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Pflanzen die autochthonen Apfelbäume ein: (v.l.) Sepp Epple, Wolfram Rothkegel, Guntram Vogelsgesang, Markus Schmorell, Christoph Zirnbauer, Michael Lang.

Nach Sturm Niklas

Außergewöhnliche Apfelbäume in Hohenfurch

Hohenfurch - Damit es im Gemeindewald an der Höhenbergstraße in Hohenfurch nicht wieder zu Sturmschäden kommt, wurden dort ganz besondere Obstbäume angepflanzt. Nämlich autochthone. Diese Pflanzen sollen mit den noch stehenden Nadelbäumen einen gesunden Mischwald bilden.

Vergangenes Jahr Ende März wütete Orkan Niklas. Das Sturmtief entwickelte sich in der Nähe von Island und zog dann mit Spitzenböen von bis zu 190 km/h über Europa hinweg. Im Landkreis Weilheim-Schongau waren vor allem viele Waldgebiete von dem Sturm betroffen.

Auch der Hohenfurcher Gemeindewald blieb nicht verschont. Auf dem Höhenberg wurden viele Fichten, die in den 1960er Jahren gepflanzt wurden, von den starken Winden umgeweht. Auf dem trockenen Südhang mit Kiesuntergrund konnten die Nadelbäume nur ein tellerförmiges flaches Wurzelsystem ausbilden, was zu einer erhöhten Windwurfgefahr führte. Die Bäume, die der Orkan nicht niederzwang, hatten dann mit dem Einfall des Borkenkäfers zu kämpfen.

Damit solche Schäden in Zukunft ausbleiben, hat die Gemeinde Hohenfurch mit der bayerischen Forstverwaltung ein Konzept für die 0,8 ha große Fläche an der Höhenbergstraße ausgearbeitet.

„Das Ziel ist eine vorbildliche Waldbewirtschaftung, die die Schutz-, Nutz- und Erholungsfunktion des Waldes in Einklang bringt“, erläutert der Revierleiter vom Forstrevier Schongau Michael Lang die Pläne.

Artenreicher Mischwald mit Apfel-, Kirsch- und Kastanienbaum

Dafür wurden autochthone Wildapfelbäume, Kirschbäume und Esskastanien gepflanzt um einen stabilen, artenreichen und gesunden Mischwald anzulegen.

Das besondere an autochthonen Pflanzen ist, dass sie aus dem Samen wildwachsender Stammpflanzen vermehrt werden. Diese Stammpflanzen müssen sich nachweislich ohne menschliche Hilfe in der freien Landschaft angesiedelt haben. Die Be–erntung des Saatgutes der Mutterpflanzen sowie die Aufzucht der Jungbäume geschieht unter strenger Kontrolle und viele dieser Bäume unterliegen dem forstlichen Vermehrungsgesetz.

Auf den ersten Blick also ein hoher Aufwand, der betrieben wird. Auf den zweiten wird aber klar, dass das Vorgehen der Gemeinde Hohenfurch und des Forstamtes sehr nachhaltig ist und sich auszahlen wird. Der neue autochthone Besatz zeichnet sich durch eine besonders gute Angepasstheit an den Naturraum aus, was auch mit Blick auf den Klimawandel von Vorteil ist. Darüber hinaus spricht eine hohe Resistenz gegenüber Parasiten für die Bäume. Sie garantieren die Bewahrung der genetischen Vielfalt und sind sogar eine Artenanreicherung, weil die meisten Obstbäume entweder Kreuzungen oder Züchtungen beziehungsweise Veredelungen sind.

Dient das Holz den hiesigen Schreinern?

Auch wenn das noch fern in der Zukunft liegt, besteht die Möglichkeit, das aus den autochthonen Bäumen gewonnene Holz als hochwertiges Schreinerholz zu verwenden. Und so ergibt auch Sinn, was Markus Schmorell, der Behördenleiter vom Amt für Ernährung Landwirtschaft und Forsten in Weilheim, zu dem ganzen Vorhaben sagt: „Der Förster hat bei seiner Arbeit immer die Zukunft im Kopf, er muss 100 Jahre vorausdenken, Generationen übergreifend, dass die Kommenden auch noch etwas davon haben.“

In nicht ganz so ferner Zukunft kommt dann auch noch ein nicht zu vernachlässigender ästhetischer Aspekt hinzu. Der optische Augenschmaus, der die Hohenfurcher erwartet, wenn die Obstbäume blühen und dann das aufgeforstete Areal in Dorfnähe zum Lebensraum und zur Nahrungsquelle für viele Insekten und Vögel wird.

fr

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