Das Dialogverfahren nicht ungenutzt lassen: Dafür plädierte Manfred Rudolf. Rund 180 Interessierte waren bei der Infoveranstaltung am Mittwochabend. foto: wk

Mobilfunk: Kommt ein Ratsbegehren?

Böbing - Das Thema Mobilfunk beschäftigt das Dorf Böbing. Am Montag entscheidet der Gemeinderat über ein Ratsbegehren, das zum Bürgerentscheid führen würde.

„So wie es jetzt läuft, läuft es jedenfalls gesellschaftlich falsch“, sagte Böbing Bürgermeister Peter Erhard. Er möchte die Diskussion auf eine sachliche Ebene stellen, um Schäden für das Dorf abzuwenden. „Wir haben eine so tolle Dorfgemeinschaft.“ Aber im Dorf würden Vermutungen gestreut, die einfach nicht stimmen. Beispielsweise über vier Standorte für den Tetra-Funk. Klare Aussage des Bürgermeisters: „Tetra-Funk stand in Böbing nie zur Diskussion.“ Doch die Sorgen jedes Einzelnen seien beim Bürgermeister angekommen. Beschäftigen ihn sogar in der Nacht.

Die Gemeinde sei jetzt mit dem Dialogverfahren auf gutem Weg, eine für alle verträgliche Lösung zu finden. Und dadurch auch noch den Wildwuchs von Sendeantennen auf den Hausdächern in den Griff zu bekommen. Jetzt, so Erhard, gehe es nicht um die Frage ja oder nein, sondern um wie und wo.

Bei der Informationsveranstaltung am Mittwochabend wurde deutlich, wie groß das Interesse ist. Der große Saal im Gasthaus Haslacher reichte gar nicht mehr aus. Erst als die Trennwand zur Gaststube noch geöffnet wurde, hatten die rund 180 Besucher Platz, um dem Vortrag des Gutachters vom Umweltinstitut München zu lauschen.

Hans Ulrich-Raithel sprach über magnetische Strahlen, erläuterte das Vorsorgeprinzip und den Strahlenpegel. „Man schaut, dass man im Ort für ausreichenden Pegel sorgt, aber der Nachbar nicht geblendet wird.“ Heißt, je weiter weg, desto geringer die Strahlung. Der Diplom-Ingenieur aus München warnte vor dem Verhinderungsprinzip. „Dieser Schuss geht nach hinten los.“ Beispiele dazu gebe es reichlich.

Beim Dialogverfahren hat die Kommune die Möglichkeit, bei der Standortwahl mitzureden. Etliche Gemeinden hätten das Gespräch mit dem Betreiber erst gar nicht gesucht, mit dem Ergebnis, dass jetzt die Sendeantenne mitten im Ort stehe, mit der zehnfachen Belastung für die Bürger.

In Böbing hat der Gutachter zehn Standorte untersucht und letztlich drei für geeignet befunden. Nämlich das Rathaus, den Brunnen am Ortsrand in Richtung Holzleithen und letztlich am Pestfriedhof. Rathaus und Brunnen scheiden aus. Was bleibt, ist der Standort am Pestfriedhof an der Pestfriedhofstraße. Von dem aus gehe die wenigste Belastung in Richtung Dorf aus. Fazit des Gutachters: „Der Standort am Pestfriedhof ist empfehlenswert.“

Zur Diskussion nach dem Vortrag musste Peter Erhard nicht lange bitten. Fragen über Grenzwerte und über die Netzbetreiber, Immissionen über Sendeintensität und Sendeleistung. Sabine Mühlbauer meinte, wenn sie sich nicht ein halbes Jahre lang intensiv mit diesem Thema beschäftigt hätte, dann hätte sie von diesem Vortrag nichts verstanden. Sie sei immer noch überzeugt davon, dass der Sendemast verhindert werden kann. Und auch, dass die Sendemasten auf dem Hohenpeißenberg aufgestockt werden könnten. Heftige Reaktion von Gemeinderat Robert Eder. „Du nutzt dein Handy, sträubst dich aber gegen eine Anlage nach dem Motto: ,Überall, nur nicht bei mir.‘“ Das sei höchst inkonsequent. Die Mehrzahl der Redner plädierte dafür, die Möglichkeiten des Dialogverfahrens nicht ungenutzt zu lassen.

In der kommenden Sitzung will der Gemeinderat über ein Ratsbegehren diskutieren, das zum Bürgerentscheid führen würde. Inhalt des Begehrens ist die Frage, ob die Gemeinde am Dialogverfahren teilnimmt. Lehnen die Bürger das ab, hat Böbing keinerlei Einfluss mehr auf den Standort des geplanten Funkmastens und liefert sich damit den Mobilfunkbetreibern aus.

wk

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