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Trügerische Idylle: Der Hof, den Josef und Monika Huber bewirtschaften, liegt landschaftlich traumhaft. Doch finanziell sieht es für die Familie alles andere als rosig aus.

Landwirte aus dem Raum Schongau in Existenznot

Weniger Milch, mehr Hoffnung?

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Steingaden - Wer den Hof von Monika und Josef Huber in Deutenried ansteuert, dem fällt zuerst die landschaftliche Idylle ins Auge. Doch was sich dahinter verbirgt, ist alles andere als idyllisch. Der gefallene Milchpreis hat bei den Hubers viele Sorgenfalten im Gesicht hinterlassen.

Josef Huber ist Vollerwerbslandwirt. Mit 45 Milchkühen und 45 Stück Jungvieh. Seit 20 Jahren betreibt der 52-Jährige mittlerweile seinen Hof. Und das mit viel Herzblut. „Der Hof und die Tiere, das ist mein Leben“, sagt er voller Überzeugung. Doch was einst seinen Lebensabend sichern sollte, ist mehr denn je zum Unsicherheitsfaktor geworden. „Vor zwei Jahren lag der Milchpreis kurzfristig mal bei 40 Cent, dann ging er permanent runter. Über 38 und 36 Cent bis zu inzwischen 26 Cent. Das ist viel zu wenig“, klagt Huber, der BDM-Vorsitzender in Steingaden ist.

Deshalb hat er auch an einer Demonstration der Landwirte vor der Firma Hochland teilgenommen. „Doch die haben uns nur gesagt, dass sie auch nicht mehr auf ihre Kosten kommen, in Norddeutschland beispielsweise oft nur noch 20 Cent für den Liter bezahlt werden.“ Für Huber eine inakzeptable Ansicht. „Man kann doch Höfe in Norddeutschland nicht mit unseren vergleichen.“

In seinen besten Zeiten hat Huber knapp über 300 000 Kilo Milch geliefert, mittlerweile sind es weniger, „weil ich im Vergleich zu vielen Kollegen nicht aufgestockt habe“. Mitte September hat er einen Antrag gestellt, mit dem er sich verpflichtet, alle drei Monate 1500 Liter weniger anzuliefern. Und war damit einer von knapp 10 000 Milchviehbetrieben deutschlandweit (bayernweit sind es zirka 3200).

Als Ausgleich gibt’s dafür pro nicht abgeliefertem Liter 14 Cent aus dem EU-Fördertopf. „Viel zu wenig“, wie Huber findet. Und seine Frau Monika pflichtet ihm bei. Denn die Hubers haben größte Probleme, ihre laufenden Kosten zu decken.

Ob Futtermittel, Versicherungen, Berufsgenossenschaft, Alters- und Krankenkasse: alles kostet. „Es war unserer Meinung nach der größte Fehler, die Quote abzuschaffen“, meinen beide übereinstimmend. Und kommen noch mal auf die 14 Cent zu sprechen, „die gerade Mal ein Tropfen auf den heißen Stein sind“. Man stehe in der Früh nur noch auf, um abends hundemüde ins Bett zu gehen. „Während der Erntezeit sind wir von frühmorgens 4.30 Uhr bis auf d’ Nacht im Einsatz, 16 bis 17 Stunden.“ Im Winter sind’s zwar ein paar Stunden weniger, „doch zwölf bis 13 Stunden sind völlig normal. Und das ohne Sonn- und Feiertag.“

Die beiden erwachsenen Töchter (22 und 25 Jahre) haben bereits einen eigenen Beruf, helfen nur noch sporadisch auf dem Hof mit, wenn Not am Mann ist. Und der jüngste Spross? Der ist 14, soll eines Tages mal die Landwirtschaft der Eltern übernehmen. Doch ob es wirklich dazu kommen wird, ist für Huber heute mehr als ungewiss.

„Ob wir unserem Sohn das zumuten können, ist mehr als fraglich“, sagen beide. Nicht zuletzt vor dem Hintergrund, dass sie sich heute schon sehr einschränken müssen, nichts investieren können. „Auch an einen Urlaub oder daran, die Kinder zu unterstützen, ist nicht zu denken.“ Und Josef Huber geht sogar noch weiter. „Wenn sich nicht bald deutlich etwas verbessert, muss ich die Milchproduktion einstellen.“ Auch wenn man mit Leib und Seele Landwirt sei, „muss am Ende auch etwas zum Leben rausschauen“.

Er kennt Beispiele von Kollegen, die an der Entwicklung zerbrochen sind. „Mir sind Fälle von Landwirten bekannt, die ein Burn-out erlitten haben. Einige mussten sogar in die Psychiatrie. So wollen wir nicht enden."

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