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Baufortschritt nach der Jahreswende: Der gut 100 Meter hohe Betonturm an der südlichsten Windkraftanlage. Aufgesetzt werden noch drei Stahlsegmente und im Frühjahr die Gondel auf 147 Meter Höhe.

Wegen vier Windkraft-Anlagen

Fuchstal muss wegen Windrädern vor Gericht

Fuchstal - Vor einer Klage der Gemeinde Kaltental habe ich keine Angst: Mit diesem Satz kommentiert Fuchstals Bürgermeister Erwin Karg das Vorgehen der Ostallgäuer Nachbargemeinde. Denn für sie sind die vier Fuchstaler Windkraftanlagen im Bereich Kingholz ein Grund zur Klage.

Florian Huber, der stellvertretende Pressesprecher der Behörde, bestätigt, dass die Verhandlung vor dem Bayerischen Verwaltungsgericht öffentlich ist. Sie findet am kommenden Dienstag, 19. Januar, um 9 Uhr im Sitzungssaal 5 des Verwaltungsgerichts München an der Bayerstraße 30 statt. Die Klage des Marktes Kaltental richtet sich gegen den Freistaat Bayern – und nicht gegen die Gemeinde Fuchstal. Deren Vertreter sind nur beigeladen.

Die immissionsschutzrechtliche Genehmigung der vier Windkraftanlagen im Sommer 2015 erfolgte durch das Landsberger Landratsamt in dessen Eigenschaft als staatliche Behörde. Freilich hat die Gemeinde Markt Kaltental auch eine Normenkontrollklage angestrengt. Diese richtet sich gegen die Gemeinde Fuchstal. Und zwar konkret gegen den Teilflächennutzungsplan „Windkraft im Kingholz“. Auch dazu erwartet sich Fuchstals Bürgermeister Erwin Karg eine Aussage seitens des Verwaltungsgerichtes.

Dieses habe schon Ende September dem von der Gemeinde Fuchstal beauftragten Rechtsanwalt Bernd Wust mitgeteilt, dass der Normenkontrollantrag wohl unzulässig sein dürfte und sich in dieser Einschätzung auf ein aktuelles Urteil vom März 2015 berufen.

Bürgermeister Manfred Hauser und nahezu alle Kaltentaler Gemeinderäte stellen dagegen deutlich heraus, dass der Einspruch gegen die geplanten Windräder entlang der östlichen Kaltentaler Gemeindegrenze nicht bedeute, dass das Gremium generell gegen Windkraft sei. Das Anliegen Kaltentals sei es vielmehr, die geschlossene Waldfläche im nördlichen Sachsenrieder Forst zu erhalten und die Investoren zu motivieren, weiter von der Gemeindegrenze entfernt in der Flur des Landkreises Landsberg die Windkraftanlagen zu bauen.

115 Kommandantisten haben Anteile an den vier Windkraftanalgen südwestlich von Leeder gezeichnet. Dies berichtet auf Nachfrage Robert Sing, der Geschäftsführer der Bürgerwind Fuchstal GmbH und Chef des gleichnamigen Ingenieurbüros in Landsberg. Der größte Kommandantist ist die Gemeinde Fuchstal, die 3,3 Millionen Euro einbringt. 35 Kommandantisten sind aus der Gemeinde Fuchstal, 23 aus Kommunen der früheren Südallianz, die von Fuchstal bis Dießen reicht. Zudem haben sich Bürger aus Kommunen wie Schongau, Altenstadt, Sachsenried, Denklingen und Epfach finanziell eingebracht. Die vier Windkraftanlagen südwestlich von Leeder kosten zirka 22 Millionen Euro. Zwei Drittel der Summe werden über den Kapitalmarkt finanziert, ein Drittel ist Eigenkapital.

Sing sieht dem Verhandlungstermin „gelassen“ entgegen. Er verweist drauf, dass im Juli die Klage der Gemeinde Schäftlarn und dreier privater Grundbesitzer gegen die vier Windräder in Berg (Landkreis Starnberg) zurückgewiesen wurde. Ebenso sei Anfang 2015 die Klage der Gemeinde Langerringen gegen die zwei Windräder auf Lamerdinger Flur (nördliches Ostallgäu) vom Verwaltungsgericht in Augsburg abgewiesen worden.

Die Bauarbeiten im Kingholz sind dank des milden Wetters bis jetzt gut vorangekommen. An der südlichsten der vier Windkraftanlagen ragt der Betonturm schon gut 100 Meter auf. Inzwischen ist der Baukran zum nächsten geplanten Windrad versetzt worden. Über dem Betonturm werden an allen vier Anlagen drei Stahlsegmente aufgesetzt.

Dann wird die Gondel verankert. Die Nabe befindet sich auf 149 Metern Höhe am Turbinenhaus. Die drei Flügel messen knapp 55 Meter. Spätestens Ende des Jahres sollen alle vier Windkraftanlagen am Netz sein, zwei davon sollen ab Juli laufen.

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