheim-Schongau, Ostallgäu und Landsberg zusammen, neben dem Lechtal-Verein wurden Naturschutz und Kommunen mit ins Boot geholt. Die Erlebnisstationen wurden im Hotspot-Projekt „Alpenflusslandschaften“, dessen Träger der WWF ist, realisiert. Kein Wunder, dass Landrätin Andrea Jochner-Weiß die „enge und harmonische Kooperation mit dem Naturschutz“ hervorhebt. Dass sich dieser und der Tourismus nicht beißen müssen, betonte Pfaffenwinkel-Chefin Lengger: „Der enge Kontakt wirkt nachhaltig.“

13 Erlebnisstationen gibt es auf dem Weg, allein sechs im Altlandkreis. Auf einen allzu großen Ausbau mit Infopunkten wurde bewusst verzichtet. Naturnahe Wege und wenig Anleitung sind Trumpf. Der Wanderer soll lieber „den Naturraum mit allen Sinnen erschließen“, so Lengger. Dafür wird auch moderne Technologie genutzt: Per QR-Codes lassen sich an Extraschildern Mundartgedichte von Hans Schütz, dem bekennenden Lech-Fan, und Filmsequenzen herunterladen. Das alles soll „die Natur des Lech erlebbar machen“, hofft Reiner Erben, Vorsitzender des Lechtal-Vereins. Entlang der 85 Kilometer könne der Mensch lernen, „wie wertvoll dieser Fluss ist“.

Diese Ziel ließen sich die Projektpartner einiges kosten. Laut Susanne Lengger wurden für die Qualitätsverbesserung der Fernwanderwege in zwei Leader-Projekten etwa 103 000 Euro investiert. 52 000 Euro gab es aus dem EU-Topf für die beteiligten Regionen. „Man kann sagen, dass es auch ein paar positive Dinge gibt, die aus Brüssel kommen“, meinte denn Ethelbert Babl vom zuschussbewilligenden Kemptener Landwirtschaftsamt. Für die Stationen samt QR-Codes waren im Rahmen des Hotspot-Projekts nochmal rund 56 500 Euro fällig, wovon etwa 42 400 Euro durch das Bundesamt für Naturschutz und 8500 Euro durch den Bayerischen Naturschutzfonds gefördert wurden. Geld, dass laut Landrätin Jochner-Weiß gut investiert wurde: „Wir sind damit für die Zukunft gut aufgestellt.“

Kunst gibt es auch am Wegesrand: In Dessau steht das Kiesel-Lithophon von Karl Michael Ranftl, der diesem Klänge entlockt – natürlich mit Lech-Flusskieseln. Am Urspringer Stausee wurde ein zeitgenössisches Werk aufgestellt: „Der Lech – der Huchen“ des Steingadener Bildhauers Johannes Klein.

Die schönste Liebeerklärung an den Fluss kam von Burggens Bürgermeister Joseph Schuster. „Der Lech ist das Herzstück unserer Gemeinde,, er verbindet uns auch.“ Schuster brachte es auf den Punkt: „Ein imponierendes grünes Gewässer.“

Infos

zum LechErlebnisWeg gibt es beim Tourismusverband: Telefon 08861/211-3200 oder auf www.pfaffen-winkel.de.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Abschied von Stadtbaumeister Ulrich Knecht: „Widerstände muss man aushalten“
Elfeinhalb Jahre war Ulrich Knecht Stadtbaumeister in Schongau und hinter dem Bürgermeister einer der wichtigsten Männer der Stadtverwaltung. In seine Amtszeit fielen …
Abschied von Stadtbaumeister Ulrich Knecht: „Widerstände muss man aushalten“
Schulleiterin Brigitte Kees: Nach 37 Jahren in Ruhestand
Vor 37 Jahren kam sie an die Grundschule Burggen – und ist ihr das ganze Berufsleben lang treu geblieben: Mit einer fröhlichen Feier ist Rektorin Brigitte Kees gestern …
Schulleiterin Brigitte Kees: Nach 37 Jahren in Ruhestand
Seit 25 Jahren in der  Peitinger Pfarr- und Gemeindebücherei
Ihr 25-jähriges Dienstjubiläum hat jetzt die Peitinger Büchereimitarbeiterin Agatha Bach gefeiert. Bach ist eine der zwölf teilweise ehrenamtlich arbeitenden …
Seit 25 Jahren in der  Peitinger Pfarr- und Gemeindebücherei
Nach Horror-Unfall an Lechtalbrücke: Bauamt prüft bauliche Maßnahmen
Es sollte ein Ausflug in den Schongauer Märchenwald werden, doch der Fahrfehler einer Urlauberin (70) stürzte einen 21-jährigen Peitinger ins Unglück: Beim Wenden auf …
Nach Horror-Unfall an Lechtalbrücke: Bauamt prüft bauliche Maßnahmen

Kommentare