Leonhardi-Ritt in Schongau: Lebendiges Bekenntnis zum Brauchtum

Schongau - Stolze Reiterinnen und Reiter hoch zu Ross, prächtig herausgeputzte Pferde und gepflegte Kutschen, goldgelb schimmerndes Laub auf den Bäumen: Einmal mehr bot diese Kombination ein farbenprächtiges Bild beim Leonhardi-Ritt in Schongaus guter Stube. Dazu der Regimentsgruß im musikalischen Doppelpack, von den Strahlen der Sonne bildlich untermalt.

Leonhardiritt in Schongau

Leonhardiritt in Schongau

Hufgeklapper, gemischt mit den Klängen der Weisenbläser der Stadtkapelle Schongau. In langer Reihe warten Reiterinnen und Reiter hoch zu Ross am Pferdebrunnen vor der St. Sebastianskirche. Dazwischen dicht gedrängt die Zuschauer, die sich die besten Plätze frühzeitig ergattert haben.

Von außen nehmen sie am Gottesdienst teil, den Stadtpfarrer Norbert Marxer und Diakon Hans Steinhilber zelebrieren. Teile der Leonhardi-Messe sind dort zu hören. Kutschen und Wagen für die Ehrengäste stehen bereit. Liebevoll sind Blumen, Bänder und Schleifen an Kutschlaternen angebracht, kunstvoll die Mähnen der Pferde geflochten. Echte Traditionspflege, die von Herzen kommt. Kein Kitschgehabe für Touristen, es ist Brauchtum in seiner Ursprungsform.

Pfarrer Marxer spricht vor der Kirche ein letztes Gebet und erinnert, dass diese Veranstaltung kein Schaulauf, sondern eine Prozession ist. „Deshalb geht auch das Kreuz voran“, betont Marxer und überreicht es dem Vorreiter und Kreuzträger Franz Reßle jun. Assistiert wird dieser von Stefan Kassebaum und Thitikorn Pramchuen.

Nicht eingeplant, aber wegen des historischen Datums „25 Jahre Mauerfall“ erwähnenswert. Gerade als sich der Zug in Bewegung setzen will, ertönt vom gegenüber liegenden Balkon die deutsche Nationalhymne. Die Schongauer Stadtkapelle grüßt mit dem Marsch „Golden Bridge“ zurück und führt die Prozession an. Die Mauer überwunden, Brücken geschlagen. Ein prachtvolles Bild mit klangvollen Märschen. Auffallend dabei: Dirigent Marcus Graf mit Trompete in der Formation, die Jungmusiker Leonhard Seelig und Anton Mader bewähren sich als Schrittmacher an vorderster Front.

Im Landauer von Franz Ressle aus Forst haben die Ehrengäste Platz genommen. Kutscher Clement Kölbl und Florian Igl regieren auf dem Kutschbock. Dahinter Premiere für Bürgermeister Falk Sluyterman. Er sitzt neben Stadtpfarrer Marxer, Hartl Schwarz und Fritz Lutzenberger sind die gesprächsbereiten Gegenüber. Sie lieben es gemütlich.

Eine Nummer sportlicher dahinter der Diakon. Er sitzt hoch zu Ross, hat hier die Zügel fest im Griff. Und dazu charmante Gesprächspartnerinnen obendrauf. Anna, Regina und Johanna Reßle flankieren ihn. Vater und Organisator Franz Reßle, sichtbar stolz auf seine Töchter. Das erste Mal in Schongau mit dabei ist Michael Strauß aus Deutenried. Er kutschiert mit seiner Wagonette die Ministranten. Bemerkenswert der Blumenschmuck, den Ehefrau Monika an den Laternen angebracht hat. Sohn Michael jun. stellt den Braxer, Sohn Hias schiebt daneben den Kinderwagen. Für Leonhardi-Nachwuchs ist also gesorgt. Noch eine Premiere. Eine tolle Geste ohnehin. Historisch. Ein musikalisches Kompliment für Organisator Franz Reßle. Aus der dritten Kutsche ist der Regimentsgruß zu hören. Die Trachten- und Knappschaftskapelle aus Peiting lässt grüßen. Mit Pauken und Trompeten. Der Kastenwagen wurde extra angefertigt. Respekt. Hier hat Elisabeth Gruber die Zügel in der Hand, Martin Schelle ihr Braxer.

Reinhard Bair aus Tannenberg hat eine wahrlich kostbare Fracht. Bei ihm fühlen sich die Trachtenfrauen sichtlich wohl. Die reiferen Damen tragen den Schalk, die Jugend in Festtagstracht hat diesen sprichwörtlich im Nacken. Sicherlich eine Auswirkung auf Reginas flüssige Wegzehrung. Allheilmedizin, im Körbchen immer dabei. Auch der Bürgermeister lässt sich verführen.

Bedingt durch die Baustelle am Marienplatz segnet Pfarrer Marxer Ross und Reiter vor dem Rathaus. Dort hatten sich auch die vielen Zuschauer eingefunden, die mit Beifall nicht sparten. Die Kommentare ausgesprochen positiv, großes Lob allseits. Und auch ein Gedenken an den im Januar verstorbenen Josef Reßle, der 1979 diesen Leonhardiritt mit vier Pferden begann. Nach dem Umritt, der auf dem Bürgermeister Schaegger-Platz endete, war gemütliches Beisammensein mit Brotzeit angesagt. Sehr zur Freude der Fotografen, die eifrig auf Motivsuche waren.

hh

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