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Die Familie hat Friedrich Zeller am Wahlabend vor Ort unterstützt – auch wenn seine Frau Birgit nicht unglücklich war über die Niederlage. (v.l.) Franziska, Birgit, Friedrich und Maximilian Zeller (mit Freundin Leonie).

Nach Memminger OB-Wahl

Nicht alle sind traurig über Zellers Niederlage

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Ab Dienstag ist Friedrich Zeller, der beim Ablauf auf den Memminger OB-Posten knapp gescheitert war, wieder daheim in Schongau. Auch wenn ihn viele Schongauer unterstützt haben - sie sind froh, dass er in der Lechstadt bleibt.

Schongau/Memmingen

Nach der Entscheidung bei der Oberbürgermeister-Wahl leerte sich die Memminger Rathaushalle am Sonntagabend schnell. CSU-Bewerber Manfred Schilder hatte diverse Sieger-Interviews gegeben, sein unterlegener Kontrahent, Schongaus Ex-Bürgermeister und Landrat Friedrich Zeller, musste die Niederlage erklären, was er schwer konnte. Schließlich hatte er mit 48,5 Prozent nur sehr knapp verloren.

Als Schilder sich noch einmal kurz an die verbliebenen Besucher wandte und sich bei Zeller für den fairen Wahlkampf bedankte, war der 50-jährige Schongauer schon nicht mehr da. Als der Hausmeister gegen 20 Uhr zusperrte, standen nur noch zwei Flaschen Bier auf einem der Stehtische. Die hatten die beiden Kontrahenten, wie bei der Podiumsdiskussion angekündigt, vor den Kameras getrunken. Vielmehr hatte Zeller sein Bier ausgetrunken. Schilder ließ die Hälfte drin – zumindest da lag Zeller vorn.

„Ich habe mir noch ein weiteres Bier genehmigt“, sagte er am Montag auf Nachfrage. Mit Vertretern von SPD und FDP, die ihn ebenfalls unterstützt hatten, ließ Zeller den für ihn frustrierenden Wahlabend in Harrys Genussbar ausklingen. „Ausgelassene Feierstimmung kam nicht auf“, sagte Zeller sarkastisch – dass die SPD nach 50 Jahren nicht mehr den OB von Memmingen stellt, saß tief. Während Bayerns ehemaliger Landwirtschaftsminister Josef Miller (CSU) fast Tränen in den Augen hatte, dass endlich ein Christsozialer seine Heimatstadt regiert („Ich habe dazu erheblich beigetragen“), trug es Ivo Holzinger, bis November 36 Jahre lang SPD-OB und damit dienstältester Rathauschef Deutschlands, mit Fassung: „Für einen auswärtigen Kandidaten war die Zeit bis zur Wahl zu kurz, da hat man immer Nachteile“, sagte er. Da half Zeller auch nichts, dass er in Memmingen geboren und aufgewachsen ist.

Damit sind die zwei spannenden Wahlkampf-Monate für Zeller vorbei. Gestern regelte er letzte Angelegenheiten vor Ort, gab noch ein Interview bei der Memminger Zeitung, am Dienstag geht es dann von der vorübergehenden Wohnung im Memminger Elternhaus heim nach Schongau. Beruflich hat er in dieser Zeit einiges verpasst: „Ich hatte etliche Aufträge, die ich absagen musste“, sagte Zeller, der als freiberuflicher Politikberater arbeitet. Seine Schwester, mit der er eng zusammenarbeitet, hatte einige Aufträge übernommen, andere wurden auf später verschoben. „Zweimal pro Woche hätte ich auch Vorlesungen an der Fachhochschule Hof geben sollen, die mussten sich auch jemand anderes suchen“, so Zeller. Er sei aber sicher, dass er schnell wieder in den Arbeitsalltag finde.

Für Diskussionen hatte die offene Aussage von Zellers Frau Birgit gesorgt, sie freue sich über die Wahlniederlage, weil sie jetzt in Schongau wohnen bleiben könne. Das erinnert fast an die Debatte in der CSU-Spitze, dass aus familiären Gründen keiner nach Berlin will. „Wir haben ein sehr schönes Haus, tolle Nachbarn – Schongau ist eine sehr schöne Stadt“, sagte Zeller dazu. Weiter wollte er sich zu dem Thema nicht äußern.

Doch auch andere Schongauer sind froh, dass Zeller ihnen erhalten bleibt: „Für uns ist das gut“, sagte SPD-Fraktionschefin Ilona Böse. Sogar Markus Schleich ist dieser Meinung – obwohl der 25-Jährige Nachrücker im Stadtrat wäre, wenn Zeller die OB-Wahl gewonnen hätte. „Ich wäre gerne in den Stadtrat eingezogen“, sagt Schleich. Aber Zeller sei wichtig für Schongau.

Das sagt auch Bürgermeister Falk Sluyterman: „Natürlich finde ich es sehr schade, dass er die Wahl so knapp verloren hat. Er wäre auf jeden Fall ein ausgezeichneter Oberbürgermeister geworden.“ Andererseits freue er sich, „dass Herr Zeller im Stadtrat und Kreistag bleiben wird und so weiter die Schongauer SPD und mich mit seiner kommunalpolitischen Erfahrung tatkräftig unterstützen kann“. 

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