Zu wenig Parkplätze hat Milli Görüs auf seinem Areal in der Schongauer Drosselstraße. foto: spe

Zu wenig Platz

Milli Görüs will eine neue Moschee in Schongau

Schongau - Bei Großveranstaltungen ist der Platz zu beengt, deshalb steht er ganz oben auf dem Wunschzettel: Die türkische Glaubensgemeinschaft Milli Görüs sucht in Schongau Räumlichkeiten, in denen eine größere Moschee untergebracht werden kann.

Öffentlich geworden ist die Problematik aber nicht durch Milli Görüs selbst, sondern durch eine Wortmeldung bei der Bürgerversammlung im Schongauer Ballenhaus. Dort hatte ein Besucher nachgefragt und mitgeteilt, dass ihm Kinder vor einem Supermarkt in Schongau-West aufgefallen wären, die für eine größere Moschee gesammelt hätten.

Erol Mete, stellvertretender Vorsitzender von Milli Görüs in Schongau, kann dies nicht glauben. „Es stimmt, dass wir Platz für eine größere Moschee suchen. Aber bislang wurde noch kein Cent dafür von unseren Mitgliedern gesammelt. Und Kinder würden wir das schon gar nicht machen lassen“, sagt er mit Nachdruck.

Das Raumproblem sei erst kürzlich deutlich geworden, als ein Mitglied der Gemeinschaft gestorben sei. „Unsere Moschee platzte bei der Trauerfeier fast aus allen Nähten“, nennt er den Grund für die Erweiterungswünsche. Und spricht in diesem Zusammenhang auch Feiern wie Ramadan-Fest und Opferfest an, „bei dem sehr viele Menschen kommen“. Für die täglichen Gebete reichten die Räumlichkeiten hingegen aus.

Erst kürzlich, so Mete, habe man ein Objekt in der Nähe der jetzigen Moschee geprüft, dies dann aber wieder fallenlassen. „Ich denke deshalb, dass in den nächsten Monaten nichts geschehen wird. Vielleicht dauert es sogar ein Jahr oder länger, bis wir uns wieder bemühen. Wir stehen jedenfalls nicht unter Zeitdruck“, sagt der stellvertretende Vorsitzende, um noch anzufügen, „dass wir in jedem Fall in Schongau bleiben und keinen Ortswechsel vornehmen wollen“.

Wichtig sei zudem, dass der Preis passen und ausreichend Parkplätze zur Verfügung stehen. „Bei unserer letzten großem Zusammenkunft an Karfreitag hatten wir Glück, dass kein Werktag war und ausreichend Parkplätze frei waren. An einem Arbeitstag hätten wir Riesen-Probleme gehabt.“

74 Mitglieder zählt die Gemeinschaft Milli Görüs, deren Schongauer Gruppe sich 1990/91 gründete. Geführt wird sie als private Moschee mit einem Imam als Vorsteher, der von den Mitgliedern selbst bestimmt werden kann, aber auch privat finanziert werden muss.

Das ist bei der anderen türkisch-islamischen Gemeinde in Schongau mit dem Namen Ditib, deren Moschee in der Augsburger Straße steht, anders. Sie hat einen Imam an der Spitze, der vom Staat gestellt und auch finanziert wird. Murat Simsek aus der Vorstandschaft erklärt dazu: „Für eine Stadt von der Größenordnung Schongaus genehmigt die Türkei nur einen staatlichen Imam. Und da wir zuerst da waren (Ditib gründete sich 1988 in Schongau) haben wir diesen bekommen.“ Ditib ist auch weitaus größer als „Milli Görüs“ - derzeit sind der Gemeinschaft 185 Mitglieder angeschlossen. Raumprobleme? „Die sind derzeit nicht akut und ich denke, auch in den nächsten zehn Jahren nicht. Danach wird man sehen, wie sich alles entwickelt.“

Dass Milli Görüs im Visier des bayerischen Verfassungsschutzes steht, kann Simsek zumindest für die Schongauer Gruppierung nicht nachvollziehen. „Wir haben keinerlei Probleme miteinander und ein gutes Auskommen. Und ich kann in Schongau auch keine politische Aktivitäten bei Milli Görüs entdecken.“

Dass es eine zweite türkische Gemeinschaft gebe, sei völlig normal, „damit auch Schongau-West bedient werden kann“. Schließlich gebe es auch zwei katholische Pfarreien in Schongau. Da habe es nahe gelegen, eine zweite türkisch-islamische Gruppe zu gründen, schon wegen der besseren Erreichbarkeit für in Schongau-West lebende Türken.

Stephan Penning

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