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„Wichtiger Schritt zum Erhalt der Festkultur“: Max Bertl mit dem Leitfaden für Vereinsfeiern.

Das aktuelle Interview mit Max Bertl

44 000 Kilometer für Bayerns Trachtler

Seit 2011 führt der Wildsteiger Max Bertl den Bayerischen Trachtenverband. Ende September bestätigten ihn 163 Delegierte aus 22 Gauverbänden für drei weitere Jahre im Amt. Wir sprachen mit dem 71-Jährigen über seine Wiederwahl, lange Autofahrten und warum es sich lohnt, einen heißen Draht in Bayerns Machtzentrale zu haben.

Vor sechs Jahren bei Ihrer ersten Wahl hatten Sie ein traumhaftes Ergebnis. Alle Delegierten stimmten für Sie. Ganz so gut lief es heuer nicht.

Max Bertl: Stimmt (lacht). Diesmal gab es drei Enthaltungen. Bei der letzten Wahl vor drei Jahren waren es noch zwei gewesen. Aber einen Trend würde ich daraus nicht ableiten wollen.

Eher lässt sich ablesen: Das Vertrauen in Sie ist nach wie vor ungebrochen. Allerdings hatten die Delegierten auch keine Wahl. Denn einen Gegenkandidaten gab es nicht.

Max Bertl: Ja, es war keiner da, der mich beerben wollte. Aber das war schon vorher klar.

Wann haben Sie sich entschieden, noch einmal anzutreten?

Max Bertl: Im Frühjahr kommen immer alle Gauvorstände im Landesausschuss zusammen. Die wollten natürlich frühzeitig wissen, wer vom bisherigen Vorstand bei der Wahl im September wieder antritt. Daher ist mein Entschluss schon vor dieser Sitzung gefallen.

Sie sind mittlerweile 71 Jahre alt. In den vergangenen Jahren waren Sie sehr viel unterwegs. Was hat Ihre Frau dazu gesagt, dass Sie weitermachen wollen?

Max Bertl: (lacht) Da muss ich gleich sagen, dass man so ein Amt nur ausüben kann, wenn die Frau dahintersteht. Anders wäre es gar nicht machbar. Meine Frau Annemarie hat volles Verständnis für mein Engagement, auch wenn sie manchmal sagt, dass ich mehr eingespannt bin als zu Zimmerei-Zeiten. Aber das kommt zum Glück nicht so oft vor.

Was mögen Sie besonders an Ihrem Amt?

Max Bertl: Wenn ich die verschiedenen Feste besuche und sehe, dass dort alle gut aufgelegt sind, das gibt einfach ein gutes Gefühl. Da kann ich lange von zehren. Gerade in der heutigen schnelllebigen Zeit sind solche Rückzugsorte, an denen man geerdet wird, wichtiger denn je.

Und worauf könnten Sie verzichten?

Max Bertl: Ein paar Termine weniger, das wäre nicht schlecht. Aber als Belastung empfinde ich meinen vollen Terminkalender nicht. Wäre dem so, dann würde ich sofort aufhören.

Wissen Sie, wie viele Kilometer Sie in den vergangenen Jahren für den Trachtenverband auf den Straßen abgespult haben?

Max Bertl: Letztes und vorletztes Jahr bin ich im Rahmen meines Amts jeweils rund 44 000 Kilometer gefahren. Ich habe mal spaßeshalber ausgerechnet, dass ich pro Jahr 480 Stunden im Auto sitze. Das entspricht bei einer 40-Stunden-Woche der Arbeitszeit von drei Monaten. Aber Bayern ist nun mal sehr groß. Da kommt eben schnell einiges an Strecke zusammen.

Sechs Jahre sind eine lange Zeit. Was sind die wichtigsten Meilensteine, die Sie in Ihrer bisherigen Amtszeit erreicht haben?

Max Bertl: Ganz oben steht natürlich die Fertigstellung unseres Trachtenkulturzentrums in Holzhausen im Landkreis Landshut. Bei dem Projekt, das schon 2005 begonnen wurde, kam es immer wieder zu Verzögerungen. Eingeweiht haben wir es schließlich 2015.

Damit war es aber nicht getan.

Max Bertl: Stimmt. Eine Trachtenkulturzentrum für sieben Millionen Euro bauen ist das eine, es mit Leben zu füllen das andere. Da muss sich einfach was rühren. Der Anfang ist uns, denk’ ich, ganz gut gelungen. das Jugendbildungshaus mit Seminarräumen wird sehr gut angenommen. Wir haben Firmenfeiern und Hochzeiten, als nächstes steht der zweite Adventsmarkt vor der Tür.

Mit dem Neubau sind auch die Strukturen professioneller geworden.

Max Bertl: Ja, wir haben jetzt nicht nur eine Geschäftsstelle, sondern auch einen Geschäftsführer. Für uns ist das ein wichtiger Schritt gewesen. Einen Verband, in dem 165 000 Erwachsene und mehr als 100 000 Jugendliche und Kinder organisiert sind, führt man nicht vom Küchentisch. Es braucht Professionalität, um auch in der Öffentlichkeit wahrgenommen zu werden.

Stichwort Öffentlichkeit: In der standen Sie und die bayerischen Trachtler ganz besonders beim G7-Gipfel.

Max Bertl: Das war tatsächlich ein Erlebnis, an das ich gern zurückdenke. Wann darf man sieben Staatschefs am Flughafen begrüßen und Barrack Obama die Hand schütteln?

Überhaupt scheint Ihr Draht zu Entscheidungsträgern und speziell zur Staatsregierung ziemlich heiß zu sein.

Max Bertl: Die Verbindung ist in der Tat nicht schlecht (lacht). Man muss heutzutage überall vernetzt sein, um etwas zu erreichen. Das geht nicht von jetzt auf gleich. Da kommt mir zugute, dass ich schon so lange im Geschäft bin. Ich nutze die Gelegenheit bei solchen Gesprächen auch immer, um den Politikern zu verdeutlichen, welche wertvolle Arbeit unsere Vereine leisten.

Das klingt ein wenig nach Lobbyarbeit.

Max Bertl: Wenn Sie das so bezeichnen wollen. Fakt ist doch, dass gerade vor Wahlen jeder Politiker gerne auf die Gau- und Trachtenfeste geht. Das gibt tolle Bilder, alle sind glücklich, es herrscht eine gute Stimmung. Aber dabei wird oft vergessen, welche immense Arbeit dahintersteckt. Das muss man den Leuten klarmachen. Oft wird als selbstverständlich hingenommen, was Trachtenvereine mit der Pflege des Brauchtums für die Gesellschaft leisten.

Geholfen hat Ihr guter Kontakt ins bayerische Machtzentrum in diesem Jahr schon bei einem wichtigen Projekt.

Max Bertl: Das ist richtig. Der „Leitfaden für Vereinsfeiern“, für den wir mit der Staatskanzlei zusammengearbeitet haben, ist ein sehr wichtiger Schritt, um die bayerische Festkultur auch in Zukunft zu erhalten. Dazu gehört auch das Sorgentelefon (089/1222212, Anm. d. Red.), wo Ehrenamtliche ihre Probleme bei der Organisation von Festen direkt in der Staatskanzlei melden können.

Als oberster Trachtler haben Sie rund 800 Vereine unter sich. Da kann nicht immer alles Eitel Sonnenschein sein. Wo sind Sie besonders gefordert?

Max Bertl: Natürlich haben wir Vereine, die sich schwer tun, sei es wegen ihrer Struktur oder ihres Umfelds. Da müssen wir sehen, wie wir helfen können. Ein Problem, das viele betrifft, ist die Sorge um den Nachwuchs. Kinder haben heute ein viel größeres Angebot als vor 20 Jahren. Insofern ist das Amt des Jugendleiters eine ganz wichtige Position, auch wenn das viele Vorstände nicht so gerne hören.

Was haben Sie sich für die nächste Amtsperiode vorgenommen?

Max Bertl: So ein großes Vorhaben wie es Holzhausen war, steht natürlich nicht an. Nichtsdestotrotz gibt es dort im täglichen Betrieb noch das ein oder andere zu verbessern. Unter dem Begriff Zukunftswerkstatt wollen wir zudem noch näher auf die Bedürfnisse der Vereine eingehen. Geplant sind beispielsweise Seminare für Vereinsvorstände, um herauszufinden, wo die Probleme sind und wie man sie am besten lösen kann.

Klingt, als würde Ihnen die Arbeit nicht so schnell ausgehen. Haben Sie schon darüber nachgedacht, wie es nach diese Wahlperiode weitergeht?

Max Bertl: Ja. Für mich ist 2020 definitiv Schluss. Die Jugend ist altersmäßig mittlerweile ziemlich weit weg von mir. Einen potenziellen Nachfolger gibt es bereits, insofern bin ich optimistisch, dass alles seinen geregelten Gang geht.

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