Zeigte dem Publikum seine Tricks: Marcellini (Mitte) auf der Kleinkunstbühne im Schongauer Brauhaus. foto: ós

Magier Marcellini lässt Alltag vergessen

Schongau - Ein Zauberer, der seinen Trick bis ins kleineste Detail erklärt und trotzdem für Verblüffung sorgt: Dafür ist Magier Marcellini bekannt.

Ganz langsam und genau zeigt der Mann auf der Bühne, wie sein Trick funktioniert, er hat sich sogar Hilfe aus dem Publikum geholt. Zuerst müsse man das Papier zerreißen, erklärt er seinem Assistenten. Dann das Publikum mit der Fingerpuppe aus der Hosentasche ablenken und derweil die Papierfetzen durch das zusammengeknüllte ganze Stück ersetzen. Soweit so gut, doch was ist ein Zaubertrick, wenn man ihn erklärt? Sein Assistent müht sich redlich, doch die Fingerfertigkeit von Marcelini hat er nicht. Weshalb der Zaubertrick dann doch etwas anders funktioniert als das Publikum erwartet hatte. Denn auf einmal hat Marcus Geuss, wie Magier Marcelini mit bürgerlichem Namen heißt, die zerrissenen Schnipsel in der Hand, die eben noch sein Assistent hielt.

Das ist nur einer der Tricks, vielmehr müsste man sagen, eine der Illusionen, mit denen der Künstler des Jahres 2014 sein Publikum verblüfft. Das Publikum sitzt dann auch mehr oder weniger beeindruckt da und klatscht, wenn Geuss‘ Finger wieder einmal schneller sind als die eigenen Augen. „Wahnsinn“ entfährt es einer Dame nicht nur einmal.

Im vollkommenen Kontrast dazu steht Marcelinis Partner Oskar auf der Bühne. Oskar ist Vierbeiner, hat seine eigene Hundehütte dabei und betrachtet Herrchen Marcelini als notwendiges Übel. Vor allem beim Gassi gehen, wo man doch so tolle Hundedamen treffen könnte. Dass Oskar ein Teil von Marcus Geuss ist, merkt man der Handpuppe nicht an. Sie hat ihren eigenen Kopf und quatscht ihrem Herrchen auch mal dazwischen, wenn dieser wieder auf der Leitung steht oder, aus der Sicht Bellos, Blödsinn redet.

Das kann übrigens nicht nur Oskar, sondern auch Marcelinis neuester Star, Edna van de Flitterglitter, nach eigenem Bekunden der Travestie-Star aus Amsterdam. Mit einem ziemlich losen Mundwerk plappert sie über Liebe und Triebe und nimmt so gar kein Blatt vor den Mund. Aber wie meinte Marcelini am Anfang: „Andernorts gehen Sie zum Lachen in den Keller. Im Brauhaus in den ersten Stock.“

Marion Albrecht hat den Gast aus Oberfranken schon zum zweiten Mal eingeladen, damals war er nur in Landsberg, diesmal will er auch das Schongauer Publikum verzaubern. Das ist es auch, worauf es dem Illusionisten mit dem bauchrednerischen Talent und den flinken Fingern ankommt - verzaubern, die Menschen vom Alltag etwas ablenken.

Das gelingt ihm auch mit dem finalen Trick, als Marcellini fast ein Dutzend Weinflachen aus zwei Röhren zaubert und mit jeder einzelnen sich ein Gläschen Wein einschenkt. Danach muss einfach Schluss sein, denn Marcus Geuss trinkt nicht nur farbiges Wasser, sondern ein süffiges Tröpfchen, was man seiner Zunge anmerkt - sofern das nicht auch eine Illusion ist.

Oliver Sommer

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