Wenn der Hanf-Schatz weg ist . . . gibt es Ärger

Lechrain - Mit einer Sammlung von Marihuana-Pflanzen zum Eigenbedarf lebt es sich einfacher, hat sich ein 23-Jähriger aus dem südlichen Landkreis Landsberg gedacht. Und die ist geklaut worden.

Noch schlechter stellt man sich allerdings, wenn man den vermeintlichen Dieb dann auch noch massiv bedroht. So hat die ganze Sache jetzt vor dem Amtsgericht geendet.

Der Angeklagte ist schon Jahre zuvor zweimal durch Cannabis-Besitz aufgefallen, damals allerdings mit Auflagen durch das Gericht davongekommen. Diesmal hatte er den Bogen aber überspannt. Als er vor den Resten seiner Pflanzen stand, rief er wutentbrannt einen 18-jährigen Bekannten an, angeblich weil er gehört hatte, „dass der so etwas schon einmal getan hat“. Dass dieser am Abend des Pflanzendiebstahls mit Mutter und Freundin brav zuhause saß, störte den Hanf-Anbauer nicht weiter. Er habe ihn gesehen, als er sein Grundstück mit Müllsäcken verlassen habe, außerdem sei das Ganze zudem auf dem Video einer Überwachungskamera festgehalten, argumentierte der Beschuldigte.

Bei dererlei „Fabulierkünsten“ beließ es der 23-Jährige dann aber nicht. Er drohte seinem Bekannten sogar und forderte nach dessen Aussage auch noch 1000 Euro „Schadensersatz“ in wöchentlichen Raten zu 100 Euro. Ansonsten werde man ihn vor der Schule abpassen und „einsacken“. Zudem wisse er, wo Mutter und Freundin wohnen und würde auch dort auftauchen. „Da wurde es mir dann doch zu viel“, erklärte der 18-Jährige jetzt vor Gericht.

Sein Hinweis an den 23-Jährigen, er werde angesichts der Drohungen die Polizei einschalten, führte dann zu einem weiteren Wutausbruch: „Dann hast Du morgen meine Faust in der Fresse, und wenn Du Glück hast, verlierst Du nur deine Zähne“, soll die Drohung gelautet haben.

Wenig später wurde es dann aber zunächst für den Angeklagten ungemütlich: Bei ihm zuhause tauchten Kriminalbeamte auf, fesselten ihn und beschlagnahmten die Reste der Pflanzen - insgesamt 187 Gramm, „rauchbar“ waren die Überbleibsel aber wohl nicht mehr. Auch mehrere Computer nahm die Polizei mit.

Ob er tatsächlich eine Geldforderung gestellt habe, wisse er nicht mehr, ließ der Angeklagte seinen Verteidiger vor Gericht erklären, räumte ansonsten die Vorwürfe aber weitgehend ein. Sein Verteidiger Winfried Folda warb indes um Verständnis für den 23-Jährigen: „Auch wenn es verboten ist, ist schon nachvollziehbar, dass das ein Schlag ist, wenn man nach Hause kommt und der Schatz, den man gehegt und gepflegt hat, weg ist.“ Staatsanwältin Christina Dumler stellte den Anklagepunkt der räuberischen Erpressung in den Vordergrund: „Von einem minderschweren Fall kann hier nicht die Rede sein.“ So sah das auch das Schöffengericht. Richter Matthias Neumann dazu: „Durch das Geständnis kann allerdings der Strafrahmen nach unten gesetzt werden, da außerdem die Sozialprognose günstig ist. Ich hoffe nur, dass Sie jetzt die Finger von den Drogen lassen.“

Neben der einjährigen Freiheitsstrafe, die für drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt ist, muss der 23-Jährige 1200 Euro an die Einrichtung „Keine Macht den Drogen“ zahlen und sich für die Zeit der Bewährung unregelmäßigen Kontrollen unterziehen. Einen ersten negativen Drogen-Test konnte er vor Gericht bereits vorlegen, nach eigener Auskunft will er „mit diesem Zeug nichts mehr zu tun haben“.

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