Für den Handymast an der Hüttenleiten in Apfeldorf soll ein Bebauungsplan aufgestellt werden. foto: ms

Bei Handymasten nur noch kleckern

Apfeldorf - Für den Standort des Handymasts an der Hüttenleiten in Apfeldorf soll ein Bebauungsplan aufgestellt werden. Damit will die Gemeinde vorbauen und weitere Handy-Auswüchse vermeiden.

Wichtig ist: Der bereits geplante neue Mast, der 36 Meter hoch werden und den bisherigen Sendemast ersetzen soll, wird aller Voraussicht nach kommen. Dagegen sieht die Gemeinde momentan keine Handhabe, da man keine „Verhinderungsplanung“ betreiben dürfe. Wie berichtet, will die „Deutsche Funkturm“ einen um sechs Meter höheren Mast errichten, da der alte bereits voll mit Antennen bestückt ist und nicht mehr ausreicht.

Aber wenn schon das aktuelle Vorhaben nicht verhindert werden könne, dann solle man zumindest später etwas gegen zukünftige Vorhaben (sprich noch höhere Masten) in der Hand haben - so das Ansinnen der Gemeinde.

Zuvor informierten Erwin Walch (Kommunalbeauftragter Mobilfunk für die Deutsche Telekom Technik GmbH) und Diplomingenieur Thomas Bauer (Informationsmanager der „Deutsche Funkturm GmbH“) über den geplanten neuen Mobilfunkmast.

Die Mobilfunkvertreter versuchten, die Gefahren durch Strahlung herunterzuspielen. „Wer Angst vor dem Mast hat, der müsste auch zuhause seinen WLAN-Router ausschalten und sein DECT-Telefon (tragbares Festnetztelefon) raushauen“, meinte Walch. Denn dadurch würden sich die Leute daheim ja ebenfalls einer Strahlung aussetzen.

Die Auswirkungen vieler Chemikalien seien heutzutage weitaus weniger erforscht als die des Mobilfunks, zogen sie einen Vergleich. Und überhaupt liege man in Apfeldorf derzeit nur im Bereich von zwei bis drei Prozent des Grenzwertes.

Heinrich Keller meinte, mit Blick auf die Mobilfunkvertreter: „Solange Sie also die Grenzwerte einhalten, können wir nicht mitreden?“

„Ja, so ist es“, kam die unmissverständliche Antwort. Keller überzeugte die Sache mit den Grenzwerten nicht: „Ich habe noch nie gehört, dass die Grenzwerte irgendwo nicht eingehalten würden“, stellte er fest.

Gemeinderat Richard Ehlich, der die Unterschriftenaktion gegen den höheren Mast gestartet hatte (wir berichteten), beschäftigte vor allem die Frage, was jetzt in Zukunft dort an dem Mast an der Hüttenleiten noch alles passiere: Der Betreiber könnte ja ohne Grenzen erhöhen, warf er ein.

Was die Technik der Zukunft bringe, könne man heute noch nichts sagen, sagte Walch. Er schloss auch nicht aus, dass der Mast später für Richtfunk genutzt wird.

Das Argument der Mobilfunkvertreter, dass durch den höheren Mast und damit eine verbesserte Sendeleistung die Kunden während der Nutzung ihres Handys weniger Strahlung abbekommen, sahen einige Räte als Vorteil an. Den Nachteil davon tragen allerdings die Nicht-Handynutzer, da die Dauerstrahlung am Mast für diesen Vorteil ja permanent höher sein muss.

Keller gab diesbezüglich zu bedenken: „Es ist meine freie Entscheidung, ob ich ein tragbares Telefon nutze oder nicht - aber gegen die Strahlung am Mast habe ich als Bürger keinerlei Einflussmöglichkeit.“

Bauer erklärte, dass der jetzige Mast wegen diverser geplanter Erweiterungen nicht mehr ausreiche. Es sei eine entsprechende Nachfrage da, und die Kunden würden ja auch dafür zahlen. Ehlich fragte sich, ob man denn dazu nötigenfalls auch „über Leichen gehen“ würde.

Peter Rohe stellte fest, dass der aktuelle Mast ja inklusive des Aufsatzes nicht nur 30 Meter, sondern rund 40 Meter hoch wäre, und dass noch ein höherer Mast allein schon gegen den Landschaftsschutz sprechen würde. Vor allem befürchtete Rohe, dass es bei den Plänen für den neuen Mast in Wirklichkeit vor allem um den Richtfunk gehe und nicht um die Handynutzer.

Wolfgang Hentschke, Geschäftsstellenleiter der Verwaltungsgemeinschaft Reichling, erläuterte dem Gemeinderat, dass man bei der Aufstellung des Bebauungsplans nicht mit der Strahlenbelastung argumentieren könne, sondern städtebauliche Einwände finden müsste. Und daher sei es schwierig zu argumentieren, warum ein 36 Meter hoher Mast störender sei als ein 30 Meter hoher.

Der Gemeinderat beschloss letztlich, einen Bebauungsplan dahingehend aufzustellen, dass die Höhe des Mastes auf 36 Meter begrenzt werden soll. Mit der Planung soll in absehbarer Zeit ein Architekt beauftragt werden.

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