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Wieder unplugged, diesmal nicht aus der Not heraus, sondern geplant: Huckleberry Five im Kuhstall Schwabbruck.

Kuhstall Schwabbruck

Musik wie im Wohnzimmer

Alles begann vor einem Jahr mit einem Wasserschaden auf der Bühne. Daher spielte die Band Huckleberry Five im Kuhstall Schwabbruck jetzt unplugged, und die Musiker mischten sich, wie angekündigt, unters Publikum.

SchwabbruckDie Gäste, die am Freitagabend Schwabbrucks Kultkneipe Kuhstall betraten, rieben sich verwundert die Augen. Auf der gewohnten Bühne befanden sich anstatt Lautsprecher, Musikanlagen und Mikrofonen weitere Tische und Stühle. Und in der Mitte des Raumes standen fünf Barhocker, kein technischer Musikkram war zu sehen. Wo sollte die erwartete Bluegrass-Gruppe „Huckleberry Five“ um Banjomann Rüdiger Helbig denn nun auftreten?

„Ich löse jetzt auf, warum wir das heute so machen“, erklärte Kneipenwirt Stephan Kögl den zahlreich erschienenen Bluegrass-Fans nach dem typischen Kuhglockenläuten zum Auftakt des Abends. Kögl hatte eine nette Geschichte parat, die er gern erzählt. Warum das ganze Szenario im Kuhstall an diesem Abend anders war, begann vor einem Jahr mit einem Wasserschaden. Beim Auftritt der Gruppe Huckleberry Five, da noch technisch hochgerüstet auf der Bühne spielend, stieß Kögls Tochter (6) versehentlich ein volles Wasserglas um. Das Mischpult der Band wurde überflutet. „Es war sofort alles aus“, erzählte Kögl seinen Gästen. Kögl war sich in dem Moment sicher, dass es das gewesen war mit dem Auftritt von Huckleberry Five. „Ich konnte mir keine Band vorstellen, die dann einfach unplugged weiterspielen würde.“

Doch Banjomann Rüdiger Helbig (68) ist einfach ein jungegebliebener alter Haudegen und seit 54 Jahren ein Musikwahnsinniger. Mit 14 Jahren brachte er sich das Gitarrespielen bei, ein Jahr später entdeckte er das Banjo und spielt seitdem in verschiedenen Bands weltweit, ist sozusagen verschmolzen mit seinem Banjo. Vor einem Jahr also, als sein Mischpult ertrank, trat Helbig einen Schritt vor die Bühne, seine vier Mitmusiker machten das Gleiche und kommentarlos ging die Show unplugged weiter. Das damalige Publikum war begeistert. Nicht nur von dieser spontanen Aktion, sondern auch, weil sich die Musik unverstärkt so authentisch anhörte. Und weil Stephan Kögl so einer ist, der einem Missgeschick auch etwas Positives abgewinnen kann – „schlussendlich ist etwas Gutes dabei herausgekommen“ –, kam er auf die Idee, die Band diesmal von vornherein ohne Verstärker und technischem Tamtam auftreten zu lassen.

Rüdiger Helbig war von dem Vorschlag sofort begeistert. Und so kamen die fünf Musiker am Freitagabend nur mit ihren Instrumenten, einigen kleinen Aufzeichnungen und Getränken bewaffnet in die Mitte des Raums. „Ist ja wie im Wohnzimmer hier“, freute sich der Banjomann und versprach dem Publikum, öfter einen „Stellungswechsel“ vorzunehmen, damit im arenahaften Umfeld jeder Zuhörer die Band einmal von vorne bewundern könne.

Dementspechend locker und entspannt ging es zu an diesem Abend. Eine Überraschung war auch, dass Huckleberry Five in der Original-Besetzung von vor 20 Jahren auftrat. Mit dabei waren somit Paul Richards (Banjo, Gesang), Susann Booth (Gitarre, Gesang), Jim Klopfenstein (Kontrabass) und Klaus Lamatsch (Violine). Und die Fünf hatten eine Menge Spaß, der sofort ins Publikum schwappte.

Natürlich ging die Musik pfeilgerade ins Herz eines jeden Bluegrass- und Country- Fans. Unbekanntes wurde gespielt, aber auch so richtige Ohrwurm-Kamellen ausgepackt. Was für eine Stimme Susann Booth da zeigte bei dem Johnny Cash-Stück „Jackson“, einst von June Carter geröhrt, hier von Booth perfekt imitiert. Ach, und wie schön war es als alle, inklusive Zuhörer, den wohlbekannten Trucker Song von Eddie Rabbit sangen. „Uuuuh, I’ driving my life away“, rollte es da unplugged durch den Kuhstall.

Regina Wahl-Geiger

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