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Die Häuser von Dr. Richard Merkle am Marienplatz sind verkauft – an die ICB-Immobilien, einen Bauträger aus dem Baden-Württembergischen Herrenberg. 

Marienplatz Schongau

ICB Immobilien GmbH hat die Merkle-Häuser am Schongauer Marienplatz gekauft

Schongau - Das Geheimnis ist gelüftet: ICB Immobilien GmbH heißt der neue Besitzer der Häuser von Dr. Richard Merkle am Schongauer Marienplatz. ICB-Geschäftsführer Gerd Böckle hofft, noch dieses Jahr mit den umfangreichen Umbaumaßnahmen beginnen zu können.

Im tiefsten Baden-Württemberg, ungefähr zwischen Stuttgart und Tübingen, liegt Herrenberg, die Heimat der ICB Immobilien Consulting GmbH, wie sie offiziell heißt. „Wir sind ein mittelständischer Bauträger, ganz klassisch, und machen das seit 30 Jahren“, sagt Geschäftsführer Gerd Böckle. Bauen, Vermitteln, Verwalten, so steht es auch zentral auf der Homepage, dazu sanieren und neu bauen. Doch was treibt eine Firma aus Herrenberg, im Luftlinie 173 Kilometer entfernten Schongau für mehr als eine Million Euro zwei stark sanierungsbedürftige Häuser zu kaufen, die – mit Ausnahme der Geschäfte im Erdgeschoss – seit Jahren zum großen Teil leerstehen?

Genau diese Herausforderung ist es, die Böckle reizt: „Mich hat die zentrale Lage angesprochen, die Häuser sind ja mitten im Zentrum, und auch der Denkmalschutz. Da haben wir schon viel saniert, zum Beispiel ein altes Kloster und ein Krankenhaus umgebaut“, sagt Böckle.

ICB-Geschäftsführer Gerd Böckle.

Trotzdem wäre die ICB vermutlich nie auf das Schongauer Projekt aufmerksam geworden, wenn sie nicht seit mehr als einem Jahr in Bad Kohlgrub aktiv wäre. Dort baut sie das ehemalige Hotel Maximilian, das zuvor zwei Jahre leerstand, in ein Haus mit 24 Wohnungen um. „Das läuft super dort, das Team arbeitet sehr gut zusammen“, sagt Böckle. „Deshalb haben wir in der Region ein weiteres Projekt gesucht, das wir mit dieser Mannschaft angehen können, wenn das Kohlgruber Projekt im Herbst fertig wird.“ Und beim Durchforsten der Angebote stieß Böckle auf die Häuser von Merkle, die der über die Kreissparkasse für 1,4 Millionen Euro angeboten hatte.

Erst im Dezember gab es die ersten Gespräche, das ist nicht viel Zeit für so ein großes Projekt. „Wenn wir uns für etwas entscheiden, setzen wir es schnell um“, sagt Böckle dazu. Er habe sich die Häuser selbst angeschaut, die Bausubstanz geprüft und geschaut, ob abgesehen von den Folgen des langen Leerstands alles in Ordnung ist. Sein Urteil: „Es ist eine Herausforderung, weil alles raus muss und die Sanierung mit Sicherheit so teuer wird wie ein Neubau.“ Aber Böckle sieht viel Potenzial.

Natürlich hat er das Thema Fußgängerzone mitbekommen – Merkle hatte mit seiner Ankündigung, einen großen Textil-Markt dort unterzubringen, die Pläne dafür erst ins Rollen gebracht. „Es soll wohl eine Anfrage von H&M geben. Wie ernsthaft das ist, weiß ich nicht. Aber ich werde sicher versuchen, mit denen Kontakt aufzunehmen.“ Mit H&M habe er keine Erfahrung, gibt Böckle offen zu – er wisse nur, dass so ein Mode-Gigant hohe Anforderungen stelle. „Die brauchen sicher 2000 Quadratmeter, das ist schon eine Menge.“ Ob das überhaupt machbar ist, werde man sehen.

Ansonsten ist Böckle noch offen für alles. Unten werde es sicher Geschäfte geben, oben Wohnungen, doch für genauere Aussagen sei es noch zu früh. Zumindest muss die ICB nicht bei Null anfangen, weil Merkle schon einige Vorarbeiten geleistet hat. „Ich werde auch bald einen Termin mit dem Bauamt machen, um zu sehen, was möglich ist, bevor wir in die Detailplanung gehen“, kündigt Böckle an. In drei bis vier Monaten, schätzt er, könnte dann der Bauantrag gestellt werden, Ende des Jahres der Umbau beginnen.

Schongaus Bürgermeister Falk Sluyterman (SPD) ist zufrieden mit dem neuen Käufer. „Ich gehe davon aus, dass sich die Firma mit der Entwicklung solcher Gebäude auskennt.“ Er habe bereits mit Kohlgrubs Bürgermeister gesprochen und sich sagen lassen, dass ICB beim Umbau des ehemaligen Hotels gute Arbeit leiste. Kurioserweise habe es in den vergangenen Tagen sogar noch zwei weitere Interessenten gegeben, einer saß sogar bei ihm im Bürgermeisterzimmer. „Der war ganz enttäuscht, dass er nicht mehr zum Zug kommt. Für ihn war übrigens absolut ausschlaggebend, dass eine Fußgängerzone kommt“, so Sluyterman. Das bestätige ihn erneut in der Entscheidung, auch im Sinne der Geschäftswelt die richtige Entscheidung getroffen zu haben.

Boris Forstner

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