Noch ist der „Raum der Stille“ Baustelle. Diakon Streicher weiht die konfessionsfreie Andachtsstätte am Freitag ein. hh

Tenne St. Martin in Denklingen wird fünf Jahre alt

Denklingen - Seit fünf Jahren hat nun die Tenne St. Martin in Denklingen geöffnet. Diakon Ludwig Streicher gönnt sich keine Ruhe und arbeitet an weiteren Projekten, wie dem Raum der Stille.

Nach der Jubiläumsfeier mit Eröffnung eines Spezialitätenladens wird am Freitag ein konfessionsfreier Andachtsraum eingeweiht.

Die Türen der Tenne St. Martin direkt an der B 17 bei Denklingen stehen eigentlich niemals still. Schon vor den offiziellen Öffnungszeiten halten Bürger aus der Umgebung, um Warenspenden anzuliefern. Ob ein funktionsfähiges Bügeleisen, Holzböcke zum Sägen, ein Kinderbett oder Pappbilderbücher für die Jüngsten - bei Ludwig Streicher (61) und seinen Mithelfern kann alles abgegeben werden, was in gutem Zustand ist und anderen helfen beziehungsweise eine Freude bereiten kann. Der aktive Diakon kann nun auf fünf Jahre erfolgreiche Arbeit in der Trödeltenne zurückblicken - „mein Baby“, wie er die Einrichtung liebevoll nennt. Das „Warenhaus für Neues und Gebrauchtes“ seiner „Stiftung Lebenshilfe“ ist nur eins von mittlerweile dreien, das Hilfsbedürftige unterstützt oder über den Verkauf der Waren Spenden erwirtschaftet. In Landsberg (Albert-Einstein-Straße 11) und in Utting (Seefelderhofberg 10) entstanden die Folgeprojekte, doch keines liegt dem Ammerseer so sehr am Herzen wie Denklingen. An sechs Tagen pro Woche ist die Tenne geöffnet. „Sie ist auch Knotenpunkt - hier ist immer viel los“, so Streicher, der nie vergisst, ein paar nette Worte mit den Besuchern zu wechseln und die Tenne eben auch als Begegnungsstätte für Jung und Alt sieht.

So wird er auch nicht müde, ständig neue Projekte ins Leben zu rufen. Gut angelaufen ist etwa die Einmachaktion: Wer im Garten Obst oder Gemüse hat, kann dieses an die Tenne weitergeben - freiwillige Helfer kochen die Lebensmittel ein, die dann wiederum in dem Warenhaus erworben werden können oder an Bedürftige gehen.

Direkt im Bereich der Tenne - in der alten Knechtswohnung - richtet Streicher derzeit einen Spezialitätenladen für Produkte aus europäischen Klöstern und der Region ein. Ob Liköre, Wein, Tees, Gewürze oder Schokolade - die Produkte sind in jedem Fall außergewöhnlich. Wer ein nettes Mitbringsel sucht, wird vielleicht mit dem alkoholfreien Bier „Null Komma Josef“ fündig oder mit einem „25-prozentigen Stiftsgeheimnis“ aus dem Stift Reichersberg.

Die Produkte sucht Streicher selbst aus. Überhaupt legt der 61-jährige Ammerseer überall selbst Hand an. Bis zum Jubiläumstag am Freitag gibt es auch noch jede Menge zu tun. Denn sozusagen als Krönung für sein „Baby“ möchte der Ammerseer im Erdgeschoss unter der Tenne einen „Raum der Stille“ eröffnen. Noch wird geschliffen und gemalert, es staubt und hat alles wenig mit Ruhe und Andacht zu tun. Doch der kleine Altar - ein in Herzform gewachsener Baumstamm - wartet bereits auf seinen Einsatz, das Kruzifix steht ebenfalls bereit. Der „Raum der Stille“ soll jedoch nicht nur Christen offen stehen, sondern allen Konfessionen und Glaubensrichtungen. „Ein Rückzugsort, ein Meditationsraum, ein Raum, um zur Mitte zu kommen“, beschreibt es Streicher. Regelmäßig möchte er dort Gottesdienste und Andachten abhalten, der Raum soll aber auch anderen Gruppen und Gebetskreisen offen stehen - diese können den Diakon jederzeit ansprechen.

Elke Robert

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