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Robert Sing, Geschäftsführer der Bürgerwindkraft Fuchstal GmbH. foto: 

Das aktuelle Interview mit Robert Sing

Früh eingespeist: Ertrag über der Prognose

Gut 24 Millionen Kilowattstunden Strom sollen laut Kalkulation heuer durch den Betrieb der vier Windräder im Fuchstal erzeugt werden. Durch die Einspeisung ins Netz soll 2017 ein Erlös von 2,1 Millionen Euro erzielt werden. Zugleich zieht Robert Sing ein Fazit für 2016, als der Ertrag die Prognose um zwölf Prozent übertraf. 

Fuchstal - Diese Zahlen nennt Robert Sing (39), der Geschäftsführer bei der Bürgerwindkraft Fuchstal ist. Die gleiche Funktion hat der Ingenieur auch bei der Bürgerwind GmbH Lamerdingen und bei der Bürgerwindkraft in Berg.


- Ein erstes Resümee: Wie ist die Windausbeute bei den vier Fuchstaler Windkraftanlagen im Jahr 2016?

Robert Sing: Die Windausbeute der vier Fuchstaler Anlagen ist im Jahr 2016 um rund zwölf Prozent über der Prognose.

- Woran liegt’s?

Der Grund hierfür ist nicht etwa ein stärkeres Windaufkommen als wir es erwarteten, sondern die deutlich frühere Inbetriebnahme der Anlagen gegenüber dem Bauzeitenplan. Geplant waren die Inbetriebnahmen der ersten zwei Anlagen bis zum Ende Juni und die der letzten zwei Anlagen bis zum Ende September 2016. Tatsächlich sind wir aber schon Mitte und Ende Mai mit zwei Anlagen ans Netz gegangen. Die letzten beiden Anlagen gingen dann Mitte Juni und Ende August in Betrieb. So konnten wir trotz des schwachen Windaufkommens im zweiten Halbjahr 2016 immerhin 10,2 Millionen Kilowattstunden umweltfreundlichen Strom ins Netz einspeisen.

- Welche Menge Strom und welchen Erlös nehmen Sie für 2017 in die Kalkulation?

Wir haben für das Jahr 2017 und die folgenden Jahre eine Jahreserzeugung von 24,3 Millionen Kilowattstunden angenommen. Das entspricht dem Gutachtenwert abzüglich 15 Prozent Sicherheitsabschlag. Für den eingespeisten Strom haben wir mit einem Erlös in Höhe von rund 2,1 Millionen Euro gerechnet.

- Was lässt sich jetzt schon sagen: Wann gibt es Wochen bzw. Jahreszeiten mit besonders starkem Windertrag?

Grundsätzlich erzeugen wir in unseren Breiten zwischen zwei Drittel und drei Viertel der Jahreserzeugung im Winterhalbjahr. Die Windenergie verhält sich genau spiegelverkehrt zur Photovoltaik und ist von daher eine sinnvolle Ergänzung im bayerischen Energiemix. An einem windstarken Tag können wir in Fuchstal bis zu 72 000 Kilowattstunden mit einer Anlage erzeugen. Solche Tage gibt es vornehmlich gehäuft im Winterhalbjahr.

- Wann hat Flaute geherrscht?

Leider hat im Jahr 2016 für die Windenergie an den meisten Herbst- und Wintertagen des zweiten Halbjahres Flaute geherrscht. Wir hatten überwiegend Hochdrucklagen mit wenig Wind und auch kaum Niederschlag. Sehr trockene Zeiten bedeuten auch meist Windarmut. So war der Dezember 2016 nicht nur einer der trockensten seit Mitte der siebziger Jahre , sondern auch einer der windärmsten. Durch eine vorsichtige Kalkulation können solche Schwankungen jedoch gut abgefangen werden.

- Wie ist der beim Ertrag der Vergleich mit anderen Windkraftanlagen, z.B. in Lamerdingen und in Berg?

Die Ertragssituation ist in den drei betrachteten Standorten zie4mlich ähnlich. Aufgrund der kurzen Betriebszeit können hier noch keine abschließenden Bewertungen stattfinden. Zudem ist in Lamerdingen auch ein kleinerer Anlagentyp verbaut, der 600 Kilowatt weniger Leistung aufweist.

- Wie oft sind Sie selber bzw. Ihre Mitarbeiter denn noch im Kingholz?

Wir sind noch rund ein- bis zweimal pro Woche im Kingholz. Derzeit wegen der automatischen Eisabschaltung der Anlagen sogar mehrmals pro Woche. Sobald die Witterung Eisbildung an den Rotoren begünstigt, schalten sich die Anlagen automatisch ab. Bei Wetterbesserung fahren wir dann zu den Anlagen und begutachten die Rotorblätter visuell auf tatsächlichen Einsatz. Wenn kein Eis erkennbar oder nur Raureif auf den Rotorblättern ist, werden die Anlagen manuell wieder in Betrieb genommen. Dieser Prozess fordert viele Einsätze über den Winter, ist aber unvermeidbar. Da die Sicherheit vorgeht, werden die Anlagen nicht über den Fernzugang, sondern stets manuell vor Ort gestartet. Bald werden wir unser Team mit einem zusätzlichen Betriebsführer vor Ort verstärken, um die Reaktions- und Fahrzeiten in der Betriebsführung zu verbessern.

- Welche Arbeiten sind im Zusammenhang mit den vier Windkraftanlagen im Fuchstal noch zu erledigen?

An den Anlagen sind noch diverse Einstellarbeiten erforderlich. Dies ist aber normal und bei Anlagen dieser Größenordnung und aufgrund des hohen Maßes an Handarbeit vor Ort nichts Ungewöhnliches. Die Wege und Montageflächen wurden bereits im Spätsommer schon auf den endgültigen Stand zurückgebaut. Die Wiederaufforstung erfolgt nun im Frühjahr 2017 gemäß den Vorgaben der Genehmigungsbehörden und in Abstimmung mit den Bayerischen Staatsforsten.

Die Fragen stellte Johannes Jais

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