Schwierige Kommunikation: Die taubstumme Köchin (Alexander Ronge) und der blinde Butler (Maximilian Geiger). rwg

„Leiche zum Dessert“ ein Kunststück und Lacherfolg

Schwabniederhofen - Das neue Stück „Eine Leiche zum Dessert“ des Theatervereins Treibhaus ist wieder ein Erfolg.

„Hoffentlich haben Sie schon zu Abend gegessen - bei uns geht es nicht so appetitlich zu. Wir servieren hier nämlich eine Leiche“, begrüßte Michael Boos, Vorsitzender des Theatervereins Treibhaus, die Besucher im Schwabniederhofener Kulze zur Premiere von „Eine Leiche zum Dessert“. Es ist das zweite Stück des Theatervereins, und wieder haben sich die 14 Laiendarsteller nach ihrer erfolgreichen Aufführung „Sterben für Laien“ eine amerikanische Filmparodie vorgenommen, die fünf berühmte Kriminalromanhelden und das sie umgebende Genre persifliert. Und die auch aufgrund der Besetzung beinahe schon Kultstatus hat. „Es ist eine Herausforderung, sich an so einen bekannten Film zu wagen“, sagt Carolin Nuscheler, die die Sekretärin Tess Skeffington verkörpert, im Film von Oscarpreisträgerin Eileen Brennan dargestellt.

Die junge Truppe geht mit einer köstlichen Frische und einem unglaublichen Selbstbewusstsein ans Werk und überrascht mit einem hervorragend inszenierten und außergewöhnlich locker gespielten Gesamteindruck. Auffällig ist, dass es keinen Star in dem Ensemble gibt. Jeder einzelne hat „seinen“ Charakter individuell herausgearbeitet, und die Marotten und slapstickhaften Eigenarten der Personen werden konsequent und überzeugend durchgespielt. Natürlich hält man sich beinahe punktgenau an das große filmische Vorbild, und das ist auch ganz gut so, denn eine Interpretation dieser perfekten Filmkomödie wäre doch sehr vermessen. So hat Regisseur Dominik Nierer, der hervorragend den amerikanischen Detektiv Sam Diamond verkörpert, vor allem darauf geachtet, die unglaublich witzigen Dialoge wortwörtlich zu übernehmen, den Schauspielern aber dennoch viel Raum für eigene Gestaltung zu lassen - ein Kunststück, das mehr als gelungen ist.

Und es wird ein Lacherfolg von Anfang an. Da ist der blinde Butler (Maximilian Geiger), mit dem witzigen Namen Jamesir Bensonmum, der in eine völlig unmögliche Kommunikation mit der taubstummen Köchin (Alexander Ronge) treten muss. Da gibt es den schleckermäuligen Detektiv Milo Perrier (Martin Kriwan) und seinen Chauffeur Marcel, die beide einen herrlichen französischen Akzent imitieren. Inspektor Sidney Wang mit seinem Adoptivsohn Willie Wang aus Japan hat natürlich Aussprachprobleme beim „r“, und das Ehepaar Dick (Michael Boos) und Dora Charleston (Eva Kriwan) verkörpern herrlichen Snobismus. Jessica Marbles (Eleyne Wenninger) bringt die Krankenschwester Miss Withers (Miriam Zepf) mit, die paradoxerweise im Rollstuhl sitzt. Und alle zusammen treffen sie dann auf den verrückten Lionel Twain (Marco Lindauer), der die Idee zu dem ganzen Spektakel hatte.

Im Publikum saß an diesem Abend ein Ehrengast der Theatergruppe. Es war Christiane Treib, die ehemalige Schauspiellehrerin der jungen Leute vom Schongauer Welfen-Gymnasium. Sie begeisterte die Exschüler so sehr für das Fach, dass einige von ihnen diesen Theaterverein gründeten und ihrer Lehrerin zu Ehren „Treibhaus“ nannten. Treib hat ihren Schülern neben der Leidenschaft für die Schauspielkunst auch die Liebe zum Detail mitgegeben, die an den Nebenschauplätzen besonders deutlich wird, und genau das ist es, was dieses Laientheater schon auf die Stufe zur Professionalität treten lässt. Das unbedingt sehenswerte Stück wird heute und morgen im Kulturzentrum Schwabniederhofen und am 31. Mai in Herzogsägmühle aufgeführt.

Regina Wahl-Geiger

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Wegen Greta Thunberg: Erwachsene gründen „Parents for Future“-Gruppen - „Jeder muss handeln“ 
Für den Klimaschutz gehen seit Monaten Schüler auf die Straßen. Als „Parents for Future“ unterstützen immer mehr Erwachsene die Demonstranten - nun auch im Landkreis. 
Wegen Greta Thunberg: Erwachsene gründen „Parents for Future“-Gruppen - „Jeder muss handeln“ 
Das neue Programm der VHS Peiting ist da: Was im Frühjahrssemester geboten ist
„Wasser – alles im Fluss“ lautet das große Thema im neuen Programm der Volkshochschule Peiting. Doch auch abseits des Schwerpunkts hat das Frühjahrssemester wieder so …
Das neue Programm der VHS Peiting ist da: Was im Frühjahrssemester geboten ist
Schongau: Posse um Hausnummern
Eigentlich geht es nur um zwei kleine Zahlen: Ein Schongauer Musiklehrer braucht für seine Gewerberäume am Bahnhof einen neuen Stromanbieter. Allerdings haben die beiden …
Schongau: Posse um Hausnummern
Schüler in den Kindergarten? Mutter von drei Kindern geht für Ferienbetreuung in die Offensive
14 Wochen Schulferien pro Jahr stehen sechs Wochen Urlaub pro Elternteil gegenüber. Bestenfalls. Eine junge Schongauer Mutter geht jetzt in die Offensive. Sie findet: …
Schüler in den Kindergarten? Mutter von drei Kindern geht für Ferienbetreuung in die Offensive

Kommentare