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Moderne Kassensysteme zeigen den Verkäufern an, bei welchen Spirituosen der Jugendschutz beachtet werden muss – sogar mit dem entsprechenden Geburtsjahr.

Blick nach Landsberg

Jugendschutz wird nachlässig umgesetzt

Landsberg - Um die Einhaltung des Jugendschutzes sicherzustellen, führt das Jugendamt im Landkreis Landsberg seit 2011 Testkäufe durch. Das ernüchternde Resultat: In rund 50 Prozent der Fälle wurden Alkohol und Zigaretten an Minderjährige verkauft.

Im Jugendhilfeausschuss des Landsberger Kreistags haben jüngst Ralph Axiomakarou und Jugendamtsleiter Peter Rasch über das Thema Jugendschutz referiert. Demnach wurden seit Oktober 2011 insgesamt 228 Mal Testkäufer losgeschickt, und zwar in Geschäfte im gesamten Landkreis.

Bei den Jugendlichen handelte es sich stets um Auszubildende im öffentlichen Dienst, die diese Aufgabe freiwillig und mit Zustimmung ihrer Eltern übernommen haben. Eine weitere Auflage, die das Jugendamt einhalten muss: Es darf kein Drängen des Testkäufers stattfinden. Sprich, er darf nicht zu diskutieren anfangen, wenn die Verkäufer nein sagen.

„Das ist nicht ganz realistisch“, räumte Axiomakarou ein. Trotzdem verließen in 109 Fällen die Testkäufer das Geschäft mit Waren, die sie nicht hätten bekommen dürfen. „Das bedeutet, dass fast die Hälfte aller Testkäufe gelingt“, so Rasch. Oft würden zwar die Ausweise kontrolliert, das Kassenpersonal verrechne sich aber beim Alter – oder ignoriere es vorsätzlich.

In Sachen Jugendschutz geschult

Bei modernen Kassensystemen erscheint nämlich auf dem Bildschirm ein Hinweis, sobald ein jugendschutzrelevantes Produkt über den Scanner gezogen wird. Die Kassiererin wird somit nicht nur automatisch daran erinnert, den Ausweis zu kontrollieren, sondern kann auch das Geburtsdatum ablesen, das der Kunde mindestens haben muss. Das Bußgeld, das bei den Verstößen fällig wurde, hätten die Kassierinnen aus eigener Tasche gezahlt, so Rasch. Alle gaben nämlich an, in Sachen Jugendschutz geschult worden zu sein – was bedeutet, dass die Geschäftsleitung oder der Konzern nicht belangt werden können.

In einem Fall, bei dem Rasch selbst dabei war, habe im Aufenthaltsraum der Kassierinnen sogar ein Zeitungsartikel über Testkäufe an der Wand gehangen. Die Höhe des Bußgelds beträgt im Landkreis 100 Euro. Damit bleibt er deutlich unter dem per Gesetz Möglichen. Der Bußgeldkatalog sieht laut Rasch Beträge zwischen 500 und 2000 Euro vor.

Das Jugendamt soll nun prüfen, ob eine Erhöhung notwendig ist, und es soll die Testkäufe intensivieren. Das beschloss der Jugendhilfeausschuss einstimmig. Er appelliert außerdem an den Einzelhandel, den Jugendschutz ausnahmslos zu beachten.

Ulrike Osman

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