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"Moorkette von Peiting bis Wessobrunn": Viele Auflagen, wenig Fördermittel

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Fachleute am Runden Tisch: Alfred und Ingrid Wagner (Büro für angewandte Landschaftsökologie), Szvetozar Sasics (Kartierteam Oberbayern Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Ebersberg), Albert Lang (Regierung von Oberbayern) und Forstamtsrat Markus Heinrich (Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Weilheim). Foto: uf
Fachleute am Runden Tisch: Alfred und Ingrid Wagner (Büro für angewandte Landschaftsökologie), Szvetozar Sasics (Kartierteam Oberbayern Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Ebersberg), Albert Lang (Regierung von Oberbayern) und Forstamtsrat Markus Heinrich (Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Weilheim). Foto: uf

Peiting - Die Emotionen kochten hoch beim Runden Tisch im Pfarrsaal zum Entwurf des Managementplans Natura 2000 „Moorkette von Peiting bis Wessobrunn“. Den Fachleuten von Landratsamt und Regierung von Oberbayern saßen Grundbesitzer, Landwirte und Mitglieder der Kreisgruppe des Bund Naturschutz gegenüber.

Hauptkritikpunkt an dem geplanten FFH-Gebiet: Viele Auflagen, aber wenig Fördermittel. Helmut Herrmann vom Bund Naturschutz bemängelte ein „aufgeblasenes Paragrafenwerk, das nicht mehr umsetzbar ist“. Am Anfang stand der Beschluss der EU-Mitgliedstaaten, die biologische Viefalt der natürlichen Lebensräume sowie der wild lebenden Tiere und Pflanzen zu erhalten. Unter der Bezeichnung „Natura 2000“ soll ein Biotopverbundnetz aufgebaut werden. Grundlage sind die Fauna-Flora-Habitat (FFH)-Richtlinie und die Vogelschutz-Richtlinie.

In diesem Zusammenhang nahm die bayerische Staatsregierung 1998 eine erste Gebietsmeldung schützenswerter Landschaften vor, die 2001 und 2004 ergänzt wurde. 2012 wurde schließlich eine „Umsetzungsgruppe“ aus den Ämtern für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Fürstenfeldbruck und Weilheim, den Unteren Naturschutzbehörden Weilheim-Schongau und Landsberg sowie der Regierung von Oberbayern (Sachgebiet Naturschutz) gebildet. In Zusammenarbeit mit dem Büro für angewandte Landschaftsökologie Wagner aus Oberammergau wurde das ausgewiesene, 949 Hektar große Gebiet zwischen Peiting und Wessobrunn vermessen, klassifiziert und bewertet, sowie Maßnahmen zum Erhalt und Verbesserung des derzeitigen Zustands erarbeitet. Eine 20-jährige Geschichte und einen „klagefreudigen Prozess“ nannte Lang das Verfahren, das Ende des Jahres endlich zur Umsetzung kommen soll.

Wie immer, wenn Theoretiker und Praktiker aufeinandertreffen, gab es aber auch bei der Infoveranstaltung heftige Differenzen. Schlichtweg „einen Schmarrn“ nannte Bürgermeister und Landwirt Georg Epple aus Apfeldorf die ganze Angelegenheit. Epple: „Die Landwirte pflegen und bearbeiten diese Flächen seit Jahren, deshalb sind sie in einem so guten Zustand. Ich brauche keinen, der mir sagt, was zu tun ist, das weiß ich selber!“

Grundstücksbesitzer Jürgen Krätzig stieß ins selbe Horn: „Ich weiß schon, was ich da machen soll. Da brauch ich keinen Fuzzi dazu.“ Lieber sähen es die Grundstücksbesitzer, wenn vom Amt praktische Hilfe zum Erhalt der Flächen käme. Die lässt aber auf sich warten. Diplom-Biologe Helmut Hermann vom Bund Naturschutz bemängelte, dass die Beantragung von Fördermitteln zu Pflege und Erhalt der ausgewiesenen Flächen ein so aufwändiges, langwieriges und wenig erfolgversprechendes Verfahren sei, dass der Bund Naturschutz inzwischen die Renaturierung des Schwarzleichmoores ausschließlich aus eigenen Mitteln bestreite. Hermann: „Man kann den Leuten nur raten, so wenig wie möglich zu machen, damit der Staat gezwungen wird, akzeptable Förderbedingungen zu schaffen und Hürden abzubauen.“

Von Seiten der Landwirte wurde bemängelt, dass die Teilnahme an der Veranstaltung mit Beginn um 19 Uhr für einen Bauern kaum machbar sei und die erstellten Karten nur schlecht lesbar und schwer interpretierbar seien. Georg Eberle, Besitzer eines Fichtenwalds im Weitfilz, wollte wissen, wie die Vorgehensweise sei, um seine Nutzungsrechte wahrzunehmen. Antwort von Alfred Wagner: „Sie setzen ein Schreiben auf und schicken es an Herrn Heinrich. Er wird sich melden.“ Eine Antwort, die vom Publikum mit sarkastischem Gelächter beantwortet wurde. Albert Lang beschwichtigte die Anwesenden dahingehend, dass die Pflegemaßnahmen von Grundstückseignern so anzuwenden seien, dass keine Verschlechterung auf dem ausgewiesenen Gebiet einsetze.

Die Durchführung der erforderlichen Maßnahmen will das Amt lediglich stichpunktartig prüfen. Für die Staatsforste dagegen sind die Maßnahmen zwingend. Aber auch hier gibt es keine Fördermittel für den erhöhten Pflegeaufwand. Diese müssen aus den eigenen Mitteln bestritten werden.

Kein Wunder, dass einige der Anwesenden in dem ganzen Verfahren eine vorgeschobene Maßnahme sahen, die „die Behörden erfunden haben, weil sie keine Beschäftigung haben“, und mutmaßten, dass da eine Staatsaufgabe auf Eigentümer abgewälzt werden soll.

Weitere Verfahrensweise: Das Kartenmaterial samt Maßnahmenkatalog soll in vier Wochen in den jeweiligen Gemeinden aufgelegt werden. Dort können auch abweichende Pflege-Vorschläge eingebracht werden. Sobald es keine Einwände mehr gibt, tritt der Management-Plan in Kraft. Grundstückseigentümer können das Kartenmaterial bei den Behörden auch als CD-Rom bekommen oder mit Angabe der Flurnummern die jeweiligen Ausschnitte per e-Mail anfordern.

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