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Im Moment gräbt niemand: Die Ausgrabungen dauern noch mindestens sechs Wochen, schätzt Archäologe Schreiber.

Knochen für die Forschung

90 Skelette ausgegraben

Landsberg - Es wird gebaut hinter der Landsberger Johanniskirche: Die schon länger leerstehenden Gebäude des Steinmetzbetriebes Sepp sind bereits beseitigt, um neuen Häusern Platz zu machen. Doch vorher muss archäologisch betreut gegraben werden, denn der ehemalige Friedhof der Johanniskirche ist ein Bodendenkmal.

Laut Bauplan soll ein rechtwinkliges Gebäude entlang des Mühlbachs sowie ein Solitär parallel zur Brudergasse entstehen, in den dann ein Cafébetrieb einziehen soll. Die Kosten für die Ausgrabung zuvor trägt dabei der Bauherr.

Ein weißes Zelt deckt die Ausgrabungen auf dem ehemaligen Friedhof ab. Im Moment ruht die Arbeit, der Boden ist gefroren. Sobald es möglich ist, wird weiter gegraben: Noch mindestens sechs Wochen benötige man, um das Gelände archäologisch zu erfassen, schätzt Dr. Jürgen Schreiber von der zuständigen Ausgrabungsfirma Dig it! Company: „Wir sind bei einer Grabungstiefe von 1,5 Metern, weiter runter graben wir nicht.“ Aber es müsse noch ein paar Meter weiter Richtung Platzmitte geforscht werden.

Knochen vermischt mit Bauschutt

Ende Oktober fand die erste Grabung statt, wobei damals nur das Fundament für den Kran errichtet wurde. „An dieser Stelle fanden wahrscheinlich in den 30er Jahren schon mal Kanalarbeiten statt“, urteilt Schreiber: Dort fand er nur einzelne Knochen, vermischt mit Bauschutt – für Archäologen uninteressant. Ein Teil dieser Knochen wurde entnommen und soll auf dem Alten Friedhof in Landsberg bestattet werden. Der Rest liegt wieder an Ort und Stelle. Die Knochenfunde im Baugebiet entlang der Brudergasse hingegen sind vollständige Skelette: Rund 90 wurden bereits gefunden. Es handele sich hier um einen klassischen Friedhofsfund der Neuzeit, urteilt Anthropologin Dr. Kristin von Heyking: „Hier wurde vorher ohne Unterkellerung gebaut, deshalb sind die Gräber so gut erhalten.“

Nun wird geforscht 

Die Knochen werden nun vorsichtig in Plastikkisten gepackt und zur Untersuchung an die Staatssammlung für Anthropologie in München geschickt. Der dortige Konservator Dr. George McGlynn betont, dass solche neuzeitlichen Friedhofsfunde in diesem Zustand selten seien. Oft hätten frühere Baumaßnahmen Gräber komplett zerstört. „Wir untersuchen die Skelette von Grund auf“, beschreibt McGlynn: Wie groß waren die Menschen, handelt es sich um Arbeiter, die vielleicht unter Rückenproblemen litten? Aus Befunden dieser Art könne man viele Informationen über das Leben in der damaligen Zeit erhalten.

Es dauert noch ein Jahr

Bis die Landsberger Funde untersucht werden, dauert es aber noch: „Ich schätze auf mindestens ein Jahr“, tippt McGlynn. Die an den ehemaligen Gebäuden entlang der Brudergasse angebrachten Grabsteine stehen zwar unter Denkmalschutz, seien aber sehr wahrscheinlich nicht von diesem Friedhof, berichtet Schreiber. Franz Sepp habe sie gesammelt und in den Hauswänden eingebaut. Sie lagern jetzt auf dem Bauplatz, „könnten aber auch anderweitig angebracht werden“, wird das Denkmalschutzamt in der Begründung des Bebauungsplans zitiert. Der Friedhof der Johanniskirche bestand seit 1505. Auf Anordnung der Regierung wurde er aus Hygienegründen 1806 geschlossen, erzählt Stadtheimatpfleger Dr. Werner Fees-Buchecker.

ae

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