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Im nördlichen Bereich von Herzogsägmühle soll Bauen auch für Auswärtige möglich sein.

Marktgemeinderat Peiting

In Herzogsägmühle darf jetzt jeder bauen

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Peiting/Herzogsägmühle - Das eröffnet tatsächlich ganz neue Perspektiven: Erstmals darf jedermann in Herzogsägmühle ein Häuschen bauen. Geöffnet wird das sonst streng reglementierte Baurecht im Diakoniedorf für den Bereich „Roter Berg“. 

Einmal mehr fällt der Gemeinderat in Peiting in diesem Jahr eine laut Bürgermeister Michael Asam „historische“ Entscheidung. Tatsächlich ist es ein einstimmiges „Ja“, das für die gesamte Entwicklung des Diakoniedorfs Herzogsägmühle von Tragweite sein dürfte: Für das Baugebiet „Roter Berg“ fällt der Zusatz „S“ – das steht für Sondergebiet für soziale Zwecke. Will heißen: Hier darf künftig jeder bauen. Auch Auswärtige. Ein Bezug zum Diakoniedorf muss damit nicht mehr Voraussetzung sein.

Bisher hatte das „S“ jeden Bebauungsplan von Herzogsägmühle beherrscht. Nur Bauprojekte mit direktem Bezug zur sozialen Einrichtung konnten so verwirklicht werden. Die Entscheidung des Gemeinderats am Dienstagabend öffnet quasi Tor und Tür. Für etwas, das Herzogsägmühle ganz sicher nicht schadet. Im Gegenteil. Künftig kann hier jeder ein eigenes Zuhause schaffen, der sich hier wohlfühlt. So wie an jedem anderen Ort der Welt eben auch.

„Die Zeit ist gekommen“, verkündete Peitings Bürgermeister Michael Asam in der öffentlichen Sitzung am Dienstagabend. Ein vielversprechender Auftakt für die Herzogsägmühler Führungsriege, die das Ganze von den Zuschauerreihen aus beobachtete.

Das viel bemühte Thema Inklusion brachte Asam dann auf den Tisch. Was da hieße: Nicht nur Menschen mit Nachteilen integrieren. Sondern sich öffnen für alle. Auch die ohne Nachteile. Das Beispiel Herzogsägmühle könnte künftig zeigen, „wie miteinander nicht nur gelebt, sondern auch gewohnt werden kann.“

In Herzogsägmühle betreut sein, in Herzogsägmühle arbeiten, in Herzogsägmühle leben – künftig auch im Eigenheim am „Roten Berg“: Ob es für die Bau-Variante im Diakoniedorf einen Bedarf gibt, das kann zu diesem Zeitpunkt noch keiner sagen. Nicht einmal Herzogsägmühle-Direktor Wilfried Knorr selbst. Er verspricht jedoch noch in der Sitzung, zu einer Wortmeldung aufgefordert: „Auch Familien, die nicht finanzkräftig sind, können bei uns günstig bauen.“ Möglich macht’s die Erbpacht. Denn: Wer am „Roten Berg“ baut, der muss den Grund und Boden nicht kaufen, sondern nur langfristig pachten – das Land gehört der Inneren Mission München.

Das Pacht-und-Bau-Prinzip gilt übrigens nur für den Bereich am „Roten Berg“ unterhalb des Bestands. In der Verlängerung des Sportgeländes soll es nämlich Sozialen Wohnungsbau geben. Und damit hat man es in Peiting ziemlich eilig. Das soll „rasch“ von Statten gehen, so Bürgermeister Asam. „Das soll vorhandene Löcher stopfen.“

Das Öffnen des Bebauungsplans ist ein Projekt mit Grenzen. Es gilt nur für den „Roten Berg“. Vorab. In fünf Jahren wollen Herzogsägmühle-Führung und Gemeinde die Sache mit Angebot/Nachfrage nochmal gemeinsam anschauen und entscheiden, ob das Einschlagen dieses neuen Weges auch für andere Gebiete im Diakoniedorf Sinn machen könnte.

Übrigens: Öffentlichen Diskussionsbedarf hat es zu diesem Thema nicht gegeben – einmal mehr war der Tagesordnungspunkt bereits im Vorfeld mit den Fraktionsvorsitzenden und dann vor der Sitzung in den Fraktionen ausführlich vorbesprochen worden.

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