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Bereits zwei Mal wurde die Bücherzelle in der Schongauer Altstadt in Brand gesetzt. Nun der Entschluss: Sie soll trotzdem wieder aufgestellt werden.

Nach zweiter Brandstiftung

Bücherzelle in Schongau wird doch wieder aufgebaut

  • Elena Siegl
    vonElena Siegl
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Nun also doch: Die Bücherzelle von „Schongau belebt“ auf dem Marienplatz in Schongau soll wieder aufgestellt werden. Nur wo, das steht noch nicht abschließend fest. Eine erneute Brandstiftung soll auf jeden Fall verhindert werden – weshalb es ein paar Änderungen geben wird.

Schongau – So leicht lassen sich die Mitglieder vom Verein „Schongau belebt“ nicht klein kriegen. Nach dem ersten Schock darüber, dass die offene Bücherzelle in der Altstadt zum zweiten Mal angezündet wurde, verkündete die Gruppe nun auf Facebook und Instagram: „Yippie, liebe Lesefreunde: Es wird eine neue Bücherzelle geben.“

Eigentlich wollte man das nur in Angriff nehmen, wenn der Brandstifter gefunden wird. Das ist allerdings nicht der Fall. Wie berichtet, hatte der Täter das Feuer selbst bei der Polizei gemeldet. Das Vorhaben, ihn mit seiner Stimme zu überführen, war bislang nicht möglich, heißt es auf Nachfrage bei der Polizei.

Angebot, das die Initiatoren nicht ablehnen konnten

„Viele Leute haben uns gesagt, dass sie gerne wieder eine Bücherzelle hätten und uns darin bestärkt, einen erneuten Anlauf zu wagen“, erklärt Beatrice Amberg, Vorsitzende von „Schongau belebt“. „Und dann kam noch ein Angebot, das wir nicht ablehnen konnten.“ Heißt konkret: Eine neue Bücherzelle, beziehungsweise eine ausgediente Telefonzelle, die dazu umfunktioniert werden kann, ist bereits gefunden. Das Autohaus Rieser aus Peiting gibt die alte Telefonzelle aus der Bahnhofstraße in Peiting ab.

Firma übernimmt die Lackierung kostenlos

Allerdings ist die blau. Macht nichts. Die Schongauer Firma Langhammer hat gleich angeboten, die Lackierarbeiten kostenlos zu übernehmen und verpasst der Zelle wieder die „Schongau-Farben“. Auch Zitate, wie bei der vorherigen Bücherzelle, soll es wieder geben.

Genauer Standort ist noch offen

Ob die Bücherzelle allerdings auch wieder am Marienplatz aufgestellt wird, ist noch unklar. „Das wäre auf jeden Fall unser Wunschplatz“, sagt Amberg. Viele Leute gehen dort vorbei, entdecken und nutzen die Zelle auch. Allerdings müssen Sicherheitsfragen berücksichtigt werden. „Wir erörtern das mit der Stadt, die uns bei dem Vorhaben auch unterstützt“, erklärt Amberg. Bis die Zelle fertig ist, wird sich bestimmt ein geeigneter Platz finden.

Aus Sicherheitsgründen wird es noch eine Änderung geben: In der Nacht wird die Bücherzelle verschlossen, um es Randalierern schwieriger zu machen. Ein bisschen traurig ist man bei „Schongau belebt“, dass es nicht mehr rund um die Uhr ein „offener Bücherschrank“ sein wird.

Schwabbruck als Vorbild

Vorbild für die Änderungen ist die Schwabbrucker Buchhaltestelle (wir haben berichtet). Die haben sich einige Mitglieder von „Schongau belebt“ vor ein paar Tagen zeigen lassen. Rainer Siegl hat dort nicht nur eine elektronische Verriegelung eingebaut, sondern auch eine automatische Beleuchtung, Musik und eine Ansage. Die Beleuchtung kann man sich in Schongau gut vorstellen. Schon bei der vorherigen Bücherzelle war das ein Wunsch von Amberg.

Rauchmelder und Alarmanlage werden eingebaut

Außerdem wird ein Rauchmelder beziehungsweise eine Alarmanlage eingebaut. Natürlich bedeutet das Herrichten der neuen Bücherzelle viel Arbeit. Wer dabei helfen kann – zum Beispiel beim Einbau des Holzregals oder der Elektronik – darf sich gerne per Mail an post@schongau-belebt.de melden.

Geldspenden sind willkommen

Darüber hinaus ist „Schongau belebt“ vor allem auf Geldspenden angewiesen. Mitgliedsbeiträge gibt es nicht, weshalb nicht auf eine Vereinskasse zurückgegriffen werden kann. Erst wenn die Zelle wieder steht, können auch Bücher darin abgegeben werden. Allerdings nicht Kartonweise. „Jeder soll die Möglichkeit haben, etwas dazuzugeben“, erklärt Amberg. Das bewährte Konzept wird beibehalten: Wer ein Buch hineinstellt, nimmt im Gegenzug eins nach Hause. Ausnahmen sind natürlich möglich, aber insgesamt soll sich das Geben und Nehmen die Waage halten. Zur Einweihung der Bücherzelle wird es, so der Plan, wieder ein kleines Fest geben.

Auch wenn es in letzter Zeit etwas ruhiger um „Schongau belebt“ geworden ist – „wir sind weiterhin aktiv“, sagt Beatrice Amberg. Ein Mal in der Woche kommt die Gruppe per Videochat zusammen, um neue Projekte zu planen. Auch für die vergangenen Monate hatte „Schongau belebt“ eigentlich schon ein paar Vorhaben – die wegen der Corona-Pandemie allerdings nicht umgesetzt werden konnten. Ein großer „Weibsdeifi-Flohmarkt“ zum Beispiel. „Wir müssen jetzt umdisponieren und uns neue Dinge überlegen.“

Spenden für die Bücherzelle gerne an folgendes Konto:

IBAN: DE03 7209 0000 0001 2565 56 bei der VR Bank Ostallgäu-Augsburg; BIC: GENODE1FAUB; Stichwort: Offener Bücherschrank

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