Ludwig Preisingers Kriegserlebnisse als fesselnder Tatsachenbericht

Denklingen - Die schrecklichen Erlebnisse, die Ludwig Preisinger aus Denklingen als Soldat damals miterleben musste, hat er bis ins Detail niedergeschrieben.

„Ich wollte doch leben - eine Jugend im Krieg“ sind seine Aufzeichnungen betitelt, die insgesamt 115 Seiten umfassen. Das Buch stellt aber längst nicht nur einen genauen Tatsachenbericht dar, sondern zeigt dem Leser die Grausamkeiten des Krieges aus Sicht eines einfachen Soldaten auf.

„Fünf Jahre in der höchsten Blüte meines Lebens habe ich im Krieg verbracht“, blickt der heute 91-Jährige zurück - „und das, was ich dort Schlimmes erleben musste, wünsche ich keinem auf dieser Welt“.

In seinem Vorwort schreibt der ehemalige Soldat: „Was der Krieg für mich und so viele Menschen persönlich bedeutet hat, kann niemand nachvollziehen, der nicht selbst dabei war - und hier habe ich versucht, einen kleinen Einblick zu geben.“

Preisingers Aufzeichnungen beginnen bereits in seiner Kindheit auf dem Dorf. Er erzählt von seiner Familie, seiner Schulzeit und seinen ersten Mädchenbekanntschaften. Mit gerade mal 20 Jahren begann für den jungen Mann dann aber schon der Ernst des Lebens: Am 5. Februar 1941 wurde sein Jahrgang zur Wehrmacht eingezogen.

In seinem Buch schreibt Preisinger über die Einberufung und den Drill während der Ausbildung. „In der militärischen Hierarchie war derjenige der beste Ausbilder, der am lautesten schrie“, schreibt der 91-Jährige.

In allen einzelnen Details schildert der Denklinger dann seine Erlebnisse während des Russlandfeldzuges: Als sein Gruppenführer gleich beim ersten Gefecht von einer Kugel getroffen wurde, seien alle vor lauter Schock erst mal nur im Graben liegen geblieben, erinnert sich Preisinger. „Ich konnte und wollte mir nicht vorstellen, im Alter von 20 Jahren schon erschossen zu werden - und das am ersten Kriegstag“, dachte sich der junge Soldat damals.

In der Folge berichtet er von grausamen Gemetzeln, gefallenen Kameraden und von russischen Gefangenen, die vom Kompanietruppenführer, einem „Russenhasser“, gezwungen wurden, ihre eigenen Gräber auszuschaufeln, bevor sie dann von einem Erschießungskommando hingerichtet wurden. Preisinger empfand die Erschießungen damals als „kaltblütig und brutal“.

Noch brutaler und grausamer empfand es der Denklinger, als er mit ansah, wie russische Soldaten auf einer Brücke von deutschen Panzern regelrecht „zermahlt“ wurden. Preisinger selbst wurde im Krieg zweimal durch eine Granate verwundet. Doch seine zweite Verletzung, wegen der er nach Wien ins Lazarett kam, bewahrte ihn wohl davor, in russische Gefangenschaft zu geraten.

„Mein Mann hat damals Glück gehabt, dass er davon gekommen ist“, sagt Preisingers Ehefrau Theresia (87), die den Denklinger nach dem Krieg heiratete und mit ihm sechs Kinder großzog.

(ms)

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