Diplombiologe Martin Königsdorfer hat die Ergebnisse der Artenschutz-Untersuchungen vorgestellt. Foto: ms

Rotmilane gefährden den Windpark Fuchstal/Denklingen

Denklingen/Fuchstal - Die Untersuchungen zur speziellen artenschutzrechtlichen Prüfung (saP) für die Windpark-Planung im Sachsenrieder Forst liegen vor.

Die Untersuchungen zur speziellen artenschutzrechtlichen Prüfung (saP) für die Windpark-Planung im Sachsenrieder Forst liegen vor. Jetzt steht fest, welche Vogel- und Fledermausarten durch Windräder im Waldgebiet möglicherweise gefährdet wären und welche Standorte keine Beeinträchtigungen für die Tiere darstellen.

Den Fragen rund um die artenschutzrechtliche Prüfung ist in den vergangenen Wochen ein Team aus sieben Experten nachgegangen. Sie haben das Vorkommen und Verhalten von Großvögeln, Brutvögeln und Fledermäusen sowie die Lebensraumstrukturen von Tieren wie zum Beispiel der Haselmaus erfasst.

Insgesamt sind 50 potentielle Windrad-Standorte im Sachsenrieder Forst unter die Lupe genommen und einzeln bewertet worden. Von diesen 50 Standorten sind laut Ergebnis des Gutachtens, das das Büro „Lars Consult“ (Gesellschaft für Planung und Projektentwicklung aus Memmingen) aufgrund der Untersuchungen erstellt hat, insgesamt 19 Standorte artenschutzrechtlich völlig unbedenklich. Drei Standorte scheiden ganz aus, weil wegen möglicher Kollisionen ein erhöhtes Tötungsrisiko für den Rotmilan besteht. Sechs Standorte müssten verschoben werden - und zwar wegen Kollisionsgefährdung und/oder Habitatstrukturen, Höhenbäumen sowie Brutrevieren innerhalb eines Umkreises von 100 Metern. Empfohlen wird auch eine Verschiebung von 14 weiteren Standorten, da sich dort in einem Umkreis von 300 Metern Habitatstrukturen, Höhlenbäume und/oder Brutreviere befinden.

Was die acht restlichen Standorte betrifft, so sollte dort nochmals eine eingehende Prüfung des Kollisionsrisikos stattfinden, führte Diplombiologe Martin Königsdorfer aus, der die Ergebnisse der Untersuchungen in einer gemeinsamen Sitzung des Denklinger und des Fuchstaler Gemeinderates vorgestellt hat. Für die Erstellung des saP-Gutachtens sei ein hoher Erfassungsaufwand betrieben worden, wie Königsdorfer darlegte. Beispielsweise dauerte allein die Kartierung der Brutvögel (von diesen wurden 48 verschiedene Arten entdeckt) rund 250 Stunden.

Zu den besonderen Brutvogelarten zählte Königsdorfer den Schwarzspecht, den Raufußkauz, den Grauspecht, die Hohltaube, den Dreizehenspecht und den Sperlingskauz auf. Da diese seltenen Arten bei vier der geprüften Flächen im Umkreis von 100 Metern vorkommen, müssen diese Standorte zwingend verschoben werden.

Für kollisionsgefährdete Arten wurden eine Raumnutzungsanalyse und eine Horstkartierung vorgenommen, was rund 735 Stunden in Anspruch genommen hat. Hierbei wurde festgestellt, dass der Rotmilan den Waldrand östlich von Frankenhofen und einen Korridor zwischen Stocken und Sachsenried oft überfliegt - weshalb hier keine Anlagen gebaut werden dürfen. Kein erhöhtes Tötungsrisiko besteht in dem potentiellen Windkraft-Gebiet jedoch für den Schwarzmilan und den Uhu.

Bei den Untersuchungen war unter anderem auch ein Baumkletterer im Einsatz, der hoch oben auf exponierten Bäumen nach den Vögeln Ausschau hielt. Kein erhöhtes Risiko sehen die Experten auch für die Zugvögel. An 20 Standorten wurden im Umkreis von 100 Metern wertvolle Lebensraumstrukturen (Höhlenbäume, Spalten, Totholz, Fledermausquartiere oder Lebensraumstrukturen für die Haselmaus) entdeckt.

Was Fledermäuse angeht, wurden sieben verschiedene Arten entdeckt. Deshalb müssen vor den Rodungen noch Baumhöhlen und Rindenspalten auf Wochenstuben und Winterquartiere hin untersucht werden. Außerdem muss, falls der Windpark realisiert wird, durch ein Gondelmonitoring dann noch festgestellt werden, zu welchen Tages- oder Jahreszeiten die Windräder abgeschaltet werden müssen, um die Fledermäuse nicht zu gefährden.

Fuchstal Bürgermeister Erwin Karg kündigte an, dass die Ergebnisse des Gutachtens auf die Homepage der Gemeinde Fuchstal und der Gemeinde Denklingen gestellt werden.