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Die zum Teil leerstehenden UPM-Häuser in der Peitinger Straße sind für die Asylbewerber-Unterbringung in zu schlechtem Zustand.

Nach Fragen in Leserbriefen

Warum keine Asylbewerber in die UPM-Wohnungen ziehen

Schongau - Wiederholt haben Leserbriefschreiber gefordert, die UPM-Wohnungen in der Peitinger Straße für Asylbewerber zur Verfügung zu stellen. Auf diese Idee ist Bürgermeister Falk Sluyterman schon vor einem Jahr gekommen. Trotzdem ist nichts daraus geworden.

Schon vor einem Jahr war die Unterbringungs-Situation für Asylbewerber prekär. Als damals Oberbayerns Regierungs-Vizepräsidentin Maria Els auf Besichtigungs-Tour durch den Landkreis war, versuchte ihr Bürgermeister Falk Sluyterman, das von der Stadt gekaufte Köhler-Anwesen an der Schongauer Bahnhofstraße schmackhaft zu machen. Vergeblich, der Landkreis kaufte bekanntlich kurz darauf den Wohnblock an der Pöllandtstraße. „Wir hatten an diesem Tag auch noch die ehemaligen Forsthäuser in der Lechvorstadt angeschaut, und da kam mir plötzlich die Idee: Warum nicht Asylbewerber in den Papierfabrik-Wohnungen an der Peitinger Straße unterbringen?“, so Sluyterman.

Das schrieb er kurz darauf dem Schongauer UPM-Werkleiter Caius Murtola, auch die Landrätin informierte er über seine Initiative. Selbst konnte er nicht weiter tätig werden, schließlich hat die Stadt mit der Unterbringung von Flüchtlingen rein formell nichts zu tun. „Wir können nur die Integration fördern“, so der Bürgermeister.

Die Landrätin griff den Vorschlag dankbar auf. Laut Helmut Hartl, Leiter des Sachgebiets Asylwesen am Landratsamt, habe die derzeit im Urlaub befindliche Jochner-Weiß zwei Mal Verhandlungen mit Murtola geführt, leider ohne Ergebnis. Nach Angaben des UPM-Chefs seien die Häuser zum Teil in einem so schlechten Zustand, das dort unmöglich Asylbewerber untergebracht werden können. „Wir haben deshalb sogar blockweise einige Bereiche geschlossen“, so Murtola. Seinen Angaben zufolge wohnen in den Werkswohnungen noch rund 50 Mieter. Wenn eine frei wird, wird sie in der Regel nicht nachbesetzt.

Was UPM mit den Wohnblöcken längerfristig vor hat, ist noch unklar. Auch das ist ein wichtiger Hinderungsgrund: „Wir müssten uns langfristig binden, das ist schwierig für uns“, so Murtola. Die Grundstücke werden möglicherweise bald „für andere Zwecke genutzt“, so der UPM-Chef – da macht es wenig Sinn, jetzt groß zu sanieren und die Häuser dann abzureißen. Der vom Landratsamt wie bei ähnlichen Unterbringungen auch geforderten Mietfrist von acht bis zehn Jahren konnte UPM deshalb nicht zustimmen.

„Diese Gründe sind nachvollziehbar“, findet Sluyterman. Die Hürden wären sehr hoch, was Feuerschutz und Fluchtwege anbelangt. Das musste der Landkreis beim Haus an der Pöllandtstraße am eigenen Leib erfahren, das eigentlich perfekt hergerichtet war, wegen Kleinigkeiten aber erst kürzlich mit mehr als einem halben Jahr Verspätung bezogen werden konnte. Und Sluyterman musste es beim Köhler-Anwesen erleben – „die Auflagen sind so hoch, das ist schwer zu erfüllen“. Das ist auch der Grund, warum der Freistaat die ehemaligen Forsthäuser in der Lechvorstadt, die sogar ihm gehören, links liegenlässt. Zu teuer, zu lange Sanierungszeit, schnell muss es gehen.

Eine größere Asylbewerber-Unterkunft wird also aus den UPM-Wohnungen nicht werden. Trotzdem könnten dort einige Asylbwerber unterkommen: „In Gesprächen mit Behörden haben wir angeboten, einzelne Wohnungen, die noch in gutem Zustand sind, an Personen, die bereits Asyl-Status erhalten haben, zu vermieten.“

Boris Forstner

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