Der Aufsichtsrat der Krankenhaus GmbH lud zum Pressegespräch (v.li): Altbürgermeister Michael Asam, Bürgermeister Peter Ostenrieder, Vorsitzende Andrea Jochner-Weiß, Steffi Dietl (Personalrat) und Bürgermeister Peter Erhard.
+
Der Aufsichtsrat der Krankenhaus GmbH lud zum Pressegespräch (v.li): Altbürgermeister Michael Asam, Bürgermeister Peter Ostenrieder, Vorsitzende Andrea Jochner-Weiß, Steffi Dietl (Personalrat) und Bürgermeister Peter Erhard.

Krankenhaus GmbH Weilheim-Schongau

Aufsichtsrat: „Leichtfertige Aussagen“ geradegerückt

  • Elke Robert
    vonElke Robert
    schließen

„Es ist unser höchstes Ziel, das Schongauer Krankenhaus in kommunaler Hand zu behalten.“ Gemeinsam mit Aufsichtsräten der Krankenhaus GmbH betonte Landrätin Andrea Jochner-Weiß, dass keinesfalls geplant sei, die Geburtenstation dauerhaft nach Weilheim zu verlegen. In einem Pressegespräch reagierte man auf Kritik aus dem Schongauer Stadtrat.

Schongau/Peiting – „Es war uns wichtig, so rasch wie möglich auf den Artikel zu reagieren.“ Montagvormittag im Sparkassensaal Peiting. Mitglieder des Krankenhaus-Aufsichtsrates aus dem Schongauer Land und die Aufsichtsratsvorsitzende, Landrätin Andrea Jochner-Weiß, wollen Aussagen, die jüngst in der Schongauer Stadtratssitzung gemacht wurden, gemeinsam entgegentreten.

Stefan Konrad hatte die Befürchtung formuliert, das Schongauer Krankenhaus könne über kurz oder lang privatisiert werden und dann nur noch altenmedizinische Abteilungen offen bleiben. Als Beleg dafür sah er das Schließen von Abteilungen am Schongauer Haus wie die Urologie und ein mögliches Vorhaben, die Geburtenstation dauerhaft nach Weilheim zu verlegen.

Jiri Faltis sieht die notfallmedizinische Versorgung gefährdet

Stadtrat Jiri Faltis sah die notfallmedizinische Versorgung gefährdet. Beide plädierten dafür, am Schongauer Krankenhaus die Grundversorgung der Bevölkerung sicherzustellen, derzeit sei sie gefährdet.

Jochner-Weiß ließ keine Zweifel daran, dass man als GmbH die Zügel nicht aus der Hand geben werde. „Wir wollen das Sagen haben“, so die Landrätin. Beim Thema Geburtenabteilung liege ein Missverständnis vor. Man habe wegen der Corona-bedingten Schließung des Schongauer Krankenhauses tatsächlich überlegt, die Geburtenabteilung an das Weilheimer Klinikum zu verlegen – aber nur kurzfristig für einige Wochen, um den Eltern weiterhin eine Geburt ihrer Kinder im Landkreis zu ermöglichen.

„Wir hätten in Weilheim ja noch die ganze Abteilung“, erinnert Jochner-Weiß an die dortige geschlossene Geburtenstation. In Absprache mit den Hebammen sei man dann aber übereingekommen, dass der Aufwand zu groß sei.

Geburtshilfe, ein „Schmuckkastel“, soll erhalten bleiben

Jochner-Weiß nannte die Schongauer Geburtshilfe „ein Schmuckkastel“, das es zu erhalten gelte, die Mitarbeiter den „großen Schatz“. Peter Ostenrieder, Peitings Bürgermeister und ebenfalls Mitglied im Aufsichtsrat, hob den guten Ruf der Geburtenabteilung hervor, der sich auch in anderen Landkreisen gefestigt habe. „Die Zahlen sprechen klar dafür, dass Schongau eine herausragende Geburtenstation hat, es wäre unverantwortlich, das zu verlegen.“

Michael Asam, stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender, ärgerte sich über „leichtfertige Aussagen ohne fundiertes Wissen“ seitens der Schongauer Stadträte. „Mich stört die Miesmacherei“, so Asam. Gerade bei der Geburtenabteilung sei es im wahrsten Sinne des Wortes eine schwere Geburt gewesen.

Böbings Bürgermeister sieht die Kritik „politisch motiviert“

Böbings Bürgermeister Peter Erhard ging noch einen Schritt weiter. Er sieht die Kritik „in gewisser Weise politisch motiviert“. Die Kritik spiegele in keinster Weise die Arbeit des Aufsichtsrates wider, und wer Fragen habe, könne sich jederzeit melden. „Wir kämpfen dafür, kommunal zu bleiben für unsere Bevölkerung und für unsere Mitarbeiter.“ Gerade die Mitarbeiter hätten auf die im Stadtrat formulierte Sorge, dass man das Haus privatisieren könne, aufgeregt reagiert, berichtet Steffi Dietl, die als Vorsitzende des Gesamtpersonalrats im Aufsichtsrat sitzt. An beiden Häusern gemeinsam arbeiten an die 1200 Mitarbeiter.

Richtig sei zwar, dass man einzelne Abteilungen schließe, wie in Schongau die urologische Belegabteilung. Dies aber nicht mit dem Hintergrund, das ganze Krankenhaus zu schließen, sondern um beide Häuser unterschiedlich auszurichten und damit auch zu erhalten, so Asam. „Es ist wie ein großes virtuelles Krankenhaus mit zwei Standorten“, erklärte es Jochner-Weiß. „Es werden Abteilungen verlagert, bestimmte Tätigkeiten zusammengezogen, das ist aber nichts Geheimes“, betonte auch Ostenrieder. Wie bei Firmen sei es eine strategische Entscheidung, um beide Standorte optimal nutzen zu können mit einer Hauptabteilung und einem gemeinsamen Chefarzt, so Jochner-Weiß. Die Notfallambulanzen würden in beiden Kliniken aufrecht erhalten, in Schongau wurden da gerade zwei Millionen Euro investiert.

Wie berichtet, soll die Geburtenstation in Schongau die erste Abteilung sein, die wieder öffnet. Gemeinsam mit Gesundheitsamt und Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit habe man ein Hygienekonzept entwickelt. Hierzu gibt es am Donnerstag einen weiteren Termin. Jochner-Weiß: „Wir sind alle guter Dinge, dass das zum 1. Dezember klappt.“ Nach und nach sollen bis zum 7. Januar alle weiteren Abteilungen folgen, auf genaue Termine wolle man sich aber nicht festlegen. „Wir kämpfen um jede Woche.“

Und das könnte Sie auch interessieren:

Überall laufen die Vorbereitungen, Impfzentren aufzubauen, auch in Weilheim-Schongau

Auch für das Klinikpersonal ist die Arbeit in diesen Corona-Zeiten sehr belastend.

Auch interessant

Kommentare