Bei Mittelalter-Hochzeit in Schongau trägt auch der Standesbeamte Gewand

Schongau - Über 700 Brautpaare hat der Schongauer Standesbeamte Reinhold Jaser in 16 Jahren getraut, dabei hat er manch Kurioses erlebt. Jetzt durfte er in eine ganz besondere Rolle schlüpfen.

Er vollzog eine Trauung in der Ballenhaus-Ratsstube in historischen Gewand. Es ist ein gutes Jahr her, als Elisabeth Wäspi durch die Stände des Historischen Marktes in Schongaus Altstadt schlenderte. Als Volontärin des Kreisboten in Garmisch-Partenkirchen hatte sie von dem Spektakulum gelesen, das die Altstadt zurück ins Mittelalter versetzt. Das Thema interessiert die junge Frau, so stand ein Besuch auf dem Unternehmungsplan von Elisabeth.

Bilder von der Mittelalter-Hochzeit

Mittelalter-Hochzeit in Schongau

Fasziniert von der Stadt nahm sie auch an einer Stadtführung teil, bei der sie das erste Mal das Ballenhaus betrat. Beim Eintritt in die Ratsstube war sie von dem Raum mit seinen vielen kleinen Details überwältigt. Sie hatte sich gewissermaßen in die kleine Stube verliebt. Als sie am Ende der vielen Erläuterungen erfuhr, dass die Ratsstube auch für Trauungen genutzt wird, stand für sie fest, dass sie genau dort getraut werden will.

Jürgen Goebel, Elisabethts Zukünftiger, weilte derweil in Schottland, wo er seinen Doktor der Biochemie machte. Per Telefon erfuhr er von den Plänen seiner Holden, die von ihrem Entschluss nicht mehr abzubringen war. Mit Begeisterung nahmen auch die Freunde des Paares aus Antdorf deren Pläne auf, in Schongau zu heiraten. Viele von ihnen sind Live-Rollenspieler, schlüpfen dazu gerne in nicht-alltägliche Gewänder. „Wenn schon, denn schon“, so der Kommentar von Trauzeuge Kilian Wörmann, der eine Hochzeit in historischen Gewändern vorschlug. Und das nicht nur für das Brautpaar, sondern für alle Beteiligten. Das fand sogar Begeisterung bei Margarete Lutz, der 80-jährigen Oma der Braut. Sie wollte schon immer mal im Stil einer „Queen-Mum“ auftreten. Und Hedwig Wäspi, die Mutter der Braut, studierte Kataloge alter Gewänder, um sich ihre Kopfbedeckung selbst anzufertigen. „Es hat Zeit gekostet, aber auch viel Spaß gemacht“, erklärt die Mutter, die stolz die Haube „einer verheirateten edlen Dame“ trägt. Vater Josef dagegen suchte mit den Eltern des Bräutigams, Peter und Theresia Goebel, einen Kostümverleih auf. Dort ließen sie sich einkleiden, Assessoires wurden ausgeliehen.

Es waren rund 25 Kostümierte, die jetzt unweigerlich die Blicke der Passanten auf sich zogen. Josef Wäspi, der Bruder der Braut, zog als Wachsoldat mit seiner Hellebarde und dem Helm eines Gardisten der Schweizer Garde voran, um das Brautpaar sicher in die Ratsstube zu geleiten. Martin Arnold, ein Freund des Brautpaares, stand als Hofmagier den beiden zur Seite.

Begrüßt wurde die Gruppe vom Schongauer Standesbeamten Reinhold Jaser, der sich für diesen außergewöhnlichen Tag ein historisches Gewand angelegt hatte. Und dass er in diesem eine sehr gute Figur machte, bestätigte im mit einem charmanten Lächeln „Queen Mum Margarete“.

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