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Der Hausherr blieb gelassen: „Ich koche seit 45 Jahren und weiß, was ich kann“, sagte Wolfgang Kaulen (2.v.l.), der mit den RTL II-Kochprofis (v.l.) Frank Oehler, Ole Plogstedt und Andreas Schweiger in der Küche werkelte.

Bilder vom Dreh

RTL II-Kochprofis: So bewerten sie den Lindenhof

Steingaden -  Die Kochprofis von RTL II haben nach drei Tagen im Steingadener Landgasthof Lindenhof ein positives Urteil abgegeben. „Wir hatten kein Problem mit schlechter Küche“, sagte Ole Plogstedt. Woanders habe es gehakt.

Susanne Nägele starrt etwas ratlos auf ihren Teller. Eben hat die 42-Jährige die Hauptspeise serviert bekommen, rosa gebratenen Rücken vom Allgäuer Weiderind mit Kümmel-Speck-Jus, Spätzle mit Brezenschmelze und Meerrettich-Kohlrabi. Doch obendrauf liegt ein grünes Irgendwas. „Schaut aus wie Ostergras“, meint Tischnachbarin Bianca Wendlik (42) skeptisch. Eine vorbeieilende Bedienung wird gefragt, die zuckt nur mit den Achseln („das habe ich mich auch schon gefragt“), holte sich aber aus der Küche prompt die Antwort: Kohlrabiblätter. „Und das kann man essen?“, fragt Nägele, bevor sie probiert. „Auf so etwas muss man erst einmal kommen“, sagt Marcus Wendlik lachend.

Susanne und Annalisa Nägele (v.l.) aus Schongau sowie die Steingadener Marcus und Bianca Wendlik ließen sich das Abschlussessen schmecken – in diesem Fall Kürbissuppe mit Steinchampignons und Räucherforellen-Crostini.

Es gab so einige Überraschungen an diesem Abend. Die erste war für viele negativ, weil sie trotz Zusage keinen Platz bekommen hatten (siehe Bericht unten). Absolut positiv dagegen war das Essen. Die heiße Phase läuft bereits am Nachmittag an, in der Küche herrscht Hochbetrieb. Die Zauberer an den Töpfen und Pfannen hantieren. Es wird geschnipselt, geschnitten, geklopft. Verantwortlich dafür sind Frank, Ole und Andi. Die Stars der Sendung. Frank Oehler, Ole Plogstedt und Andreas Schweiger, ein eingespieltes Trio. Die Wortfetzen zwischen ihnen sind für den Laien nur schwer verständlich. Da muss man schon genau nachfragen, was die Jungs da tun. Frank schneidet die roten Paprikaschoten für der Tartar mit der Räucherforelle. Daneben salzt Ole das Fleisch. Wobei er nicht einfach salzt, er streut die Körner tänzelnd auf. Ein Künstler eben.

„Wer hat eine Taucherbrille?“ Ein Hilferuf vom Arbeitsplatz daneben. Andi schneidet Zwiebeln. Berge davon. Die müssen scharf sein, sauscharf. Die glasigen Augen lassen dies erkennen. Nicht so bei Stammkoch Wolfgang Kaulen. „Er macht seine Sache prima“, bestätigt Frank. Immer wieder muss er für Kamerafrau Eva Gühne einen O-Ton abgeben. Damit sie beim Filmschnitt im Studio genügend „Fleisch“ zur Verfügung hat. Das richtige brutzelt derzeit in der Pfanne.

Im Saal ist der Hauptgang bereits verspeist, nicht jeder hat die üppige Portion geschafft. Chefin Silvia Hübner marschiert im roten „Hippie-Dirndl“, wie sie es nennt, begleitet von der Kamera von Tisch zu Tisch. „Wir hatten viel Stress, noch einen Tag würde ich nervlich nicht schaffen“, sagt sie, freute sich aber, dass sie viel Lob bekommen haben. Sie sei stolz auf ihren Koch. „Wir werden Gas geben, damit es öfter so voll wird wie heute.“

Lindenhof: RTL II-Kochprofis krempeln Landgasthof um

Im Frühjahr hat sich Silvia Hübner bei den Kochprofis von RTL II beworben. Jetzt wurde drei Tage lang auf ihrem Landgasthof Lindenhof in Steingaden gedreht. Beim Abschlussabend am Donnerstag konnte das Küchenteam zeigen, was es gelernt hat.
Im Frühjahr hat sich Silvia Hübner bei den Kochprofis von RTL II beworben. Jetzt wurde drei Tage lang auf ihrem Landgasthof Lindenhof in Steingaden gedreht. Beim Abschlussabend am Donnerstag konnte das Küchenteam zeigen, was es gelernt hat.
Im Frühjahr hat sich Silvia Hübner bei den Kochprofis von RTL II beworben. Jetzt wurde drei Tage lang auf ihrem Landgasthof Lindenhof in Steingaden gedreht. Beim Abschlussabend am Donnerstag konnte das Küchenteam zeigen, was es gelernt hat.
Im Frühjahr hat sich Silvia Hübner bei den Kochprofis von RTL II beworben. Jetzt wurde drei Tage lang auf ihrem Landgasthof Lindenhof in Steingaden gedreht. Beim Abschlussabend am Donnerstag konnte das Küchenteam zeigen, was es gelernt hat.
Lindenhof: RTL II-Kochprofis krempeln Landgasthof um

Voll ist auch der Nachspeisenteller. Marcus Wendlik schnappt erst einmal nach Luft, als er das heiße Apfelküchle zu schnell vertilgt, während die Tischnachbarn das Sauerrahm-Vanilleparfait und die Whiskeysahne genießen. „Cool“, „stark“, „whoaa“ sind die Kommentare. „Morgen fällt das Frühstück aus“, sagt Bianca Wendlik erfreut stöhnend. Susanne Nägele wird noch gefilmt und erzählt das, was die RTL II-Macher gerne hören: Dass sie sich vorstellen kann, öfter wiederzukommen, wenn das Essen so ist wie an diesem Abend. Aber es ist ehrlich gemeint.

Am Schluss kommen Promiköche und Belegschaft umjubelt in den Saal (für die Kamera gleich zweimal hintereinander). „Es war ein sympathisches Chaos hier, aber wir haben es auf einen guten Weg gebracht“, sagte Oehler. Auch Schweiger hoffte, dass es weiter in die richtige Richtung geht, „und dazu braucht es Gäste wie euch“. Nur 30 Prozent der in zehn Jahren besuchten Gaststätten hätten überlebt, was nach wenig klingt, aber daran liegt, dass den meisten nicht zu helfen war. Beim Lindenhof habe man nur an Stellschrauben drehen müssen, deshalb habe man große Hoffnung, dass es klappt. Mit einem „Es lebe das Allgäu“ verabschiedete Oehler sich von den Gästen – als gebürtiger Unterallgäuer müsste er es eigentlich besser wissen. Den Gästen war’s egal, es gab tosenden Beifall. Gezeigt wird der Beitrag vermutlich im November.

Riesiger Ansturm: Lindenhof-Chefin Silvia Hübner mit der Los-Schale am Eingang.

Ärger und Wut, Beschwerdeanrufe und -briefe bei den Schongauer Nachrichten – nicht alle haben sich am Donnerstagabend über die RTL II-Kochprofis im Steingadener Landgasthof Lindenhof gefreut. Denn das Interesse am Abschlussessen und den Promiköchen, die man sonst nur im Fernsehen sieht, war riesengroß – laut Chefin Slivia Hübner gab es fast 600 Anfragen. „So viele hatten wir noch nie“, sagte Aufnahmeleiter Gorden Wüst. Dabei war klar, dass es im Lindenhof für das Abschlussessen der 300. Jubiläumsfolge nur 50 Plätze gibt. Viele dachten, mit ihrem Anruf vergangene Woche sind sie fix dabei, zumal es eine Rückruf-Bestätigung geben sollte. Doch das war bei so vielen Anfragen nicht zu machen. Deshalb erfuhren nur rund 150 Interessenten, die zum Teil zufällig im Vorfeld noch einmal angerufen hatten, dass sie nicht erst um 18.30 Uhr, sondern schon gegen 17 Uhr vor Ort sein mussten. Dort wurden dann Plätze verlost: Von den 25 Gewinnern durfte jeder eine Begleitperson mitnehmen. Der Rest musste entweder frustriert den Heimweg antreten oder hatte draußen im Zelt Spaß, wo es bei Grillfleisch, Bier und Musik auch viel Spaß gab – aber eben kein kostenloses Kochprofi-Menü.

Das führte zu kuriosen Szenen. So war die Steingadenerin Alexandra Ernst (22) mit sechs Bekannten gekommen, doch nur sie hatte Glück – und nahm ihre gleichaltrige Freundin Elisabeth Fahrny mit, die extra aus Günzach angereist war. Der Rest musste draußen bleiben. Auch die Schongauerin Susanne Nägele (42) ergatterte mit Tochter Annalisa (16) einen Platz und musste sich von ihren Begleitern trennen. „Wir hatten schon Essensmarken gekauft fürs Grillen und mussten die wieder loswerden“, sagte Nägele. Perfekt lief es dagegen bei Marcus und Bianca Wendlik: Für ihn, ein Fan der Kochprofis, sollte es ein nachträgliches Geschenk zum kürzlichen 40. Geburtstag werden. „Ich hätte nie gedacht, dass es klappt. Aber er hat das richtige Los gezogen“, freute sie sich.

Boris Forstner und Hans-Helmut Herold

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