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Genau nach Plan schieben die Tontechniker in der Gesamtprobe die Regler auf und zu.

Freilichttheater Steingaden

Letzte Vorbereitungen für „Die Anstifter“

„Die Anstifter“ sind auf der Zielgeraden: Wenn am Samstag im Fohlenhof die Theaterlichter angehen, erwartet die Zuschauer eine ungewöhnliche Zeitreise im Sinne des Heiligen Norbert.

SteingadenWer bekommt wie lange welches Mikro und tauscht es wann mit wem? Regisseur Karl Müller-Hindelang ist die Anspannung in den letzten Tagen vor der Premiere deutlich anzumerken. Bei der Gesamtprobe am Montag stehen die Darsteller im zugigen Tor des alten Gemäuers, durch das trotz des großen schwarzen Vorhangs der Wind pfeift. Manche haben über ihre Gewandung einen dünnen, durchsichtigen Plastikschutz gezogen, denn der wolkenverhangene Himmel garantiert für die nächsten drei Stunden Dauerberieselung.

Der Regisseur, der mit „Die Anstifter“ in Steingaden mittlerweile das dritte Freilichttheater inszeniert, hat in den vergangenen Tagen den Mikroplan erstellt und zusammen mit dem Lichtdesigner dafür gesorgt, dass die Beleuchtung stimmt: „Wir spielen alles einmal komplett durch, danach sprechen wir darüber“. Unter einem überdachten Seitengang erklingen wenig später die Instrumente der 30 Musiker – das Spiel beginnt. Ganz oben auf der Zuschauertribüne steht die Hütte der beiden Licht-und Tontechniker. Während sie nach Plan die Regler auf und zuschieben, hat sich der Zweite Regisseur Christian Schönfelder einen der grünen Plastiksitze einigermaßen trocken gewischt und unter einem großen schwarzen Schirm Platz genommen, um von dort aus das Geschehen zu beobachten.

Die beiden Regisseure Christian Schönfelder (li.) und Karl Müller-Hindelang

Seit langem sind die beiden Regisseure befreundet, Schönfelder war bei den vergangenen Aufführungen Co-Regisseur, jetzt sind beide gleichberechtigt. Nicht zuletzt auch deshalb, weil sie beide das Stück geschrieben haben. „Das erspart die Zeit der Textaneignung“, sagt Schönfelder.

Die Geschichte um den Heiligen Norbert ist ein komplett neues Werk, weder kopiert, noch angelehnt an ein anderes Theaterstück. „Den Hut hat aber Karl Müller-Hindelang auf“, scherzt Schönfelder, und das sprichwörtlich. In roter Outdoorjacke und mit obligatorischem Trachtenhut überwacht dieser Mensch und Reiterei, Licht und Ton, Einsätze und Tempo, macht sich dabei immer wieder Notizen. Die beiden Regisseure haben sich die Bereiche etwas aufgeteilt. Karl Müller-Hindelang ist im Wesentlichen für den historischen Teil und den technischen Ablauf zuständig, Schönfelder für weitere Szenen, Theaterpädagogik und das Einfühlen in die Rollen.

Mittlerweile ist es dunkel geworden. Pause nach den ersten zwei Akten. „Dass mir jetzt keiner in die Räume geht, sonst seid ihr nachher platt“, ruft Müller-Hindelang und verlangt ihnen damit schon etwas Disziplin ab, denn der Regen hat zwischendurch nur kurz aufgehört.

Der dritte und vierte Akt steht an. Die Beleuchtung verwandelt einige Minuten später die graue Kulisse in immer neue Farben, schafft dadurch neue Szenerien und Gegenden, gepaart mit Musik und Gesang. Kurz vor Mitternacht ist es geschafft. In feuchtklammen Klamotten schart Müller-Hindelang die Darsteller um sich. Er zeigt sich erleichtert, dass die technischen Abläufe funktionieren. In den nächsten Tagen, die mit weiteren Proben und Besprechungen gespickt sind, sollen sich die Schauspieler noch einmal auf die Charaktere, die sie darstellen, konzentrieren, wünscht sich der Regisseur – damit es am Samstag zur Premiere eine „Punktlandung“ gibt.

Myrjam C. Trunk

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